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Denise Herrmann will es wieder beweisen.

Biathlon

Weltmeisterin Herrmann bleibt ehrgeizig

Denise Herrmann steht beim Saison-Auftakt der Biathleten besonders im Fokus. Die Weltmeisterin aus Sachsen soll die große Lücke füllen, die Laura Dahlmeier hinterlassen hat. Selbst hat sie andere Interessen und muss sich vor allem in einem Bereich stark verbessern.

Am Ort ihrer größten Erfolge will es Denise Herrmann wieder allen beweisen. Die Rückkehr nach Östersund ist für die Biathletin aus Sachsen ganz besonders, denn in Schweden feierte sie 2017 ihren ersten Weltcupsieg und in diesem Frühjahr auch noch den ersten WM-Titel in der Verfolgung. „Da bekommt man immer noch Gänsehaut-Feeling. Aber darauf darf man sich nicht ausruhen“, sagte Herrmann vor den ersten Saisonrennen am Samstag (13.10 Uhr/ARD und Eurosport). Die 30-Jährige soll die große Lücke füllen, die Laura Dahlmeier durch ihren frühen Rücktritt hinterlassen hat. Herrmann selbst schaut aber nur auf sich – und will sich weiter steigern.

Eigentlich sollte sie in der Mixedstaffel gemeinsam mit Olympiasieger Arnd Peiffer, Karolin Horchler und Benedikt Doll an den Start gehen. Doch der 32 Jahre alte Peiffer, der im März in Mittelschweden WM-Gold im Einzel geholt hatte, fällt wegen eines Magen-Darm-Infekts aus. Er fehlte bei der ersten Trainingseinheit am Freitag bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt und wird durch Simon Schempp ersetzt. Ob Peiffer am Sonntag im Sprint startet, ist noch offen. Schempp hatte die Vorsaison körperlich ausgelaugt nicht beenden können und drängt zurück in die Weltspitze.

WM-Titel keine Eintagsfliege

Herrmann will sich dort etablieren und zeigen, dass ihr WM-Titel nicht nur eine Momentaufnahme war. „Ich versuche meine Sachen konsequent weiterzumachen und an meinen Schwächen zu arbeiten. Man muss jetzt fast noch härter arbeiten“, sagte Herrmann. Die frühere Langläuferin hat sich Hilfe von einem Mentaltrainer geholt, um die schwierigen Momente am Schießstand besser meistern zu können. Zwar fehlt ihr die jahrelange Erfahrung der Konkurrenz im Umgang mit der Waffe, ihre Fortschritte seit dem Wechsel der Disziplin im Frühjahr 2016 sind trotzdem erstaunlich. In der Loipe bestimmt sie das Tempo und kann so ganz vorne mitmischen.

„Denise ist sicher eine Führungsperson“, sagte Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer. In dieser Rolle sieht sich Herrmann auch selbst, betonte aber vor dem Beginn des WM-Winters auch energisch, dass sie keine neue Laura Dahlmeier sei: „Ich bin ich.“ Die Sehnsucht ist groß, dass sofort jemand den Verlust der Doppel-Olympiasiegerin und siebenmaligen Weltmeisterin auffangen kann. „Ich bin ja eine der Älteren und vielleicht auch mal ein Sprachrohr für gewisse Sorgen, Nöte und Anträge. Aber jetzt nach einer neuen Galionsfigur zu suchen, das ist Quatsch, viele haben es drauf“, sagte Herrmann.

Obwohl Herrmann mit Gold, Silber und Bronze bei der WM in Östersund im Frühjahr erfolgreichste Deutsche war, kam bei ihr im Sommer alles auf den Prüfstand. Wichtigste Veränderung ist das neue Gewehr, an dem sie zusammen mit Waffenmeister Sandro Brislinger in Oberhof unzählige Stunden feilte. „Es war eine kleine Geduldsarbeit, es muss ja millimetergenau passen“, sagte Herrmann. Sie wisse jetzt aber viel besser, „mit welchem Winkel man die Arme anlegen muss. Ich wollte mich einfach auf den neuesten Stand bringen“. Das Ziel: „Wenn ich pro Wettkampf eine Scheibe mehr treffe, wäre mir schon geholfen.“

Dabei geht es mehr denn je auch um Geschwindigkeit. Herrmann muss nicht nur ihre Trefferleistung von 78 Prozent steigern, sondern ihre Schüsse auch noch deutlich schneller abfeuern. Sie erhofft sich eine Verbesserung um bis zu zwei Sekunden. Gesamtweltcupsiegerin Dorothea Wierer und ihre italienische Landsfrau Lisa Vittozzi sind in diesem Bereich Spitze und halten so den Druck auf die Konkurrenz enorm hoch.

Drei ihrer vier Weltcupsiege feierte Herrmann bislang in Östersund. In den kommenden Wochen sollen weitere hinzukommen: „Im Training verlief alles gut. Ich hoffe, dass ich gut in die Saison einsteige.“ Bevor Herrmann das erste Mal gefordert ist, absolvieren Franziska Preuß und Erik Lesser im Single-Mixed das erste Rennen in Östersund und wollen es am liebsten direkt auf das Podest schaffen. (dpa)

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