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Gehört zu denen, die über ihre Form rätseln: Arnd Peiffer.
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Gehört zu denen, die über ihre Form rätseln: Arnd Peiffer.

Mark Kirchner

„Da werde ich ungemütlich“

  • Jürgen Ahäuser
    VonJürgen Ahäuser
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Männer-Bundestrainer Mark Kirchner über das Auf und Ab im Biathlon und weshalb seine Athleten bei der WM in Hochfilzen nicht so abschneiden, wie sie gerne wollen.

Mark Kirchner holte bei den Olympischen Spielen 1992 und 1994 drei Goldmedaillen und wurde siebenmal Weltmeister im Biathlon. Seit 2010 ist er Bundestrainer der deutschen Männermannschaft.

Herr Kirchner, Benedikt Doll hat bei seinem Sieg im Sprint eine perfekte Schießleistung gezeigt, konnte sich aber selbst nicht mehr erinnern, wann ihm das zuletzt gelungen war. Erik Lesser hat bei seinem vierten Rang im Einzelrennen eine sehr ordentliche Leistung beim Schießen geliefert, ansonsten hadern die Athleten hier mit ihren Schießergebnissen. Woran liegt es, dass Ihre Athleten hier nicht ihre beste Leistung abrufen können?
Also, dass ist zunächst mal die Einschätzung, die man als Laie trifft. Der Benny hat stehend immer mal ein paar Problemchen gehabt. Das hat er zum richtigen Zeitpunkt korrigieren können. Ein Fehler wie beim Simon (Schempp) kann im Sprint immer passieren. Arnd (Peiffer) hat selber eingeschätzt, dass er bisschen zügig die zweite Runde gelaufen ist, er hatte da die schnellste Zeit, hat viel investiert und dadurch Probleme bekommen. Der Erik hat die ganze Woche schon Probleme mit dem Schießstand. Er kann die Scheibe nicht so anvisieren, wie er das gewohnt ist. Er hat das aber durch intensives Training in den Griff bekommen. Im Biathlon geht es auf und ab. Schauen Sie sich die Ergebnislisten an. Da schießt keiner dauernd Null.

Können Sie die Probleme von Erik Lesser erläutern?
Jeder Schießstand hat trotz vorgegebener Maße seine Eigenheiten. Mal stehen die Scheiben etwas tiefer, mal etwas höher. Da muss der Athlet die Waffe von oben nach unten drücken oder umgekehrt. Das ist wie beim Skispringen. Nicht jede Schanze liegt einem. Da muss auch ein bisschen an der Feinjustierung des Gewehrs gearbeitet werden.

Mit Benedikt Doll hat kaum jemand gerechnet. Ist ihm die Null deshalb gelungen, weil er den wenigstens Druck hatte?
Darüber, warum und wieso ihm das gelang, will ich gar nicht weiter nachdenken. Wir sind froh über den Weltmeistertitel im Sprint. Das ist das aggressivste Rennen, da hatten wir lange keinen Titel mehr.

Simon Schempp rennt seiner ersten Einzelmedaille bei einem Großereignis noch immer hinterher. Belastet es ihn, dass er immer wieder darauf angesprochen wird?
Vielleicht sollten Sie ihn nicht mehr darauf ansprechen. Natürlich ist er angespannt, er will es ja selber. Er hat sehr viel trainiert. Ihm fehlt vielleicht etwas die Frische. Aber im Massenstart ist er noch der Führende, das sollte ihn am Sonntag motivieren. So schlechte Rennen hat er ja hier nicht abgeliefert.

Sie bezeichnen das Team, das hier am Start ist, als das stärkste, das Sie je trainiert haben. Dennoch fällt auf, dass die Streuung bei den Platzierungen groß ist, es selten jemand gelingt, zwei gute Rennen hintereinander zu zeigen. Ein konstanter Spitzenläufer wie Martin Fourcade oder Laura Dahlmeier bei den Frauen ist nicht in Sicht.
Also, über was wollen wir denn hier reden? Suchen Sie das Haar in der Suppe? Da werde ich schon etwas ungemütlich. Man muss schon schauen, wo die Jungs hergekommen sind, wie sie sich entwickelt haben. Von denen hat schon jeder ganz oben auf dem Podium gestanden. Erik und Arnd waren Weltmeister, der Benny ist Weltmeister. Da brauchen wir über Qualität und Klasse nicht diskutieren. Martin Fourcade und Laura Dahlmeier sind Ausnahmeathleten.

Sie haben hier vier Weltklasseathleten am Start. Dahinter sieht es aber dünn aus. Die Staffel stellt sich von selbst auf.
Die Staffel stand schon vorher. Die zweite Reihe kommt nicht an das Quartett heran, tatsächlich ist das ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen. Da sind wir nicht konkurrenzfähig. Über die Vier braucht nicht diskutiert werden, die sind in den Top Elf der Gesamtweltcupwertung platziert. Wir sind die Nummer eins in der Nationenwertung und führen die Staffelrangliste an. Die Vier haben Außergewöhnliches geleistet. Richtig ist aber, dass es dahinter eine ziemlich große Lücke gibt. Die müssen wir mittelfristig schließen.

In Deutschland gibt es einen Hype um Biathlon. Da müssten Ihnen die Talente ja nur so zufliegen.
Fliegen tun sie nicht gerade, aber wir haben gute Junioren. Wir werden bei der kommenden Juniorenweltmeisterschaft sicher ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Wir haben vier Jungs aus dem Jahrgang 1996, die wir nächstes Jahr an den Weltcup heranführen. Die Decke ist nicht riesig dick, aber wir werden auch in Zukunft in der Weltspitze konkurrenzfähig bleiben. Nach den Olympischen Spielen gab es auch die großen Kritiker, die alles verdammt haben, bei den Frauen käme nichts nach. Und jetzt sieht es ganz anders aus. Man muss ruhig bleiben und weiterarbeiten.

Als erfolgreiche Sportart haben Sie sicher kein Problem mit dem neuen Leistungssportkonzept des Deutschen Olympischen Sportbundes?
Das kenne ich gar nicht (lacht). Ich mache mir um den DOSB generell wenig Gedanken. Ich muss meine Jungs in der Weltspitze halten. Was da andere denken und meinen, halte ich in meinem Kopf immer sehr klein.

Interview: Jürgen Ahäuser

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