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Caster Semenya, Leichtathletin aus Südafrika, hält die Sportwelt in Atem.

Testosteron-Grenzwerte

Weltweite Kritik

Die Wogen schlagen nach dem CAS-Urteil im Fall Caster Semenya weiter hoch.

Wut und Enttäuschung, eine Prise Sarkasmus und heftige Kritik von allen Seiten: Das CAS-Urteil im Fall von 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya hat eine Welle der Solidarität mit der Leichtathletin aus Südafrika ausgelöst. Der südafrikanische Verband prüft einen Einspruch gegen das Urteil – wie viele andere beklagte er eine „Diskriminierung“ Semenyas. Es gab aber auch Zustimmung zur neuen Testosteron-Regel des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.

„Mich würde wirklich interessieren, was Usain Bolt sagen würde, wenn man ihm Hormone gäbe, damit seine Beine schrumpfen. Nichts anderes verlangt man von Semenya“, sagte Balian Buschbaum, der als Yvonne Buschbaum vor seiner Geschlechtsangleichung mehrfach deutscher Stabhochsprungmeister war. „Schade, dass Caster Semenyas Anliegen von jemand be- und verurteilt wurde, der nie in ihren Schuhen gelaufen ist. Schade, dass Gerichte über Verstand und nicht mit Empathie entscheiden“, befand der 38-Jährige.

In einem wegweisenden Urteil hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS am Mittwoch im Streit um Testosteron-Grenzwerte für Frauen den Einspruch der 800-Meter-Olympiasiegerin von 2012 und 2016 abgelehnt. Damit kann die entsprechende IAAF-Regel, in der Testosteronlimits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen festgesetzt werden, am 8. Mai in Kraft treten.

Semenya muss nun ihren natürlichen Testosteronwert durch Medikamente senken, damit sie an der Leichtathletik-WM in Doha in Katar (27. September bis 6. Oktober) teilnehmen kann. Die neue Regelung umfasst Frauenrennen zwischen 400 Metern und einer Meile (1609 Meter).

„Frauen mit intersexuellen Anlagen haben das gleiche Recht zur Würde und Kontrolle über ihren Körper wie andere Frauen“, sagte Liesl Gerntholtz, stellvertretende Generaldirektorin von Human Rights Watch. „Furchtbar unfair“ und „prinzipiell falsch“ findet Tennislegende Martina Navratilova das Verdikt der drei Sportrichter. Semenya habe „nichts Falsches getan, und es ist schrecklich, dass sie nun Medikamente nehmen muss, damit sie an Wettkämpfen teilnehmen kann“, sagte die 62-Jährige. „Allgemeine Regeln sollten nicht aus ungewöhnlichen Fällen abgeleitet werden, und die Frage von intersexuellen Athleten bleibt ungelöst“, so Navratilova. Das südafrikanische Frauen-Ministerium fand das Urteil habe einen „Beigeschmack von Sexismus und Rassismus.“ Ein Einspruch gegen CAS-Urteile ist vor dem Schweizer Bundesgericht möglich.

Trotz all dem Aufruhr um ihre Person wird Semenya überraschend zum Auftakt der Diamond-League-Serie in Katars Hauptstadt Doha starten. Die 28-jährige steht erst seit Donnerstag auf der Startliste des hochkarätig besetzten Leichtathletik-Sportfestes. Der Start des 800-Meter-Rennens am Freitag ist für 20.07 Uhr angesetzt. (dpa)

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