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Die deutschen Handballer sollten sich bereits im Semifinale die Dänen wünschen - vor heimischer Kulisse in der ausverkauften Arena in Hamburg.

Handball-WM

Von wegen Heim-WM

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Wenn es am Sonntag um die Medaillen geht, ist es nicht mehr weit her mit der Handball-WM im eigenen Land. Ein Kommentar.

Schon jetzt ist diese Weltmeisterschaft aus deutscher Sicht eine schön erzählte Erfolgsgeschichte: Ungeschlagen bis heute, vorzeitig das Halbfinale in Hamburg erreicht und damit die Vorgabe des Bundestrainers erfüllt. Die Spiele der deutschen Handballer taugen zum Straßenfeger. Zehn Millionen Zuschauer lockte am Montag zur Primetime der epische Kampf gegen Kroatien in Köln vor die Bildschirme - Tendenz weiter steigend. Die im Vorfeld der WM mit großen Vorbehalten bedachte Auswahl des noch kritischer gesehenen Bundestrainers begeistert die Massen. Deutschland einig Handballland - der Regenbogen scheint zum Greifen nah.

Eine Wiederholung des Wintermärchens anno 2007 erscheint plötzlich möglich. Getragen von den eigenen Zuschauern bei dieser nur allzu gerne als Heim-WM verkauften kontinentalen Handball-Messe. In Berlin, Köln und Hamburg beherrschen schwarz-rot-gold die Tribünen. Doch wenn es am Sonntag um die Medaillen geht, ist es nicht mehr weit her mit der WM im eigenen Land. Die Fleischtöpfe stehen nördlich von Flensburg, die Medaillen werden im dänischen Herning vergeben - zum Abschluss einer wahrlich dänischen Heim-WM.

Christian Prokop: „Wir nehmen es, wie es kommt“

Gut möglich, dass sich im finalen Spiel ausgerechnet die beiden Co-Gastgeber Deutschland und Dänemark gegenüberstehen, die vor den abschließenden Spielen heute Abend noch ihre Hauptrundengruppen anführen. Zugegeben, eine zum jetzigen Zeitpunkt rein hypothetische Annahme, aber eben auch nicht ausgeschlossen. Dann allerdings wird in hiesigen Breiten niemand mehr von einer Heim-WM sprechen. Diese bittere Pille haben die deutschen Organisatoren bereits 2013 vor der gemeinsamen Bewerbung schlucken müssen - mit damals offenkundig nicht eingeplanten Spätfolgen. Die bringen den damals nicht mehr im Amt befindlichen einstigen Verbandspräsidenten Ulrich Strombach noch heute auf die Palme: „Wenn Deutschland und Dänemark gemeinsam diese WM ausrichten, dann kann das Endspiel nicht in Dänemark stattfinden.“ Klingt nicht nur arrogant, ist es auch. Vor allem aber, es ändert nichts an den Fakten.

Was also tun?

Christian Prokop ist es nach eigenem Bekunden zwar „egal“, gegen wen es im Halbfinale geht: „Wir nehmen es, wie es kommt.“ Ein Skandinavier wird’s auf jeden Fall: Schweden, Norwegen oder eben die am stärksten eingeschätzten Olympiasieger aus Dänemark. Wer Weltmeister werden will, der muss jeden schlagen, heißt es dann immer gern. Das stimmt.

Aber im konkreten Fall könnte es nicht ganz unwichtig sein, wann man wo gegen wen spielt. Deshalb sollten sich die deutschen Handballer bereits im Semifinale die Dänen wünschen - vor heimischer Kulisse in der ausverkauften Arena in Hamburg. Der Vorteil würde dann sicherlich bei den zupackenden Deutschen liegen und das Finale in Herning unter ganz anderen, neutralen Vorzeichen stehen. Rein theoretisch, versteht sich.

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