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Marvin Compper: „Ich glaube die allergrößte Stärke ist die interne Kommunikation. Damit meine ich wirklich im altmodischen Sinne, miteinander zu reden.“
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Marvin Compper: „Ich glaube die allergrößte Stärke ist die interne Kommunikation. Damit meine ich wirklich im altmodischen Sinne, miteinander zu reden.“

RB Leipzig

„Waren gefürchtet, bevor wir ankamen“

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Verteidiger Marvin Compper erklärt vor dem Bundesliga-Spitzenspiel beim FC Bayern, was RB Leipzig so stark macht - und warum die Vergleiche mir der TSG Hoffenheim hinken.

Marvin Compper hebt mit seinen 31 Jahren den Altersschnitt bei RB Leipzig eigentlich erheblich. Derzeit ist der Verteidiger allerdings verletzt. Vor dem Spitzenspiel kann der 179-fache Bundesligaspieler (Borussia Mönchengladbach, TSG Hoffenheim, RB Leipzig) und einmalige Nationalspieler aber gut erklären, was den Leipziger Siegeszug 2016 vom Hoffenheimer Höhenflug 2008 unterscheidet.

Herr Compper, Sie waren elf Spieltage lang fester Bestandteil der Stammelf, bis Sie eine Sprunggelenksverletzung außer Gefecht gesetzt hat. Reicht es bei Ihnen bis zum Bayern-Spiel?
Ich bin noch in der Reha und noch nicht so weit, wieder ins Training einzusteigen. Bislang war ich nicht wirklich gewohnt, auszufallen. Ich habe einmal zu Gladbacher Zeiten sechs Wochen verpasst, in Hoffenheim habe ich danach in sechs Jahren ganze acht Spiele versäumt.

Nun können Sie beim Höhepunkt der Hinrunde, dem Spitzenspiel am Mittwoch, nicht helfen.
Das ist ärgerlich, denn es lief für uns als Mannschaft hervorragend. Für mich persönlich ist es auch schade. Nur man sollte sich jetzt auch nicht zu sehr beschweren – es gibt Menschen, denen geht es definitiv viel schlimmer.

Sie sind mit 31 Jahren einer der ganz wenigen erfahrenen Kräfte. Eigentlich passte ihr Transfer überhaupt nicht in die von Sportdirektor Ralf Rangnick vorgegebene Philosophie. Was lief im Sommer 2014 ab?
Eigentlich wollte der AC Florenz meinen Vertrag verlängern, doch ich wollte eine neue Herausforderung, weil ich nur noch dritter Mann in der Innenverteidigung war. Ich war damit auf dem Markt, aber dann ist vor allem aus Deutschland nicht viel passiert. Bis mich Ralf Rangnick angerufen hat, dass Leipzig einen wie mich gut gebrauchen könnte.

Haben Sie sofort zugesagt?
Mein erster Gedanke war eigentlich, dass ich nicht in die zweite Liga wechseln möchte. Dann habe ich länger mit meiner Familie und meinem Berater gesprochen und wir sind übereingekommen, dass es eine Riesensache und ein toller Schritt werden kann und ich wahrscheinlich nur diese eine Möglichkeit habe, um auf den Zug aufzuspringen.

Weil Sie für das Anforderungsprofil eigentlich zu alt waren.
Genau. Aber der Sportdirektor wusste ja genau, welches Paket er bei mir bekommt, deswegen hat er sich in meinem Fall vom Geburtsdatum gelöst (lacht).

Bei den vielen jungen RB-Profis wird extrem darauf geachtet, dass keiner abhebt. Rangnick hat mal erzählt, ein Bild wie bei der argentinischen Nationalmannschaft, wo sich kurz nach Spielschluss jeder ans Smartphone begibt, käme in Leipzig nie vor. Stimmt das?
Definitiv. Bei uns werden nicht gleich aus der Kabine irgendwelche Bilder gepostet. Was bei uns passieren kann, dass einer ein Handy nimmt und sechs, sieben stehen herum, um zu sehen, wie die anderen gespielt haben. Das ist dann eher für das Allgemeininteresse.

