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Jeder dritte Bundesbürger schnarcht mehr oder weniger regelmäßig beim Schlafen. Meist ist das völlig harmlos. Unregelmäßiges Schnarchen ist dagegen gefährlich: Atemstillstand von bis zu zwei Minuten geht damit einher.
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Jeder dritte Bundesbürger schnarcht mehr oder weniger regelmäßig beim Schlafen. Meist ist das völlig harmlos. Unregelmäßiges Schnarchen ist dagegen gefährlich: Atemstillstand von bis zu zwei Minuten geht damit einher.

Atemstillstand

Wenn beim Schnarchen die Luft wegbleibt

Jeder dritte Bundesbürger schnarcht mehr oder weniger regelmäßig beim Schlafen. Meist ist das völlig harmlos. Unregelmäßiges Schnarchen ist dagegen gefährlich: Atemstillstand von bis zu zwei Minuten geht damit einher.

Frankfurt/Main (ap) - Jeder dritte Bundesbürger schnarcht mehr oder weniger regelmäßig beim Schlafen. Bei den 60- bis 70-Jährigen sind es sogar bis zu 60 Prozent, bei denen die Schwingungen des weichen Gaumens beim Atmen diese lauten Schlafgeräusche verursachen. Meist sind sie völlig harmlos. Gesundheitsschädigend ist allerdings unregelmäßiges Schnarchen, wie die Deutsche Herzstiftung warnt. Schnarchpausen sind Folgen eines Atemstillstands von bis zu zwei Minuten. Sie können sich in einer Nacht bis zu 400 Mal wiederholen. Diese sogenannte Obstruktive Schlafapnoe ist nach Angaben des Vereins Schlafapnoe eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung.

Der Körper reagiere auf den Sauerstoffmangel während der Schnarchpausen mit der vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, erklärt Albert Möller vom Schlafmedizinischen Zentrum in Frankfurt am Main. Das wiederum könne zu Bluthochdruck führen. Menschen mit dieser Krankheit litten häufiger als andere koronaren Herzkrankheiten, Infarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelverdichtungen. "Bei Betroffenen unter 50 Jahre, bei denen der Atem mehr als 20 Mal in der Stunde aussetzt, ist die Lebenserwartung gegenüber Gleichaltrigen herabgesetzt", sagt Möller.

Der ständige nächtliche Kampf um Luft macht aber auch unausgeschlafen, unkonzentriert, weniger leistungsfähig und depressiv. "Typisch für die Krankheit ist ein ständiges, zwanghaftes Einschlafen am Tag", sagt Möller. Besonders gefährlich ist der Sekundenschlaf. Hinter dem Steuer gilt er als Hauptursache schwerer Unfälle auf Autobahnen. Er verursacht sogar mehr Unfälle als Alkohol und Drogen. Nach der Fahrerlaubnisverordnung sind Menschen mit unbehandelter obstruktiver Schlafapnoe seit 2007 nicht mehr fahrtüchtig und riskieren rechtliche Konsequenzen, wenn sie trotzdem Auto fahren.

Die gefährlichen Atempausen entstehen durch ein Erschlaffen der Rachenmuskulatur in den Tiefschlafphasen. "Die Rachenwände fallen zusammen wie ein platt gefahrener Fahrradschlauch und blockieren die Atemwege", erklärt Rüdiger Hopf, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. Die Luftzufuhr werde unterbrochen. Sauerstoff könne nicht mehr in das Blut gelangen. Deshalb werde sauerstoffarmes Blut zu den Organen transportiert. Das Gehirn registriere den Sauerstoffmangel und löse eine Alarmreaktion aus. Der Schlaf werde kurz unterbrochen, so dass die Muskelspannung im Rachenraum wieder zunehme und sich die Atemwege für einige Luftzüge öffneten. "Rechnet man alle nächtlichen Atempausen zusammen, atmen Betroffene anderthalb oder sogar mehr als zwei Stunden nicht", sagt der Professor.

Zwtl: Bis zu acht Prozent der Bürger betroffen

Bislang ist noch nicht bekannt, was Ursache dieser Krankheit ist. "Wie beim Bluthochdruck spielen eine ganze Reihe von Faktoren, darunter auch die Vererbung, eine Rolle", sagt der Schlafmediziner Möller. Meist haben die Betroffenen ein deutliches Übergewicht. Der typische Patient ist zwischen 45 und 55 Jahren alt. In letzter Zeit müssen aber auch häufiger jüngere, dicke Männer behandelt werden. Männliche Schnarcher sind den Angaben zufolge doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

Die Medizin stuft die Schlafapnoe mittlerweile als Volkskrankheit ein, von der vier bis acht Prozent der Bundesbürger leicht bis schwer betroffen sind. Der Verein Schlafapnoe rechnet mit einer "erheblichen Dunkelziffer", weil viele nichts von ihrem Leiden wüssten. Auch die Mediziner Möller und Hopf müssen einräumen, dass bisweilen Patienten als Simulanten abgetan werden, weil ihre Beschwerden so vieldeutig sind.

Bei den leichten Fällen empfehlen die Experten neben der Reduzierung des Übergewichtes und des Verzichts auf Alkohol am Abend Änderungen der Körperlage beim Schlafen. Die Rückenlage, die das Zurückfallen der Zunge begünstigt, sollte vermieden werden. Zudem wird in manchen Fällen die Stellung des Unterkiefers operativ korrigiert.

In etwa 80 Prozent der Fälle hilft laut Möller ausschließlich das lebenslange Tragen einer Nasenmaske. Der Luftstrom mit einem individuell festgelegten Druck von wenigen Millibar hält die Atemwege offen. In zwei bis drei Nächten im Schlaflabor wird die Maske eingestellt. "Fast alle Patienten berichten bereits nach der ersten Nacht, sich seit Monaten oder gar Jahren erstmals wieder richtig ausgeschlafen zu fühlen", sagt der Mediziner.

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