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Auf dem Weg nach London: Per Mertesacker.

Kommentar zum Wechsel von Per Mertesacker

Werder-Logik

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Nach Miroslav Klose, Diego (2009) und Mesut Özil verlässt mit Per Mertesacker die nächste Galionsfigur Werder Bremen. Der Wechsel zu Arsenal London spielt allerdings allen Beteiligten in die Karten.

Natürlich hat Joachim Löw nicht Nein gesagt. Als Per Mertesacker am späten Montagabend auf dem Zimmer des Bundestrainers durchklingelte und darum bat, statt in Düsseldorf mit der Nationalmannschaft zu trainieren lieber in London beim FC Arsenal den Medizincheck zu absolvieren, gab sich Löw generös. Und erteilte Erlaubnis für exakt einen Tag Absenz vom DFB, damit Mertesacker wichtige Zukunftsfragen klären kann.

Doch wer aus dem eiligen Aufbruch folgert, der 75-fache Nationalspieler kehrt in einer übereilten Aktion dem SV Werder Bremen den Rücken, der irrt. Mertesackers Karriereplanung ist langfristig angelegt, einen Verbleib an der Weser auf ewig hatte der 26-Jährige seit geraumer Zeit ausgeschlossen. Schon als Heranwachsender hat der bodenständige Niedersachse von der Atmosphäre in englischen Stadien geschwärmt und Arsenal stets als seinen Wunschverein bezeichnet. Dass die „Gunners“ nun zur Unzeit in der Defensive dilettierten und just bei Manchester United 2:8 untergingen, spielt allen Beteiligten in die Karten. Dem Spieler, der seinen im April geborenen Spross Paul nun mit seiner Lebensgefährtin Ulrike Stange zweisprachig erziehen kann, sofern der junge Familienvater seinen üppig dotierten Vierjahresvertrag in London erfüllt. Dem Verein, weil die Bremer nur in diesem Sommer noch die zweistellige Millionenablöse kassieren können.

Nach Miroslav Klose (2007), Diego (2009) und Mesut Özil (2010) lassen die Hanseaten die nächste Galionsfigur und ihren aktuellen Kapitän ziehen. Denn längst sind diese Transfereinnahmen elementar, um das grün-weiße Gebilde vor einer schweren finanziellen Schieflage zu bewahren. Erst recht vor dem Hintergrund ausbleibender Europapokaleinnahmen. Insofern gehorcht auch dieser Wechsel nur wieder der altbekannten Werder-Logik.

Die Kardinalfrage ist nur, ob der neue Arbeitgeber aus dem Nordlondoner Bezirk Islington mit dem deutschen Hünen wirklich weiterkommt. Dessen eklatante Schnelligkeitsdefizite haben sich schon in der Bundesliga oft nicht mehr übertünchen lassen. Und in der Premier League sollen Ball und Gegenspieler noch immer flotter unterwegs sein.

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