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Offen und zugig: das wieder demontierbare Stadion für die Eröffnungs- und Schlussfeier.
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Offen und zugig: das wieder demontierbare Stadion für die Eröffnungs- und Schlussfeier.

Olympia 2018

Winterspiele, wo es wirklich friert

  • VonFinn Mayer-Kuckuk
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Südkorea spart sich nutzlose Prachtbauten in Pyeongchang ? dafür wird es im Stadion bitterkalt sein.

Wegen der Olympischen Spiele bleiben die normalen Kunden weg. „In der ganzen Gegend ist der Autoverkehr beschränkt“, sagt Huh Moon-su, Skilehrer und Inhaber des Ladens „Mensch und Natur“ an der neuerdings so benannten Olympia-Straße nahe Alpensia, Landkreis Pyeongchang. „Die üblichen Touristen kommen nicht, schließlich sind alle Sportanlagen wegen Vorbereitungen für die Spiele geschlossen.“ Doch immerhin gebe es jetzt die neue Eisenbahnstrecke von Seoul in diese Region – die könne dem Geschäft künftig einen Schub geben. Ansonsten halte sich die Verschandelung der Gegend „glücklicherweise in Grenzen“.

Huhs Laden liegt nur wenige Kilometer vom olympischen Dorf in den Taebaek-Bergen östlich von Seoul. Es wird spätestens vom 8. Februar an rund 3000 Athleten beherbergen. Die Spiele finden an zwei Standorten statt. Um das künstliche Bergdorf Alpensia im Landkreis Pyeongchang herum liegen die Wettkampforte, die mit Skifahren zu tun haben. Im Küstenort Gangneung – schon nicht mehr in Pyeongchang – befinden die Stadien für die Wettbewerbe auf Eis.

Südkorea ist es als erstem Ausrichter seit langem wieder gelungen, die ökologischen und wirtschaftlichen Kosten der Winterspiele in Grenzen zu halten. Das Stadion hat beispielsweise nur 70 Millionen Euro gekostet – Taschengeld im Vergleich zu anderen olympischen Projekten. Tokio verbrät derzeit eine gute Milliarde Euro beim Bau der Arena für die Sommerspiele 2020. Das Stadion für Sotschi 2014 hat allein 700 Millionen Euro gekostet. Die koreanische Provinz Gangwon gibt nun genauso viel Geld für die gesamte sportliche Seite der Spiele aus – in Russland war es ein zweistelliger Milliardenbetrag. 

Die Organisatoren der Spiele in Pyeongchang haben sich die Warnung des Internationalen Olympischen Komitees zu Herzen genommen, keinen nutzlosen Prachtbauen zu hinterlassen. Das fünfeckige Stadion ist nicht nur preiswert, es lässt sich nach Ende der Veranstaltung auch wieder abbauen. Die Einzelteile lassen sich für andere Bauprojekte wiederverwerten. Die zuständigen Beamte haben sogar darauf verzichtet, ein Dach darüberzuspannen – zu teuer, wiegelten die Bürokraten ab. 

Der Nachteil der strengen Sparsamkeit: Im Stadion ist es eisig kalt. Schon nach einem Konzert im Dezember verließen sieben junge Zuschauer das Stadion mit Symptomen von Unterkühlung. Andere hatten sich um die einzigen Heizungen im Klo versammelt, um zumindest etwas Wärme zu schöpfen. Jetzt im Februar liegen die Temperaturen noch deutlich tiefer. Als der Korrespondent dieser Zeitung das Gelände besichtigt hat, herrschten minus 15 Grad und eisiger Wind – bei nur wenig Schnee. 

Einige der freiwilligen Helfer fühlen sich beim Herumstehen in der Kälte bereits an ihre Militärdienstzeit erinnert. In Pyeongchang kehrt Olympia eben nach mehreren warmen Winterspielen in eine wirklich eisige Gegend zurück. Die Organisatoren rüsten das Stadion nun eilig mit Heizstrahlern nach. Sie wollen außerdem Decken und heiße Getränke ausgeben lassen.  Doch der Aufwand für eine permanente Anlage hätte sich nicht gelohnt. Die Gegend ist dünn besiedelt und strukturschwach. In das Einwegstadion für 35 000 Zuschauer würden fast sämtliche Einwohner des Landkreises Pyeongchang passen, wenn sie etwas zusammenrücken.

Das benachbarte Skiressort Yongpyong – es gehört einer christlichen Sekte und dient nun ebenfalls den Spielen – reicht mit seinen Anlagen völlig für das normale Touristenaufkommen in der Region. Pyeongchang hat nur 44 000 Einwohner im Vergleich zu 350 000 in Sotschi oder gar 900 000 in Turin, dem Austragungsort der Spiele 2006. 

Es hat sich herausgestellt, dass es schwierig ist, Publikum anzulocken. Im In- und Ausland hält sich die Begeisterung für eine Anreise in Grenzen. Im ganzen Jahr 2017 war Korea vor allem wegen der Kriegsgefahr in den Medien – das hat die Lust auf eine Reise dorthin sichtbar gedämpft. Da ausländische Wintersportfreunde mit dem Flugzeug anreisen müssen, hatten sie das Zeitfenster für eine günstige Buchung verpasst, als die politische Entspannung kam. Korea selbst wiederum ist kein traditionelles Wintersportland, nur wenige hegen hier den Lebenstraum, Skisprung oder Curling einmal live zu sehen. Die Regierung initiiert deshalb nun „Plan B“ und verteilt Eintrittskarten an Schulen. 

All das bestätigt die Entscheidung der Organisatoren, nicht zu viel Geld für große Anlagen auszugeben. Das Menetekel für Pyeongchang ist das Schicksal des „Alps Ski Resort“ in dem Ort Heul-ri. Es liegt nur 60 Kilometer nördlich von Alpensia – und ist eine Geisterstadt. Im Jahr 2006 haben die Betreiber nach drei Jahrzehnten den Stecker gezogen. Jetzt sind die Hotels leer, die Natur holt sich das Shoppingzentrum zurück und die Sitze der Sessellifte schaukeln verlassen im Wind. Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt, hier Skianlagen zu betreiben – trotz der Nähe zur Zwanzig-Millionen-Metropole Seoul.

Doch Alpensia und Yongpyong sind wegen der Spiele mit dem Hochgeschwindigkeitszug an das gigantische Bevölkerungszentrum Seoul angebunden. Der nagelneue Bahnhof Jinbu liegt 20 Minuten mit Bus oder Taxi entfernt. „Die Erreichbarkeit ist schon enorm gestiegen“, sagt Skilehrer Huh. Die Chancen stehen gut, dass auch künftig etwas bleibt für die Region. 

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