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Auf dem Weg zu olympischen Gold 1972: Roland Matthes. 

Roland Mathes

Der, der auf dem Wasser lag

Das deutsche Schwimm-Idol Roland Matthes ist im Alter von 69 Jahren gestorben

Seine majestätische Eleganz brachte ihm den Spitznamen „Schwimm-Mozart“ ein, für viele war Roland Matthes der „Rolls Royce des Schwimmens“. Der viermalige Olympiasieger und erfolgreichste deutsche Schwimmer starb am Freitag im baden-württembergischen Wertheim nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 69 Jahren. „Mit Roland Matthes hat uns nicht nur einer der erfolgreichen Schwimmer der Sportgeschichte verlassen, sondern auch ein stets hilfreicher Mensch, der immer Brücken schlagen wollte – innerdeutsch zwischen Ost und West ebenso wie zwischen den älteren und jüngeren Sportlergenerationen“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), Uwe Brinkmann. „Wir werden ihn als ein großes Vorbild in Erinnerung behalten.“

Die Sportkarriere des Ausnahmekönners begann eher unfreiwillig. Als er als Kind in einen Teich sprang und nicht schwimmen konnte, wurde er von seinem vier Jahre älteren Bruder und ein paar Freunden wieder heraus geholt. „Dann habe ich aber schnell schwimmen gelernt“, sagte Matthes einst. „Zum Schwimmen kam ich dann, weil es da immer eine warme Dusche gab“, berichtet er von ärmlichen Verhältnissen. Zunächst wurde ihm Talentlosigkeit bescheinigt. Doch seine langjährige Trainerin Marlies Grohe, die sein Leben prägte und von Matthes in der „Sächsischen Zeitung“ mal als „Übermutter“ bezeichnet wurde, sprach ein Machtwort: „Das ungehobelte Stück Holz muss geschnitzt werden.“ Sie legte den Grundstein für die Karriere.

Sieben Jahre blieb Matthes über die Rückenstrecken unbesiegt – von 1967 bis 1974 schlug er immer als Erster an und erzielte 21 Weltrekorde. Bei seinen drei Olympia-Teilnahmen holte er neben vier goldenen Medaillen noch je zweimal Silber und Bronze. Zudem wurde er dreimal Welt- und fünfmal Europameister – auch weil er einen unglaublichen Schwimmstil hatte, der von der Konkurrenz bestaunt wurde.

„Matthes ist wundervoll“, sagte der frühere US-amerikanische Schwimmer Ronald Mills. „Ich bewundere an ihm seine langsame Zugfolge, die wie gespielt aussieht und doch so wirksam ist.“ Matthes lag mehr auf dem Wasser als in diesem. „Vielleicht lag es auch an meinen großen Ohren“, kommentierte er einst lachend. Siebenmal wurde er in der DDR zum „Sportler des Jahres“ gewählt. 1981 wurde er in die International Swimming Hall of Fame in Fort Lauderdale/Florida aufgenommen. Seit 2006 ist er Teil der Ruhmeshalle des deutschen Sports.

Für Aufsehen sorgte 1978 die Heirat mit Kornelia Ender, dem zweiten großen DDR-Schwimm-Aushängeschild der damaligen Zeit. Als die Ehe vier Jahre später geschieden wurde, fiel Matthes bei der sportlichen und politischen Führung in Ungnade. Kurz nach dem Mauerfall ging der im thüringischen Pößneck geborene Sportler im Dezember 1989 in den Westen. Über Kaiserslautern kam er nach Tauberbischofsheim und zur Fechttrainer-Legende Emil Beck und kümmerte sich dort um physiologische Trainingssteuerung. Franziska van Almsick und anderen Athletinnen stand er mit Rat und Tat zur Seite. dpa

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