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Die Zukunft als Skisprung-Bundestrainer ist noch ungeklärt: Werner Schuster bei der Vierschanzentournee.

Skisprung-Bundestrainer

Werner Schusters Spagat zwischen Familie und Adlern

Macht er weiter? Oder hört er auf? Bundestrainer Schuster macht um seine Zukunft bei den deutschen Skispringern ein Geheimnis. Über seine Nachfolge wird schon munter spekuliert.

Für die Kinder von Werner Schuster ist das Prozedere nach Weihnachten schon zur Gewohnheit geworden. „Meine Kinder sind 12 und 15. Und der Zwölfjährige, der schaltet den Fernseher ein, der sagt, mein Vater ist halt im Winter im Fernsehen.“

„Der kennt gar nichts anderes, das sind Belastungen“, sagte der deutsche Skisprung-Bundestrainer vor dem Beginn der Vierschanzentournee. Für den Österreicher Schuster ist es die elfte Tournee mit dem DSV-Team - und womöglich auch die letzte.

Der 49-Jährige aus dem Kleinwalsertal ist ein leidenschaftlicher Skisprung-Fanatiker. Er brennt für all die kleinen Details auf den Schanzen, für die Anfahrtsposition, den Absprung, die erste Flugphase und natürlich auch die Landung. Er kann stundenlang über Skispringen sprechen, ohne sich dabei zu wiederholen. Sportlich gibt es für Schuster kaum einen Grund, seinen bis März 2019 gültigen Vertrag beim deutschen Team nicht noch einmal zu verlängern.

Doch so einfach ist es diesmal nicht. Nach elf kräftezehrenden und langen Weltcup-Jahren denkt Schuster öffentlich nach. „Die Frage ist: Wie viel Energie habe ich noch? Wie kann man die Sportler entwickeln?“ Seine Familie verzichtet schon viele Jahre auf ihn, ein weiteres Engagement würde mindestens bis zur Heim-WM 2021 in Oberstdorf, wenn nicht sogar bis zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking gehen.

„Solange sich Sportler wie Geiger und Leyhe entwickeln, sieht man: es tut sich was. Gleichzeitig stehe ich auch für Seriosität, für langfristige Projekte, es hilft der Mannschaft nichts, wenn ich für ein Jahr oder so verlängere“, sagte Schuster. Dass das Thema nun bei der Tournee und wohl auch noch bei der WM in Seefeld offen ist, stört ihn nicht. „So ist es eine ganz normale Tournee und diese Geschichte ist noch nicht entschieden, ich werde das gewissenhaft entscheiden“, kündigte Schuster an.

Die Springer sind von dem akribischen Tüftler angetan und würden gerne weiter mit ihm zusammenarbeiten. Die Entscheidung wird alleine bei Schuster liegen, denn auch der Verband um den Sportlichen Leiter Horst Hüttel steht bedingungslos hinter ihm und will ihn zwingend länger beim Team Deutschland halten. Von der prestigeträchtigen Tournee, die ihm als einer von ganz wenigen Titeln noch fehlt, will sich Schuster nicht leiten lassen. „Ich laufe diesem Tourneesieg nicht nach. Ich selber springe ja nicht“, merkte der Trainer an.

Über mögliche Nachfolger wird längst spekuliert. Martin Schmitt wird in jedem Interview gefragt, ob er sich Schusters Erbe vorstellen könnte, doch ein so enormer Sprung vom TV-Experten zum Cheftrainer käme wohl zu früh. Anders gestaltet sich die Situation bei Stefan Horngacher, der früher Schusters Assistent war und nun die Polen um Dauersieger Kamil Stoch betreut. Sein Vertrag gilt ebenfalls nur bis zum Saisonende.

„Was nächstes Jahr ist, kann ich jetzt absolut nicht sagen. Ich weiß nicht, ob der Werner überhaupt aufhört. Dann müsste der DSV mich überhaupt erstmal fragen“, sagte Horngacher, der mit seiner Familie in Titisee-Neustadt im Schwarzwald lebt, vor ein paar Wochen zu entsprechenden Gerüchten. Er fühle sich in Polen extrem wohl, fügte der frühere Springer an. Wie ein Dementi klang das nicht. Es klang eher wie die Aussage von Niko Kovac, er sei „Stand jetzt“ Trainer von Eintracht Frankfurt.

(Von Patrick Reichardt und Thomas Eßer, dpa)

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