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Das wichtigste deutsche Skirennen kann stattfinden - weil Schneekanonen den fehlenden Schnee kompensieren.

Wintersport im Klimawandel

Wenn der Schnee fehlt

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Das legendäre Kandahar-Rennen in Garmisch-Partenkirchen wird stattfinden - aber nur dank Schneekanonen. Es dauert wohl nicht mehr lange, bis der Klimawandel für manche Skisport-Region das Aus bedeutet. Der Kommentar.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Nicht nur bei Schlagerpartys ertönt oft noch der Ohrwurm des bis zu seinem Tod in der Nähe von Bremen beheimateten Entertainers und Showmasters Rudi Carrell, dem Mitte der 70er-Jahre die vielen verregneten Sommer in der norddeutschen Tiefebene mächtig auf die Nerven gingen. Angebracht wäre es, den Ohrwurm einfach mal umzutexten. Wann wird’s mal wieder richtig Winter?

Zugefrorene Seen, auf denen Kinder Schlittschuhlaufen lernen, ausgedehnte Schneelandschaften, in denen Familien eine Rodeltour unternehmen, sind selbst in den deutschen Alpenregionen fast zur Ausnahme geworden. Stattdessen zeigen sich frühere Skigebiete als immergrüne Landschaften. Wäre nicht die Schneekanone erfunden worden, könnte manch Liftbetreiber in Bayern oder Baden-Württemberg den Betrieb gänzlich einstellen.

Am Freitagmittag nun haben die Organisatoren des wichtigsten deutschen Skirennens aufgeatmet: Die weltberühmte Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen kann an diesem Wochenende stattfinden. Nachdem das erste Training noch abgesagt werden musste, können sich Thomas Dreßen und Kollegen also auf die bestens präparierte Piste wagen, an der die Helfer wochenlang gewerkelt haben. Der aus dem nahen Mittenwald stammende Dreßen räumte ein, er habe sich vor zwei Wochen nicht vorstellen können, im Schatten der Zugspitze zu starten.

Nun wird die Kunstschneestrecke den Zuschauer vor Ort und vor allem jenen an den Fernsehschirmen die erforderlichen Bilder liefern. Von der spektakulären Schussfahrt erhoffen sich die Veranstalter ja eine Signalwirkung für den Skiweltverband, der bald den Gastgeber für die Ski-Weltmeisterschaften 2025 festlegt. Neben Garmisch-Partenkirchen haben sich noch Saalbach-Hinterglemm und Crans-Montana beworben. Der französisch-sprachige Teil der Schweiz kann gegenüber den Anwärtern aus Deutschland und Österreich den Höhenvorteil anführen.

Denn bereits in fünf Jahren dürfte sich der Klimawandel weiter verschärft haben, und ob es dann noch sinnvoll ist, Pisten unterhalb von 1500 oder 2000 Meter mit gewaltigem Aufwand künstlich zu beschneien, muss gut überlegt sein. Es ist ein Tod auf Raten, der sich für traditionelle Skigebiete längst abzeichnet. Alternativen sind nötig. Bereits mittelfristig wird es nur noch vertretbar sein, Weltcup-Rennen und Weltmeisterschaften in Regionen auszutragen, in denen der Winter noch ein Winter ist. Garmisch-Partenkirchen gehört gewiss nicht mehr dazu.

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