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So sieht WM-Begeisterung aus: Die Nationalspieler Uwe Gensheimer, Matthias Musche und Fabian Wiede (von links nach rechts) jubeln nach dem Sieg gegen Brasilien.

Deutsches Handballteam

Wenn eins zum anderen kommt

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Gegen Brasilien zeigen die deutschen Handballer jene Homogenität, die sie für eine erfolgreiche WM brauchen.

Es hatte etwas von einem Auszug der Gladiatoren, als die Spieler nach 30 Minuten das Spielfeld verließen. In der Halle brodelte es, die Zuschauer auf den Tribünen befanden sich in Extase, und unten marschierten die Helden in Richtung der eigenen Kabine im Bauch der Arena. Das zweite Vorrundenspiel der deutschen Handballer bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land war erst zur Hälfte vorüber, aber die zentrale Botschaft des Abends war schon versendet worden – an die Konkurrenten bei diesem Turnier, an das Handballland, aber vor allem an sich selbst: Die Mannschaft ist bereit für die WM. Die Körpersprache der Akteure wies Anzeichen großer Begeisterung auf, sie war vielmehr geprägt von Überzeugung und Selbstvertrauen. Das 34:21 gegen Brasilien, zur Pause führten die Deutschen 15:8, wirkte nachhaltig nach innen.

„Ja“, entgegnete Steffen Weinhold. Manchmal bedarf es nicht vieler Worte, um einen Sachverhalt auf den Punkt zu bringen, manchmal ist es sogar viel eindeutiger, nur einen Satz zu sagen, oder ein Wort. Der Rückraumspieler vom THW Kiel brauchte nur zwei Buchstaben, um den entscheidenden Fakt der 60 Minuten gegen die Südamerikaner herauszustellen. Vor dem Start der Weltmeisterschaft hatte Bundestrainer Christian Prokop beinahe gebetsmühlenartig wiederholt, dass sich seine Mannschaft durch eine starke Defensive im Verbund mit einem guten Torhüterspiel Selbstvertrauen aneignen muss, um in der Offensive überzeugend auftreten zu können. Auf die Frage, ob die Leistung gegen die Brasilianer die perfekte Blaupause für den eigenen Spielplan gewesen sei und die Mannschaft eben deshalb viel Selbstvertrauen daraus ziehen könne, antwortete Weinhold schlicht: „Ja.“

Brasilien war im Gegensatz zum Auftaktgegner Korea ein ernstzunehmender Kontrahent, weil sportlich gefährlich. Auch wenn im weiteren Turnierverlauf noch deutlich stärkere Gegner warten, war die Partie wichtig, weil sie der Mannschaft und Bundestrainer Christian Prokop das Selbstverständnis vermittelte, in ihrem Miteinander auf dem richtigen Weg zu sein. Diese Überzeugung gibt keine Gewissheit für eine erfolgreiche WM, aber sie ist die Grundvoraussetzung dafür. 

„Irgendwann kam eins zum anderen“, sagte Hendrik Pekeler. Der Kreisläufer hatte gemeinsam mit Patrick Wiencek entscheidenden Anteil daran, dass eines zum anderen kommen konnte, denn die beiden Kieler bildeten in der ersten Halbzeit den Innenblock und strahlten miteinander so viel Stärke aus, dass dies fast zwangsläufig auf die Kollegen übergehen musste. Zwischenzeitlich schafften die Deutschen in der eigenen Abwehr den Eindruck, unüberwindbar zu sein. Die Leidenschaft des Einzelnen kombinierte sich im Miteinander zu einer Homogenität, die die Basis für ein erfolgreiches Handballspiel ist. Gleich zu Beginn setzte Torhüter Andreas Wolff Akzente und versprühte mit und nach seinen Paraden wieder jene Aura, die ihn beim EM-Erfolg vor drei Jahren innerhalb von knapp zwei Wochen zum gefragten Topstar werden ließ.

Der Sieg wird nicht überhöht

Das eine, die Dominanz in der Abwehr, verursachte das andere: Die Souveränität im Angriff. Die hatte in der ersten Hälfte, die von zwei guten Halbzeiten diejenige war, die mehr beeindruckte, viel damit zu tun, dass Steffen Fäth eine herausragende Leistung zeigte. Es spricht für den Rückraumspieler der Rhein-Neckar Löwen und für Prokop, dass sie gemeinsam die Formblockade lösten, die Fäth in den vergangenen Monaten im Verein hemmte. Nicht nur die vier Treffer machten den Mann im linken Rückraum so wertvoll, sondern viel mehr die Gefahr, die er ausstrahlte. Sie zwang die Brasilianer, den wurfgewaltigen Rechtshänder offensiv zu attackieren, was automatisch für mehr Platz für die Nebenleute sorgte. Fäth sprach nach dem Spiel von einem „Brustlöser“ – was nicht nur auf die deutsche Mannschaft insgesamt, sondern auch auf ihn selbst bezogen war. 

Fäth machte, wie auch die anderen Spieler und Trainer Prokop, nicht den Fehler, den Sieg gegen die Brasilianer zu überhöhen. Die Art und Weise des Erfolges war wichtig für die eigene Überzeugung, er sagt aber nicht alles über die Leistungsfähigkeit der deutschen Mannschaft, sondern deutete sie nur an. „Das nächste Spiel ist sehr, sehr wichtig, um zu sehen, wohin die Reise geht“, sagte Fäth mit Blick auf die Begegnung mit Russland am Montag (18 Uhr/ZDF). Dabei verrieten seine Augen die Lust auf das nächste Match. Von Verunsicherung keine Spur.

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