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Werder sucht den Durchblick

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Wie war das noch: Auf dem zweiten sieht man... Werder-Profi Tim Borowski beim optometrischen Visualtraining.
Wie war das noch: Auf dem zweiten sieht man... Werder-Profi Tim Borowski beim optometrischen Visualtraining. © dpa

Statt Trainingsspielchen oder Waldlauf beordert Werder Bremen seine Profis zum Augenscreening. Visualtrainer prüften das periphere und dreidimensionale Sehen. Trainer Schaaf hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Von Jan Christian Müller

Statt Trainingsspielchen oder Waldlauf beordert Werder Bremen seine Profis zum Augenscreening. Visualtrainer prüften das periphere und dreidimensionale Sehen. Trainer Schaaf hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Man hätte angesichts der zuletzt anhaltend schlechten Nachrichten im Zwist Aufsichtsrat versus Vorstand im Hause Werder Bremen annehmen können, beim norddeutschen Fußball-Bundesligisten würde nun nach dem Prinzip „Augen zu und durch“ verfahren. Das Gegenteil ist der Fall. Cheftrainer Thomas Schaaf schickte seinen gesamten 33-Mann-Kader an diesem Mittwoch zum Augentraining. Eine derart detaillierte flächendeckende Untersuchung hat es im deutschen Profifußball noch nicht gegeben.

Zwischen neun Uhr morgens und ein Uhr mittags checkte Funktionaloptometristin Alexandra Römer gemeinsam mit fünf weiteren Kollegen an sechs Stationen unter anderem Reaktionsschnelligkeit der Augen, Augenfolgebewegung, peripheres Sehen und 3-D-Sehen, letzteres vor allem wichtig für – um im Bild zu bleiben: gestochen scharfe Pässe in die Tiefe des Raums.

Römer, die im Frühjahr schon ein Augenscreening bei den Spielern des deutschen Handballmeisters HSV Hamburg durchführte, hat festgestellt: „Hochleistungssportler verfügen über ein überdurchschnittlich gutes visuelles System“, das freilich „extrem gefordert“ würde. Denn: Während der Arbeit auf dem Fußballplatz ist ein Spieler kampfbereit und hochkonzentriert. Adrenalin schießt ein, der Blutdruck steigt. „Das visuelle System reagiert mit Pupillenerweiterung und Scharfstellung der Linse für die Fernsicht. Nicht gut für unübersichtliche Situationen im Strafraum und bei Kurzpässen“. Schaaf sieht nach der verkorksten vergangenen Saison offenbar gerade dort Handlungsbedarf.

Nun anzunehmen, die Aussichten für die neue Spielzeit bei Werder Bremen seien prompt viel besser geworden, ist nicht statthaft . Diejenigen Werderprofis, bei denen die gestrenge Frau Römer Schwächen erkennt, müssen bis zu einem Jahr bei der Visualtrainerin üben: „Das Gehirn muss lernen, die Steuerung der Augenmuskulatur zu optimieren. Das geht nur über wiederholtes Training.“ Zweimal wöchentlich jeweils eine Stunde lang Augentraining hat die 45-Jährige bereits bei vier Bremer Profis durchgeführt.

Schaaf glaubt, daraufhin Fortschritte erkannt zu haben: „Wir haben gute Erfahrungen gemacht.“ Im Fußball, argumentiert der Innovationen durchaus zugeneigte Fußballlehrer, der damit ansonsten öffentlich eher zurückhaltend umgeht, „wird alles schneller, die Zeit immer kürzer, den Ball anzunehmen und Handlungen auszuführen.“ Somit stelle „sich auch die Frage, wie schnell kann ich etwas wahrnehmen – und wie viel.“ Wie zu sehen war, nahmen Aufsichtsratschef Willi Lemke und Vorstandsboss Klaus Allofs nicht an der Versuchsanordnung teil. Sie werden demnach nicht die gleiche Sicht der Dinge erlangen.

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