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Orientalische Genüsse

Weihnachtsgewürze mit Risiken und Nebenwirkungen

Experten halten Warnungen vor Zimt für berechtigt - Viele Gewürze wirken aber auch positiv

Frankfurt/Main (ap). Das Aroma von Gewürznelken, Zimt und Anis gehört für die meisten Deutschen ebenso zu Weihnachten wie der Tannenbaum. Doch Warnungen vor übermäßigem Verzehr von Zimt haben Manchem den Appetit auf Plätzchen verdorben: So rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass Kinder mit einem Körpergewicht von etwa 15 Kilogramm nicht mehr als zehn Zimtsterne pro Woche essen sollten.

Ernährungswissenschaftler wie Guido Ritter von der Fachhochschule Münster halten diese Warnungen für durchaus berechtigt. "Viele Stoffe, die wir seit Jahrhunderten zu uns nehmen, können in hohen Dosen giftig sein", sagt er. Erkenntnisse dieser Art werden seiner Ansicht nach in den kommenden Jahren sogar zunehmen. Das BfR warnte bereits im Sommer vor übermäßigem Verzehr von Zimt. Denn im so genannten "Cassia-Zimt" kommen höhere Konzentrationen des Aromastoffs Cumarin vor. Bei empfindlichen Personen kann dieser Stoff schon in relativ kleinen Mengen Leberschäden verursachen, wie die Behörde meldete. Die Wirkung sei allerdings reversibel - das heißt, die Leber erholt sich wieder. Dennoch empfiehlt das BfR Verbrauchern, täglich nicht mehr als 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen. Daher soll ein Erwachsener, der 60 Kilogramm wiegt, nicht mehr als etwa 40 Zimtsterne pro Woche essen. Gefährdet sind nach Ansicht des BfR vor allem Kleinkinder: Bei ihnen ist die Grenze schon erreicht, wenn sie einmal in der Woche Milchreis mit Zimt oder 100 Gramm zimthaltige Cerealien essen.

"Viele Stoffe, die wir seit Jahrhunderten zu uns nehmen, können in hohen Dosen giftig sein"

Vermeiden kann man Probleme aber, wenn man auf den teureren Ceylon-Zimt ausweicht, da dieser nur Spuren von Cumarin enthält. Da die Zimtsorte auf den meisten Packungen nicht angegeben ist, kommt man oft nicht umhin, in Reformhäusern oder Apotheken gezielt nach Ceylon-Zimt zu fragen. "Man zahlt dann auch Apothekerpreise", sagt allerdings die Ernährungswissenschaftlerin Gesa Maschkowski vom aid-Infodienst in Bonn. Für die Expertin kamen die Warnungen vor Zimt nicht überraschend. "Die meisten aromatischen Gewürze können gefährlich sein, wenn man sie in großen Mengen zu sich nimmt", sagt Maschkowski. Muskat sei zum Beispiel so giftig, dass ein Kind sterben könne, wenn es ein bis zwei Nüsse verschlucke. Die Tonkabohne, ein Gewürz, das in der exotischen Küche verwendet wird, enthalte wie Zimt viel Cumarin. Auch Basilikum, Estragon und Fenchel können in hohen Dosen schädlich sein: Sie enthalten Maschkowski zufolge den Stoff Methyleugenol, der im Tierversuch krebserregend und erbgutschädigend ist. Daher sollten vor allem Kinder nicht über einen längeren Zeitraum in großen Mengen Fencheltee trinken.

Düfte wecken Erinnerungen

Allen Warnungen zum Trotz haben die meisten Gewürze aber auch viele positive Wirkungen. "Schon die Duftstoffe wirkenerwiesenermaßen stimmungsaufhellend und appetitanregend", sagt Guido Ritter. Die Aromen riefen im Gedächtnis vieler Menschen beispielsweise Bilder von weihnachtlichem Lichterglanz wach. Außerdem haben viele Gewürze Heilkräfte. So hat der in Verruf geratene Zimt - ebenso wie Ingwer - eine antibakterielle Wirkung und hemmt das Wachstum von Pilzen. "Viele Gewürze, die scharf schmecken, wirken so", sagt Ritter.

Daher sind Speisen in warmen Ländern oft scharf gewürzt. Generell wirkten fast alle Gewürze appetitanregend und verdauungsfördernd, sagt Ritter. Außerdem hat Anis bekanntlich eine schleim- und krampflösende Wirkung und ist daher oft in Hustensäften enthalten. Vanille sagt man einen fast euphorisierenden Effekt nach der Duftstoff ist nach aid-Angaben chemisch verwandt mit den Sexuallockstoffen (Pheromonen) des Menschen. Auch Kardamom gilt als Aphrodisiakum, also als Scharfmacher, daneben hilft er bei Blähungen. Gewürznelken wirken in hoher Konzentration nicht nur antibakteriell, sondern regelrecht lokalanästhetisch: Ein bekanntes Hausmittel gegen Zahnschmerzen ist, eine Gewürznelke zu zerbeißen. Allerdings gibt es Menschen, die schon bei einem Lebkuchen einen Juckreiz im Gaumen spüren: Vor allem bei Pollen-Allergikern können bestimmte Gewürze Kreuzreaktionen hervorrufen.

"Gewürze haben generell ein hohes allergenes Potenzial"

Nach Angaben von Anja Baustian von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin haben Menschen, die gegen Sellerie allergisch sind, ein erhöhtes Risiko, auf Doldenblütler wie Anis, Koriander, Kümmel, Kreuzkümmel und Liebstöckel zu reagieren. "Gewürze haben generell ein hohes allergenes Potenzial", warnt auch aid-Expertin Maschkowski. Eine ungeahnte Wirkung von Weihnachtsgewürzen beschreibt die Hebamme Ingeborg Stadelmann in ihrem Bestseller "Die Hebammensprechstunde": Ingwer, Nelke und Zimt können nach ihren Beobachtungen bei Schwangeren Wehen auslösen. Ritter sagt dazu: "Da ist tatsächlich etwas dran." Denn manche Pflanzen, darunter Hopfen, Soja und bestimmte Gewürze, enthielten so genannte Phytoöstrogene, die ähnlich wirkten wie die weiblichen Geschlechtshormone Östrogene. Bemerkenswert sei bei diesen Phytoöstrogenen, dass sie schon in sehr niedrigen Konzentrationen wirkten.

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