Die Washington Redskins ändern nach jahrzehntelangen Protesten ihren Namen. Foto: Rob Carr / AFP
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Die Washington Redskins ändern nach jahrzehntelangen Protesten ihren Namen. 

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Washington Redskins: Aus der Haut gefahren

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Die Washington Redskins ändern nach jahrzehntelangen Protesten ihren Namen. Über eine richtige Entscheidung aus den falschen Gründen.

Wenn Geld ins Spiel kommt, ist die Unendlichkeit schnell vorbei, im Fall von Dan Snyder und den Washington Redskins schon nach sieben Jahren. Der Multimilliardär, dem das Hauptstadtteam aus der US-amerikanische Profiliga im American Football, NFL, seit 1999 gehört, verkündete 2013 in einem Zeitungsinterview mit „USA Today“, man werden den Vereinsnamen „niemals ändern. So einfach ist das: NIEMALS. Sie können Großbuchstaben verwenden“. Und doch wird es nun genau so kommen: Anfang der Woche verkündeten die Redskins (zu Deutsch: Rothäute), dass sie in Zukunft nicht mehr die Redskins sein werden, und auch das Klublogo, das einen amerikanischen Ureinwohner stereotyp abbildet, mit Federn im Haar, wird geändert.

Es ist die richtige Tat, aus den falschen Gründen.

Ein letztes Selfie: Das Logo der Washington Redskins wird bald der Vergangenheit angehören. reuters

Der Sinneswandel Snyders, der als einer er dickköpfigsten Teambesitzer der NFL gilt, ist nicht ethisch-moralischer Natur. Er hat nichts damit zu tun, dass viele amerikanische Ureinwohner den Namen Redskins als rassistische Verunglimpfung wahrnehmen. Die Debatten darum existieren fast so lange wie das Team selbst, das seit 1937 in der Hauptstadt spielt, und immer wieder gingen Aktivisten gerichtlich gegen den Namen vor - ohne Erfolg. Snyder selbst verteidigte ihn immer wieder, er sei als Respektsbekundung für die Ureinwohner gemeint, man ehre sie damit. Wissentlich ignorierte der US-Unternehmer dabei, dass „Rothaut“ einst von den Kopfgeldjägern der ersten Einwanderer als Bezeichnung für die Ureinwohner verwendet wurde, die sie für Geld und Land massenhaft skalpierten und ermordeten.

Was sich dann allerdings, anders als die Gefühle diskriminierter Menschen, von Milliardär Snyder und seinen Leuten nicht mehr so gut ignorieren ließ: Dass zahlreiche Teamsponsoren drohten, den Geldhahn zuzudrehen, würde es nicht bald eine Namensänderung geben.

Vor allem Stadionsponsor Fedex hatte für neuen Druck in der Debatte gesorgt, aufgescheucht durch die antirassistischen Proteste der „Black Lives Matter“-Bewegung in den USA. Der Geldgeber, dessen Vorstandschef Frederick Smith einer der Minderheitseigentümer des Teams ist, hatte die Redskins in einem Schreiben Anfang Juli dazu aufgefordert, sich von dem Namen zu trennen. Weitere Sponsoren folgten dem Aufruf; der Ausrüster Nike und die Handelsketten Walmart, Target und auch Amazon nahmen Trikots und weitere Fanartikel aus ihren Angeboten. Erst danach kündigte das Team eine „gründliche Überprüfung“ des Namens an.

Schon aus rein finanziellen Erwägungen heraus konnte diese „gründliche Überprüfung“ nur so ausgehen, dass die Redskins bald anders heißen und anders aussehen (wie genau, ist noch nicht entschieden). Das Team aus Washington ist zwar nicht nur eines der ältesten, sondern auch eines der wertvollsten Team der stinkreichen NFL. Aber wann und wie die neue Saison inmitten der Corona-Pandemie, welche die USA besonders hart trifft, beginnen kann und ob überhaupt noch in diesem Kalenderjahr, ist weiterhin völlig unklar; ebenso wie die wirtschaftlichen Konsequenzen, die sich aus der Krise ergeben. Eine Abkehr der wichtigsten Sponsoren mag in dieser Lage kein Team erleben.

Die Aktivistenszene der Ureinwohner, die immer wieder gegen diskriminierende Teamnamen vorging, gibt sich deshalb auch keinen Illusionen über Dan Snyders Beweggründe der Namensänderung hin. Suzan Shown Harjo, ehemalige Geschäftsführerin des National Congress of American Indians (NCAI), sagte der „New York Times“: „Zuerst musste er Fedex und seine anderen Sponsoren zufriedenstellen, dann, zweitens, seine Merchandise-Partner, und drittens schließlich die Minderheitseigentümer.“ Und doch, glaubt Harjo, gehöre der größte Verdienst an der Sache „unserer Bewegung, ihrer Beharrlichkeit und Langlebigkeit.“

Aufräumarbeiten in der US-Hauptstadt: Noch ist nicht klar, wie das NFL-Team in Zukunft heißt. 

1992 hatte Ureinwohner-Nachkomme Harjo erfolglos gegen den Teamnamen Washington Redskins geklagt. 2017 wurde eine Klage von Ureinwohnern nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der USA zurückgezogen. Der hatte eine Vorschrift von 1946, nach welcher Markennamen nicht zulässig sind, wenn sie als beleidigend empfunden werden können, für verfassungswidrig erklärt; dies widerspräche dem Grundsatz der Meinungsfreiheit.

Nun kommt doch, ganz ohne Gerichtsentscheid, durch eine seltsame Verbindung aus der Macht der Straße antirassistischer Demonstrationen und der Macht des Geldes im US-amerikanischen Profisport, eine ganz neue Dynamik in die Debatte um diskriminierende Teamnamen. Die Washington Redskins galten immer als Ziel Nummer eins der Aktivisten und Aktivistinnen, jetzt rücken andere Fälle stärker in den Fokus. Was wird zum Beispiel aus den Cleveland Indians? Das Team aus der Baseball-Profiliga MLB hatte erst im vergangenen Jahr sein seit 1947 verwendetes „Chief-Wahoo“-Logo verbannt, das die karikaturistische Darstellung eines Ureinwohners zeigte. Cleveland kündigte bereits an, auch eine Namensänderung anzustreben, doch mit schnellen Handlungen ist erst einmal nicht zu rechnen; die Sponsoren machen ja keinen Druck, noch nicht jedenfalls.

Einem gefällt das alles natürlich gar nicht: US-Präsident Donald Trump. Der Republikaner schrieb auf Twitter: „Sie benennen Teams aus STÄRKE, nicht aus Schwäche, aber jetzt sehen die Washington Redskins & Cleveland Indians, zwei sagenumwobene Sport-Franchise-Unternehmen, so aus, als würden sie ihre Namen ändern, um politisch korrekt zu sein.“ Falsche Worte, aus den falschen Gründen.

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