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Warm Baden in Rosenwasser, wenn auch in schöner Umgebung, ist noch lange keine Wellness-Anwendung.
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Warm Baden in Rosenwasser, wenn auch in schöner Umgebung, ist noch lange keine Wellness-Anwendung.

Die Wellness-Woge rollt

Alte Traditionen an der Ostsee neu belebt

Von AP-Korrespondent Lutz Jordan

Heiligendamm (ap). Wellness-Urlaub wird in Deutschland immer beliebter. Nach Umfragen der Kieler Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen wollten zwei Drittel aller Deutschen im laufenden Jahr auf Reisen gehen - gut 65 Prozent von ihnen hätten sich dabei für einen Wellness-, Fitness- oder Kururlaub entschieden. Auf diesen Trend hat sich das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern eingestellt und knüpft mit seinen Wohlfühlhäusern an eine lange Tradition im Wellness-Sektor an.

50 Hotels, Kliniken und Freizeitbäder in dem Bundesland bieten vom Deutschen Wellnessverband (DWV) geprüfte Qualität an, die damit sozusagen die "Lizenz zum Verwöhnen besitzen", wie Geschäftsführer Bernd Fischer vom Landestourismusverband erklärt. Damit sollen Erholungssuchende vor Enttäuschung und Nepp bewahrt und verbindliche Mindeststandards auf dem schwer durchschaubaren Wellness-Markt gewährleistet werden.

Der Überlieferung zufolge war es Deutschlands ältestes Seebad Heiligendamm, das mit seiner Gründung vor über zwei Jahrhunderten das Wellness-Zeitalter bei uns einläutete. Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin veranlasste auf Anraten seines Leibarztes Samuel Vogel den Bau der Oase.

Letzter Anstoß war ein Praxistest, als der Herzog am 22. Juli 1793 samt Gefolge in die Fluten am Heiligen Damm eintauchte und so erstmals Bekanntschaft mit dem erfrischenden Ostseewasser machte. "HEIC TE LAETITIA INVITAT POST BALNEA SANUM" (Hier erwartet dich Freude, entsteigst du gesundet dem Bade) ließ der Herrscher später in großen Lettern an das Kurhotel schreiben - und diese Inschrift prangt auch heute noch über dem aufwändig restaurierten Luxushotelkomplex.

Von Wellness sprach zwar vor Jahrhunderten noch niemand, aber die spanische Ordensschwester Theresia von Avila hatte bereits im 16. Jahrhundert die heutige Wellness-Theorie in folgende Worte gekleidet: "Man muss dem Leib viel Gutes tun, damit die Seele Lust hat in ihm zu wohnen."

Weiter ist überliefert, dass ein englischer Edelmann etwa weitere hundert Jahre später die prächtige Gesundheit seiner Tochter mit dem Wort "wealnesse" umschrieb. Behandlungskonzepte unter dem Namen Wellness wurden letztlich vor gut 50 Jahren von amerikanischen Präventivmedizinern entwickelt, wie DWV-Bereichsleiterin Hildegard Dorn-Petersen berichtet.

Warnung vor schwarzen Schafen

Doch der Begriff Wellness ist dehnbar - und nicht immer verbirgt sich dahinter wirklich sinnvolles, wie Dorn-Petersen zu bedenken gibt. So werde beispielsweise auch Schönheitschirurgie unter der Kategorie "Medical Wellness" verbucht.

Tourismusexperten warnen deshalb vor schwarzen Schafen: Keine Kosmetikerin könne Akne fortzaubern, keine Massage Haltungsschäden wettmachen oder die Seele ins Lot bringen. Wellness sei aber auch mehr als ein Schaumbad mit Rosenduft. Wenn die gebuchte Ayurveda-Kur sich als simple Gesichtsbehandlung entpuppe oder die Ruhezonen nach Desinfektionsmitteln statt nach Milch und Honig dufteten, laufe etwas falsch. Zudem sei oft schwer einzuschätzen, ob Shiatsu-Massage, Akupressur und Aromatherapie sachgerecht erfolgten oder es mit Erlebnisdusche, Anti-Aging, Erdwallsauna und Biofeedback alles seine Richtigkeit habe.

Einfach ins Meer zu springen oder bei Kniebeugen am Sandstrand eine Brise Salzluft einzuatmen - diese Vorstellung von Wellness gehört der Vergangenheit an. Neben traditionellen Anwendungen mit Wasser, Moor, Kreide, Lehm oder Milch sind seit Friedrich Franz I. Behandlungen wie Ayurveda, Lomi Lomi, Qi Gong, Pantai Luar oder Rasul hinzu gekommen.

Die Pioniere der Ostsee-Wellness, etwa die Preußenkönigin Louise und ihre Tochter Alexandrine, Lord Nelson, Zar Nikolaus I. oder Dichter Rainer Maria Rilke, hätten über solche Angebote sicher gestaunt. Der Wellness-Markt hat sich dank dieser rasant gewachsenen Palette allerdings zu einem lohnenden Geschäft entwickelt - denn die Sehnsucht nach Wohlbefinden und Körpererfahrung lassen sich die Gesundheitsurlauber immer mehr kosten.

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