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Umstritten: Boxweltverbands-Präsident Gafur Rachimow.

Boxverband gegen IOC

Wegen Rachimow: Sanktionen oder russische Lösung?

Die Wahl des umstrittenen Usbeken Gafur Rachimow an die Spitze des Boxweltverbandes verärgert das IOC. Wird es Sanktionen geben? Dürfen Boxer nicht bei Olympia 2020 in Tokio antreten?

Der Weltverband der Amateurboxer ist auf Kollisionskurs mit dem Internationalen Olympischen Komitee.

Die AIBA hat bei ihrem Kongress am Wochenende in Moskau einen Präsidenten gewählt, den das IOC partout nicht wollte: den Usbeken Gafur Rachimow. Mit Spannung blickt die Sportwelt nach Lausanne ins Hauptquartier der olympischen Weltregierung. Wird die Boxer nun der Bannstrahl von Präsident Thomas Bach mit Ausschluss aus dem olympischen Programm für Tokio 2020 treffen?

Rachimow ist äußert umstritten. Dem in Dubai lebenden Geschäftsmann wird vorgeworfen, eine bedeutende Rolle in der organisierten Kriminalität zu spielen. Es heißt, er sei eine Schlüsselfigur in der Drogenproduktion Zentralasiens und im weltweiten Heroinhandel. Rachimow bestreitet die Vorwürfe und geht mit seinen Anwälten gegen die Behauptungen vor.

Früher lief gar eine Fahndung per Interpol nach ihm, die hat der neue Präsident Usbekistans aber aufgehoben. Das US-Finanzministerium hat dem Usbeken mit russischem Pass Geschäfte in den USA untersagt und sein dortiges Vermögen eingefroren. „In drei Monaten bin ich von der Liste runter“, behauptete der 67 Jahre alte Milliardär beim Kongress. Dort ließ er Institutionen und hochrangige Persönlichkeiten seine Unschuld beteuern.

Trotz aller Vorwürfe: Die 137 anwesenden Landesverbände der Boxer gaben Rachimow 86 Stimmen, Gegenkandidat Serik Konakbajew aus Kasachstan erhielt nur 48. „Rachimows Sieg war erwartet worden. In dieser Klarheit ist das Ergebnis aber ein wenig überraschend“, sagte Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV). Der deutsche Verband stimmte für Rachimow. „Nirgendwo liegen Beweise vor, dass Rachimow in kriminelle Geschäfte verwickelt ist“, sagte DBV-Präsident Jürgen Kyas. Der 73-Jährige kennt sich aufgrund seiner früheren beruflichen Tätigkeit bei der Kriminalpolizei mit Fahndung, Straftaten und dem Gesetz bestens aus.

Rachimow kann für sich in Anspruch nehmen, den bankrotten Weltverband am Leben erhalten zu haben. Sein Vorgänger Wu Ching-Kuo aus Taiwan hatte rund 30 Millionen Dollar an Schulden angehäuft und wurde deshalb aus dem Amt gejagt. Rachimow übernahm die Interimsgeschäfte, handelte mit den Gläubigern die teilweise Umwandlung von Verbindlichkeiten in Sponsorenverträge aus. Außerdem, so der Usbeke, würden die Gläubiger auf einige Forderungen verzichten.

Die AIBA kann wieder atmen. Das IOC hatte die Zuwendungen von 16 Millionen Dollar in diesem Olympia-Zyklus in der Hoffnung gestoppt, der Boxverband würde unter der gewaltigen Schuldenlast reumütig den Canossagang antreten. Tat er aber nicht. Für die AIBA steht fest: Olympia wird nicht aus dem olympischen Programm gestrichen. „Olympia und Boxen gehören zusammen“, sagte Rachimow. Das IOC erwägt, die AIBA von den Spielen in Tokio auszuschließen, nicht aber die Boxer. Diese würden ihr Turnier dann unter dem Organisator IOC ausgetragen.

Müller ist sich sicher: „Es wird einen Konsens mit dem IOC geben.“ Der DBV-Sportdirektor rechnet schlimmstenfalls mit der russischen Lösung. „Man hat ja bei den Russen gesehen, wie ein Konsens klappen kann.“ Russische Sportler durften trotz der Sperre wegen des Dopingskandals - bis auf wenige Ausnahmen - bei den jüngsten Olympischen Spielen unter neutraler Flagge starten.

(Von Franko Koitzsch, dpa)

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