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Ein kräftiger Schluck aus der Pulle: Dennis Mentschow fährt in Italien mal wieder vorneweg.
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Ein kräftiger Schluck aus der Pulle: Dennis Mentschow fährt in Italien mal wieder vorneweg.

Doping im Radsport

Wien war eine Reise wert

Holt der Humanplasma-Skandal den Giro-Favoriten Dennis Mentschow und weitere Spitzensportler ein?

Von WOLFGANG HETTFLEISCH

Ein sinnfälligeres Bild ließe sich nur schwer finden. Der Giro d'Italia wird nach Überzeugung aller Experten an den Hängen des Vesuv entschieden. Und Rabobank-Profi Dennis Mentschow strampelte als Führender der Gesamtwertung über den schlummernden Vulkan.

Dass dem Russen und einigen ehemaligen wie aktuellen Teamkollegen die Beteuerungen, nicht in die Affäre um die Wiener Blutbank Humanplasma verwickelt zu sein, um die Ohren fliegen könnte, glaubt man beim Rennstall bislang nicht. Die Sonderkommission Doping des österreichischen Bundeskriminalamts ist der Rabobank-Teamleitung aber offenbar um einige Informationen voraus. Die Soko Doping will Mentschow und andere Ex- oder Noch-Profis des niederländischen Teams als Zeugen vernehmen. "Es stimmt, dass wir an sie herangetreten sind und dass uns volle Kooperation zugesagt worden ist", sagt ein Sprecher des BKA in Wien.

Mentschow scheint sich noch sicher zu fühlen. "Ich habe mit dieser Sache nichts zu tun", beteuert der 31-Jährige. Wenn jemand etwas von ihm wissen wolle, habe er "kein Problem damit, Fragen zu beantworten". Das wird er müssen. Denn es kann eigentlich nur eine plausible Erklärung dafür geben, dass der Russe oder etwa sein prominenter ehemaliger Teamkollege Michael Boogerd beim BKA in Wien Rede und Antwort stehen müssen: Sie wurden in oder nahe der Blutbank im Wiener Alsergrund gesehen.

Frisches Blut für Shrek

In einer anonymen Anzeige waren diesbezüglich schon Anfang 2008 die Namen des von der Rabobank-Teamleitung 2007 als Gesamtführender aus der Tour de France genommenen Dänen Michael Rasmussen, von Mentschow, Boogerd, Joost Posthuma und Pieter Weening genannt worden. Alle bestritten den Vorwurf. Die Wiener Tageszeitung Kurier glaubt aber nachweisen zu können, dass einige prominente Rabobank-Profis auffällig häufig Zwischenstation in Wien machten. Unbestätigten Berichten zufolge wurden Mentschow und andere deshalb schon einmal vom österreichischen BKA befragt. Wie die Blutauffrischungen bei Humanplasma - unklar ist noch, ob mit oder ohne Wissen der Geschäftsleitung - funktionierte, ist inzwischen en detail bekannt: Die Sportler warteten in einem nahen Fast-Food-Restaurant, wo man sie abholte und in die Räume von Humanplasma geleitete. Die Athleten wurden unter Decknamen aus der Welt der Comics geführt. Der geständige Ex-Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl etwa firmierte als Shrek.

Dennis Mentschow konnte bislang darauf setzen, als Randfigur der Affäre womöglich übersehen zu werden. Juristische Folgen einer möglichen Verwicklung muss er ohnedies nicht fürchten. Selbst wenn der Russe in Wien Eigenblutdoping betrieben haben sollte, wäre das nach damaligem - wie wohl auch nach dem novellierten - österreichischen Recht kein strafbarer Akt gewesen. Die Verbindung zwischen Kohl und Rabobank ist freilich evident. Der Österreicher fuhr einst für das Juniorenteam von Rabobank. Mentschows Ex-Kollege Rasmussen gilt - wie der österreichische Skilangläufer Christian Hoffmann - als Miteigentümer der Blutzentrifuge, an deren Anschaffung sich auch Bernhard Kohl beteiligt hatte. Weitere Sportler sollen das teure Gerät quasi gemietet haben.

Dass die Soko Doping Mentschow und einigen anderen noch einmal auf den Zahn fühlen will, spricht dafür, dass die Verhöre von Kohl und dessen Manager Stefan Matschiner, der seinen Schützling zum Doping anleitete, neue Anhaltspunkte für ein internationales Dopingnetzwerk rund um die Wiener Blutbank ergeben haben.

Riebenbauer wundert sich nicht

Arnold Riebenbauer kann diese Entwicklung nicht überraschen: "Es existiert eine professionelle Struktur im Hintergrund." Der Richter am Bezirksgericht Spittal in Kärnten leitete die Untersuchungskommission des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) zur Dopingaffäre österreichischer Wintersportler bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin. Die damaligen Ermittlungen waren auch Ausgangspunkt für den Humanplasma-Skandal. "Man stößt auf internationale Querverbindungen. Aber es war nicht meine Aufgabe, das weiterzuverfolgen", sagt Riebenbauer. Bei einem Waldspaziergang habe ihm ein "absolut glaubwürdiger Informant" die Zusammenhänge erläutert und dabei auch Namen genannt. "Hauptsächlich aus dem Radsport und der Leichtathletik." Dafür, dass sich ungeachtet der vorliegenden Hinweise in Deutschland und anderswo nichts rührt, hat der Kärntner Jurist nur eine Erklärung: "Da wirkt wohl so etwas wie ein Heimatschutzgedanke."

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