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Wettlauf im Südwesten

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Der 1. FC Kaiserslautern will junge Talente in Massen anlocken.
Der 1. FC Kaiserslautern will junge Talente in Massen anlocken. © dpa

Kaiserslautern will wieder gute Jugendarbeit machen.

Von Jan Christian Müller

Damals, in einer längst vergangenen Zeit, wollte der Deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern ganz hoch hinaus. So kam es, dass der Klub vor anderthalb Jahrzehnten unter dem damaligen Präsidenten Jürgen Friedrich auf einem ehemaligen US-Militärgelände sein Trainingszentrum „Rote Teufel“ konzipierte und Anfang des Jahrtausends dort mit seiner Jugendabteilung einzog.

Vier Rasenplätze, ein Kunstrasenplatz, ein Kabinentrakt wurden gebaut und einige Container als Umkleidekabinen aufgestellt, seitdem ist nichts mehr passiert. Der Klub ist dort nie heimisch geworden. Zehn Kilometer vom Betzenberg entfernt trainierten eine Weile auch die Profis – und fuhren mit dem Mannschaftsbus zurück ins Stadion, um dort zu duschen. Als Stefan Kuntz im April 2008 Vorstandschef beim FCK wurde, sorgte er dafür, dass das Training wieder droben auf dem Betze stattfindet. Dort schlage das Herz des Vereins, argumentierte er seinerzeit.

Künftig soll der Fröhnerhof zum Mittelpunkt des Vereinslebens werden. Auch die Profis sollen dort wieder trainieren, mit angemessener Duschmöglichkeit. Kuntz hat sich intensiv umgeschaut und war vor allem von den englischen Trainingszentren außerhalb der Städte angetan. Jugend- und Profispieler sollen sich auf dem Gelände begegnen und austauschen können.

Millionen durch Anleihen

Friedrichs Pläne waren seinerzeit nicht falsch, aber weil dem Klub im Zuge des Ausbaus des Fritz-Walter-Stadions zur WM-Arena das Geld ausgegangen war, blieb der Fröhnerhof ein Provisorium. Mittlerweile bekommt der FCK für sein Nachwuchsleistungszentrum bei der Zertifizierung durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) keinen einzigen von drei möglichen Sternen. „Schlechter geht’s nicht mehr“, räumt Kuntz ein.

Mithilfe seiner Fans wollen die Pfälzer nun sechs Millionen Euro über Anleihen einsammeln, Schmuckanleihen mit dem Konterfei von Fritz Walter inklusive, um Umbau- und Erweiterungsarbeiten auf dem Fröhnerhof durchzuführen. Der inzwischen weitgehend schuldenfreie Verein verspricht Anlegern eine Rendite von fünf Prozent, die sich bei Aufstieg in die Bundesliga auf sechs und weiteren sportlichen Erfolgen auf sieben Prozent steigern kann.

Die Verantwortlichen, die das Projekt jetzt auch ihren Sponsoren vorstellten, erwarten durch den 9,3 Millionen Euro teuren Ausbau künftig mit Mainz, Frankfurt und Hoffenheim wieder um die besten Spieler im Südwesten konkurrieren zu können. Kuntz sagt: „Wenn diese Anlage fertiggestellt ist, hoffe ich, dass wir wieder mehr Jugendliche für uns begeistern können.“

Persönliche Ansprache und Geld

In Mainz verfolgt man die Pläne mit Interesse. „Dem müssen wir uns stellen, wir nehmen den FCK als Konkurrenten absolut ernst“, sagte Nachwuchschef Volker Kersting. Auch die Mainzer planen den Ausbau ihres Trainingszentrums, wollen sich jedoch momentan mit einem zweistelligen Millionenprojekt nicht überheben und warten noch ab. Ohnehin glaubt Kersting, der „entscheidende Faktor“ beim Kampf um die besten Talente sei die persönliche Ansprache. Und nicht zu vergessen: die finanzielle Ausstattung. Kuntz erläutert, der FCK sei etwa gegenüber der auch personell sehr gut aufgestellten TSG Hoffenheim im Buhlen um Toptalente derzeit noch „völlig chancenlos“.

Die Lauterer Anleihe orientiert sich zwar an der erfolgreichen Emission des Hamburger SV, der auf diesem Weg Ende vergangenen Jahres 17,5 Millionen Euro zum Zinssatz von sechs Prozent geliehen bekam, um seinen Campus im Volkspark zu verwirklichen. Einen Seitenhieb auf die Hanseaten konnte sich Kuntz freilich nicht verkneifen: „Wir legen unsere Anleihe ganz bewusst erst jetzt auf, da wir es geschafft haben, wieder über ein positives Eigenkapital zu verfügen, und wir versprechen, dass jeder Cent in den Fröhnerhof investiert wird.“

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