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Champagnerdusche für die Unterlegene: Isabell Werth (links) verfolgt Helen Langehanenberg.

Reitsport

Werth, Weihegold und der Weltcup

Isabell Werth überlässt der Konkurrenz in Göteborg wie immer nur die Trostpreise.

Die Chefin flippte gerade mal wieder aus, doch das brachte Weihegold kein bisschen aus der Ruhe. Während Isabell Werth nach ihrem dritten Weltcupsieg in Folge Konkurrentinnen, Funktionäre und Pferdepfleger mit Champagner duschte, untersuchte die schwarze Stute in aller Seelenruhe den Hallenboden. Nur ganz kurz hob sie den Kopf, ganz so, als wollte sie sagen: „Lass mich bloß damit in Ruhe.“

Isabell Werth und Weihegold sind im Weltcup ein unschlagbares Team. Mensch und Tier verbindet eine stoische Ruhe und die Fähigkeit, immer dann, wenn es eng zu werden droht, scheinbar mühelos einen Gang hochzuschalten. In Göteborg hatte die ewige Zweite Laura Graves (USA) mit ihrem Verdades die Latte hoch gelegt, doch Werth kann sich vermutlich wirklich nur selber schlagen – und hätte das auch fast getan.

Eine fast perfekte Kür

„Wir waren dicht dran an der perfekten Kür, aber dann war ich in den Einerwechseln ein bisschen arrogant“, schilderte die 49-Jährige jene Situation, in der es noch mal eng zu werden schien: „Ich hatte schon dieses Grinsen im Gesicht, und dann mache ich diesen Fehler. Das war so blöd, echt so blöd.“ Es reichte am Ende natürlich trotzdem, es reicht ja immer für die „Doyenne of Dressage“, wie der Weltverband FEI sie gerne bezeichnet.

Auf dem Weg zum olympischen Turnier 2020 in Tokio ist Isabell Werth in der Form ihres Lebens, dennoch weiß sie nach fast 30 Jahren Weltklasse nur allzu genau, dass der Erfolg ein flüchtiger und unsteter Begleiter ist. „Jeder ist schlagbar, und der Tag wird kommen, an dem sich das Blatt wendet“, sagte sie. Probleme, sich immer wieder neu zu motivieren, hat die erfolgreichste Reiterin der Geschichte ganz und gar nicht: „Ich liebe, was ich tue, es ist meine Passion, jeden Morgen in den Stall zu gehen und mit den Pferden zu arbeiten.“

An Rücktritt denkt sie ein Vierteljahr vor ihrem 50. Geburtstag im Juli keinesfalls, eher daran, wie es immer noch ein bisschen besser gehen könnte. „Hier in Göteborg war es nur fast perfekt, also müssen wir daran arbeiten, dass es beim nächsten Mal tatsächlich perfekt ist“, erklärte sie, und die neben ihr sitzende Laura Graves starrte sie fast ein bisschen ungläubig an.

In ihrem Stall daheim in Rheinberg am Niederrhein kann Werth aus dem Vollen schöpfen, im Gegensatz zu vielen Konkurrenten hat sie nicht nur ein Championatspferd. Weihegold geht jetzt erstmal in „Babypause“, demnächst kommt der Wallach Emilio zum Zug. Und dann ist da ja auch noch Bella Rose, die vierbeinige Göttin der Dressur, die Werth in Tryon zu den WM-Titeln acht und neun trug und zu der die Reiterin ein ganz spezielles Verhältnis hat: „Sie ist mein Traumpferd.“

Ende April startet Isabell Werth in Hagen a.T.W. in die Grüne Saison, es folgen die deutschen Meisterschaften im Juni in Balve, der CHIO im Juli in Aachen und die Europameisterschaften im August in Rotterdam. „Es gibt viel zu tun, also los“, sagte Werth. „So blöd“ wie bei ihrem insgesamt fünften Weltcupsieg in Göteborg soll es schließlich nicht wieder laufen. (sid)

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