Radsport

„Wie der erste Schultag“

Das neue Leben in der Radsport-Blase beginnt in Rumänien.

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Absperrgitter teilten den Marktplatz in der Altstadt von Hermannstadt (Sibiu) in einen öffentlichen und einen gesperrten Bereich. Im öffentlichen Bereich der rumänischen Stadt saßen Hunderte Menschen an den im Freien aufgestellten Tischen der umliegenden Restaurants. Sie tranken Bier, hatten gehäufte Teller mit Fleisch, Salat und gebratenem Gemüse vor sich und schauten auf den Prolog der Sibiu-Tour. Eigentlich ein unbedeutendes Rennen, wäre es nicht das erste Profi-Radrennen nach der Corona-Zwangspause.

Die Strecke durch die Altstadt war abgesperrt, allerdings nicht durchgängig mit Gittern. Manchmal flatterte nur ein Absperrband im Wind. Die Menschen, die hier ihren täglichen Wegen nachgingen, in Grüppchen auch an der Strecke verweilten, hielten sich an die Zeichen. Niemand passierte die Strecke, wenn ein Radsportler in Sicht war.

„Es war ein wenig wie der erste Schultag. Lange Zeit gab es ja keine Rennen. Keiner von uns wusste, wo er steht. Ich war schon drei Stunden vor dem Start sehr nervös“, erzählte der spätere Sieger des Prologs, Nikodemus Holler. Der 29-Jährige, Halbprofi beim deutschen Continental-Rennstall Bike Aid, hatte in der Regenlotterie am Donnerstag die passende Strategie gewählt und so die Vollprofis düpiert.

Strikte Corona-Regeln

Für Cosmin Costea, Streckenmanager handelt es sich nicht um das erste Rennen nach Corona, sondern um das „erste Rennen mit Corona“. Costea arbeitet nach eigenen Angaben seit 1987 im Gesundheitswesens Rumäniens als Medizintechniker. Seine Verbindungen in diesem Sektor waren hilfreich für die Planung. „Wir wollen die Fahrer schützen, damit sie sich nicht anstecken und die Infektion weiter verbreiten. Und wir wollen die Bevölkerung schützen, damit keine Infektionen von draußen durch die Teams kommen“, sagte er.

Deshalb gibt es die abgesperrten Bereiche. Die Teams sind in einer eigenen Sicherheitsblase, die Organisatoren in einer weiteren, die wenigen Medienvertreter in einer dritten. Fahrer und Betreuer mussten Covid-19-Tests vornehmen. Sie waren alle negativ. In den Hotels wird zweimal täglich die Temperatur gemessen. „Gibt es Anzeichen auf eine Infektion, wird sofort ein Test durchgeführt. Ist der dann positiv, wird der Fahrer ins Krankenhaus gebracht und sein Team aus dem Rennen genommen“, erklärte Costea. Die endgültige Entscheidung über einen Rennabbruch behält sich aber der Weltverband UCI vor.

Die Fahrer fühlen sich nach den ersten Eindrücken gut aufgehoben. „Ein bisschen Risiko ist immer dabei. Aber wir sind sicher unterwegs, sind in unserer eigenen Blase“, sagte etwa Pascal Ackermann, Sprintstar von Bora-hansgrohe. (dpa)

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