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Kräftigen die Familienbande: Natascha und Florian Keller.

Indoor-Hockey

Wespen in der Halle

Das deutsche Indoor-Hockey sucht einen eigenen Status. Michael Stiebitz, Präsident des Berliner Hockey-Clubs, sieht ein enormes Potenzial, gerade auch für Zuschauer. In der Finalrunde um die Deutsche Meisterschaft spielen gleich Teams aus der Hauptstadt um den Titel.

Von Benedikt Paetzholdt

Immer dann, wenn die Finalrunde um die Deutsche Hallenhockey-Meisterschaft ansteht, melden sich die Meinungsführer der Sportart zu Wort, um die gängigen Probleme dieser Disziplin zu diskutieren. Konfliktträchtig wie im vergangenen Jahr, als Vereine wie der Berliner Hockey-Club (BHC) aufgrund vorolympischer Terminkollisionen nicht ihre besten Spieler aufbieten konnten, geht es diesmal nicht zu. Michael Stiebitz, Präsident des BHC, sagt: „Endlich einmal gab es keine Querelen um die Abstellung von Nationalspielern für Lehrgänge oder andere Dinge. Dieses Jahr geht es nur um den Sport. Es treten die besten Hallenteams an.“

Für Stiebitz ist die Ruhe allerdings kein Grund zur Entspannung. In diesen Tagen tritt er mit umstürzlerischen Gedanken an die Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu vielen Rasenfreunden ist er ein großer Anhänger des Indoor-Spiels. Sein Wunsch: Die Hallenversion soll endlich den Stellenwert bekommen, den sie verdient. „Die Sportart bietet enormes Potenzial, gerade auch für die Zuschauer. Ich sehe keinen Grund, warum sie in ein paar Jahren nicht auch olympisch sein sollte. Volleyball ist mittlerweile ja auch mit zwei Disziplinen vertreten.“ Stiebitz erwartet, dass von der Endrunde eine Initialzündung ausgeht. „Das Turnier soll beweisen, wie attraktiv Hallenhockey ist.“

Eine kleine Sensation

Bis zu 10.000 Zuschauer erwarten sich die Veranstalter an den kommenden zwei Tagen in der Max-Schmeling-Halle. Für eine entsprechende Stimmung ist es da ganz nützlich, dass gleich drei Teams aus Berlin um die Trophäe spielen. Natürlich der BHC. Eine kleine Sensation ist die Final-Teilnahme der Zehlendorfer Wespen. Der Klub tummelt sich im Mittelmaß der Zweiten Liga. Ambitionen Richtung Erstklassigkeit ließen sich zuletzt nicht wirklich diagnostizieren. Angetrieben von Peking-Olympiasieger Florian Keller, der für 38 von 96 Toren in dieser Saison verantwortlich ist, mischte der Klub in den vergangenen Monaten aber die Hallenszene auf.

Nach Platz zwei in der Ost-Tabelle besiegten sie im Viertelfinale der Deutschen Hallenmeisterschaften die haushohen Favoriten vom Bundesligisten Mannheimer HC 6:5. Am Sonnabend (18.45 Uhr) spielen sie gegen den Erstligisten Uhlenhorst Mühlheim um den Einzug ins Finale (Sonntag 14.30 Uhr). Dort würden dann entweder die Stadtrivalen vom BHC oder der Harvestuder THC warten.

Keller, der Bruder von Olympia-Fahnenträgerin Natascha, sagt: „Dass wir so weit gekommen sind, ist eine riesige Sache. Noch nie ist es einem Zweitligisten gelungen, am Finale zur Deutschen Meisterschaft teilzunehmen.“ Um auch weiterhin zu bestehen, baut der Stürmer auf die Eigenheiten des Hallensports. „Auf dem Feld könnten wir froh sein, wenn es nicht zweistellig gegen uns ausgeht. In der Halle ist das anders: Schnellere Spielzüge, kleineres Feld, weniger Spieler – da sind die Unterschiede nicht so groß.“

Zumal die ihnen höchstwahrscheinlich zugeneigten Zuschauermassen zur Leistungssteigerung beitragen dürften, so sie denn in der gewünschten Anzahl in die Halle strömen. BHC-Präsident Stiebitz wird auf diese Unterstützung hoffen. Auf seiner Werbetour für das Hallenhockey wären entsprechende Bilder ganz nützlich.

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