Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Oberstdorf im Winterlook. Andreas Wellinger beim Trainingssprung für die 66. Vierschanzentournee.
+
Oberstdorf im Winterlook. Andreas Wellinger beim Trainingssprung für die 66. Vierschanzentournee.

Vierschanzentournee

Werbung in eigener Sache

  • Jörg Winterfeldt
    VonJörg Winterfeldt
    schließen

Die Vierschanzentournee startet traditionell in Oberstdorf und der kleine Ort putzt sich alljährlich dafür heraus - das gefällt nicht jedem.

So wie der erste Tag der Vierschanzentournee begann, stellen die Oberstdorfer sich das vor. Der Himmel über dem Allgäu färbte sich ein in sein schönstes Blau, die Sonne strahlte. Und auf den Gipfeln rund um das Fellhorn lag der Schnee, unten im Tal bis zu einem guten halben Meter hoch. Morgens gar rückte der Hubschrauber der Bergwacht aus, um die Winterlandschaft an den Berghängen für Ski- und andere Sportler sicherer zu machen: Weil es in den vergangenen Tagen nochmal heftig geschneit hat, herrschte ein gesteigertes Lawinenrisiko. Die Spezialisten halfen mit geordneten Sprengungen aus der Luft.

Damit das Fernsehen mit Bildern eines Winterparadieses Werbung für den Ort betreibt, halst Oberstdorf sich fast jährlich neue Großsportereignisse auf. Die Vierschanzentournee, die gestern mit der Qualifikation begann, im Januar die Skiflug-WM, 2021 gar erneut die nordische Ski-WM. Der Aufwand rentiert sich nur, wenn durch eine gelungene Inszenierung ein Reklame-Effekt entsteht. Durch den fortschreitenden Klimawandel wird das zunehmend schwieriger. In den vergangenen Jahren lag Oberstdorf zur Tournee auch schon in herrlichem Grün oder gar im Regen, was als Lockmittel für Wintersportler eher ungeeignet ist. „In diesem Jahr ist alles perfekt, es ist ein Hammer“, sagt daher Peter Kruijer, ein Orthopäde, der dem örtlichen Skiclub vorsitzt, „wir haben viel Schnee, und die deutschen Springer sind auch noch erfolgreich.“

Die Veranstaltungen sind kostspielige Angelegenheiten für den kleinen Allgäuer Ort, die außerdem ausgerechnet dann wertvolle Beherbergungskapazitäten blockieren, wenn das Geschäft eigentlich von ganz allein brummt. Um die Tournee herum haben die örtlichen Hoteliers Hochsaison, sie vermieten fast ausschließlich wochenweise. Dass ihnen da Sportler, Offizielle oder Journalisten für maximal drei Übernachtungen in die Parade fahren, ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht eher lästig. „Natürlich“, sagt Kruijer, „ist da jedes Jahr eine große Bettelei bei der Hotellerie nötig.“

Hinzu kommen die enormen Kosten für den Sport selbst. Seit dem Mauerfall alleine haben die Oberstdorfer und Kleinwalsertaler Bergbahnen 250 Millionen Euro investiert, um ihre Skigebiete mit Liften und Beschneiungsanlagen konkurrenzfähig zu halten. Zwar hat der Ort in den vergangenen Jahren trotzdem 15 Millionen Euro Schulden abbauen können, doch steht für das kommende Jahr auch wegen der sportlichen Großprojekte eine wieder um etwa zehn Prozent auf insgesamt 50,9 Millionen Euro steigende Verschuldung bevor. Für allein rund 30 Millionen Euro soll bald die in die Jahre gekommene Therme erneuert werden.

Die Investitionen sind vor Ort nicht unumstritten. Als Oberstdorf vor 13 Jahren zuletzt eine Ski-WM ausrichtete, bescherte das dem Ort zwar großen Ruhm aber auch eine immense finanzielle Belastung. Für 24 Millionen Euro waren die Sportstätten modernisiert worden, und die Schulden brachten die 10 000-Einwohner-Gemeinde so schwer in Schieflage, „dass sich der Wintersportort auf Jahre hinaus nicht davon erholt“ habe („Süddeutsche Zeitung“).

Die Grünen sprechen von „Größenwahn“

Für 2021 waren zum Schrecken knauseriger Haushälter gar zunächst Modernisierungsausgaben von etwa 50 Millionen Euro veranschlagt, die der Ort allerdings dank Subventionen von Land und Bund nicht allein zu tragen hätte. „Wir werden diesen Größenwahn nicht mittragen“, richteten prompt die örtlichen Grünen aus, empört vor allem, dass Oberstdorf mit Nachhaltigkeit geworben hatte, weil viele Sportanlagen bereits vorhanden seien. Doch nach neueren Berechnungen, der Eindampfung von Stadionplänen und der Streichung einer Gastronomie fällt das Investitionsvolumen auch nur knapp 20 Prozent geringer aus. Bis Mitte kommenden Jahres soll nun das Bauprogramm unter Aufsicht regionaler Architekten auf den Weg gebracht werden.

Zur Werbewirkung des Ortes soll in den kommenden Tagen nicht zuletzt der örtliche Stützpunkt der Skispringer beitragen: Nachdem die Bayern Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler bereits dort trainiert hatten, war vor einigen Monaten auch Richard Freitag samt seiner begabten Schwester Selina hinzugekommen, der zuvor am Stützpunkt Oberwiesenthal geübt hatte. Prompt war er seither an die Spitze der Weltrangliste aufgestiegen. „Das“, sagt der örtliche Skiclub-Chef Kruijer allerdings, „sehe ich jetzt nicht gleich als Oberstdorfer Verdienst. So ehrlich muss man sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare