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Springt derzeit in einer anderen Liga: Malaika Mihambo.

Leichtathletik-Meisterschaften

Weitspringerin Malaika Mihambo: Die Nummer eins der Welt

Weitspringerin Malaika Mihambo fährt nach ihrem Satz auf 7,16 Meter als Favoritin zur WM.

Nach dem Sprung ihres Lebens flippte Malaika Mihambo nicht aus. Die neue Überfliegerin der deutschen Leichtathletik ist eine stille Genießerin, markige Sprüche sind nicht die Sache der 25-Jährigen. Also plauderte sie nachher unaufgeregt, aber selbstbewusst über ihre beeindruckende Show von Berlin und das, was da noch kommen soll bei der WM.

„Es ist ein cooles Gefühl, zu wissen, dass man die Nummer eins der Welt ist“, sagte Mihambo über ihren Riesensatz auf 7,16 Meter bei der deutschen Meisterschaft. Spätestens jetzt ist die reflektierte Politikstudentin Anwärterin Nummer eins auf Gold bei den Titelkämpfen in Doha/Katar (27. September bis 6. Oktober), auch wenn sie das so nie sagen würde. „Ich weiß, dass ich gute Chancen für die Weltmeisterschaften habe, und freue mich darauf“, sagte sie stattdessen.

Im Vorjahr schaffte Mihambo in Berlin mit dem EM-Titel ihren internationalen Durchbruch und ging danach auf der Suche nach geistiger Erfüllung durch ihr Traumland Indien, übte sich in Meditation und Yoga. „Das gibt so ein tiefes Gefühl von Klarheit, das man da empfindet“, sagte die gebürtige Heidelbergerin. Die mentale Erfahrungstour rund um Mumbai, das „Trainingslager mit dem Rucksack auf dem Rücken“, wie Mihambo der „Welt sagte“, verpasste einer ohnehin schon steilen Karriere den nächsten Schub: „Ich habe noch mehr zu mir selbst gefunden, mich besser kennengelernt. Dadurch bin ich jetzt offener, lockerer und selbstsicherer.“

Das ist zu sehen. WM-Gold wäre jetzt noch einmal ungleich wertvoller. Die bisher letzte deutsche Weltmeisterin im Weitsprung hieß Heike Drechsler, damals, 1993, war Mihambo noch nicht einmal geboren. Doch nun schickt sie sich an, das Erbe anzutreten.

„Ich hoffe, dass das noch nicht das Ende war“, sagte Mihambo über ihren letzten Versuch, mit dem sie die Fans im Olympiastadion von den Sitzen gerissen hatte. Sicher „ein Supersprung“, sagte sie, schließlich sind in Deutschland bisher nur Drechsler (7,48) und Helga Radtke (7,21) jemals weiter in die Sandgrube gesegelt, „aber gefühlt waren da noch Dinge, die ich verbessern kann“.

„Habe noch Potenzial“

Schon jetzt hat sich Mihambo auf ein ganz neues Level katapultiert, aber vielleicht geht es ja noch weiter hinaus für sie. Dabei drohte Mihambo, die auch leidenschaftlich gerne Klavier spielt und näht, nach Platz vier bei Olympia in Rio wegen einer schwerwiegenden Fußverletzung 2017 schon das Karriereende. Doch mit ihrem Trainer Ralf Weber kämpfte sie sich aus der Krise – und träumt von mehr. „Ich denke, dass ich noch Potenzial habe“, sagte sie. „Mich treibt an zu sehen, wie weit ich springen kann.“

In Berlin bewies sie mit Platz drei über die 100 Meter ihre enorme Schnelligkeit, in Doha peilt Mihambo einen Doppelstart an. Doch die größten Chancen hat sie im Weitsprung, keine Frage. Ihren Status als Nummer eins in der Welt will sie nutzen, „um daraus positive Kraft zu ziehen“, sagte Mihambo, die aber auch damit rechnet, dass von der Konkurrenz um die viermalige Weltmeisterin Brittney Reese, Kenyattia Hackworth (beide USA) oder die Nigerianerin Ese Brume „noch viel kommen wird, gerade auch spontan bei der WM“.

In dieser Verfassung kann von Mihambo noch viel kommen. Vielleicht flippt sie in Doha ja aus. Als Weltmeisterin. (sid)

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