Es brettert auch niemand mit einem knallroten Porsche aufs Trainingsgelände?
Das stimmt. Das Entscheidende ist aber, dass wir auch auf dem Platz demütig und bescheiden bleiben und diese Mentalität zeigen. Es bringt ja nichts, wenn alle mit dem Smart oder mit dem Rad zum Training kommen, wir uns im Spiel aber nicht zerreißen. Es muss schon alles zusammenpassen. Die Bodenhaftung kommt durch klare Analysen, viel Kommunikation und eine entsprechende Selbstreflexion zustande.

Und der Anteil des Trainers? Ist Ralph Hasenhüttl wirklich so relaxed?
Absolut, es ist aber nicht so, dass er permanent entspannt ist. Wenn ich an seine Ansprachen vor dem Spiel denke, dann geht zumindest mir das unter die Haut. Er hat ja schon oft genug betont, dass er hier vergangenen Sommer eine funktionierende Mannschaft vorfand. Nur: Er hat uns in vielen Teilbereichen noch besser gemacht.

Das Gerüst der aktuellen Erfolgself stammt aus der zweiten Liga. Die Defensive kommt fast ohne Topstars aus. Warum hat RB trotzdem mit die beste Abwehr?
Das ist die Definition der Mannschaft! Man sucht im Fußball gerne nach Helden, die der entscheidende Faktor sind, aber selbst, wenn Timo Werner bei uns zwei Tore schießt, hat die Defensivarbeit durch alle Reihen das erst abgesichert und ermöglicht. Verteidigen ist eine Mannschaftsaufgabe, das kann die Viererkette nicht allein erledigen.

Kommt das in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz?
Finde ich schon. Und deshalb mache ich jetzt bereits den Schlenker: Dieser Punkt trennt uns total von der Geschichte TSG Hoffenheim. Dort waren wir nicht annähernd so stabil, der Fokus war damals nicht so intensiv darauf gelegt, in der Defensive so wenig wie möglich zuzulassen. Allein deshalb muss man sich trotz der zentralen Parallele Ralf Rangnick davon lösen, alles mit Hoffenheim zu vergleichen.

Welche Punkte sind denn anders?
Ganz viele: Stadt, Umfeld, Stadion, Vereinsstruktur, Mannschaft, Spielweise. Aber auch die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit von außen, da ist Leipzig auch an einem ganz anderen Punkt. RB wurde schon als sportliche Bedrohung gefürchtet, bevor wir überhaupt in der Bundesliga ankamen. Mit Hoffenheim mussten wir erst kurz vor der Herbstmeisterschaft stehen, bevor wir in aller Munde waren. Auch die vereinzelten Anfeindungen von einigen wenigen Ultras, die eine Plattform suchen, haben in der Bundesliga deutlich abgenommen. Immer mehr Leute akzeptieren und respektieren unseren Weg.

Wie haben Sie das Ballyhoo wahrgenommen, das im Dezember 2008 vor dem 16. Spieltag, dem Showdown zwischen Bayern und Hoffenheim, veranstaltet wurde? Und wie verhindert man, dass Leipzig nicht ähnlich abstürzt?
Prinzipiell kann das immer passieren, wenn man meint, über etwas erhaben zu sein. Wenn wir allerdings weiter diese Demut und Bodenständigkeit an den Tag legen, dann bezweifle ich schwer, dass wir einbrechen werden. Weil die Basis unserer Erfolge eine viel stabilere ist als damals in Hoffenheim. Nichtsdestotrotz gilt aber: Bayern oder Dortmund sind eine andere Liga, die spielen Jahr für Jahr in der Champions League. Wir sind ein Aufsteiger mit vielen Spielern, die ihre erste Bundesligasaison erleben. Wir wollen aus jedem Spiel lernen.

Haben Sie schon einmal in einem solch durchstrukturierten und hochprofessionellen Gebilde gearbeitet wie aktuell bei RB?
So noch nicht. Vor allem habe ich noch nie eine solche Einigkeit in allen Bereichen erlebt.

Woran machen Sie das fest? An der Ernährung, der Fitness, der Psychologie oder der Verletzungsprophylaxe?
Ich glaube die allergrößte Stärke ist die interne Kommunikation. Damit meine ich wirklich im altmodischen Sinne, miteinander zu sprechen. Oft entstehen Probleme aus Nichtigkeiten und eben aus mangelnder Kommunikation untereinander. Man erlebt es heute doch oft, dass innerhalb eines Vereins der eine etwas der Presse sagt und der andere über die Presse antwortet. Das gibt es bei uns nicht. In dieser Hinsicht sind wir weiter.

Und wenn Uli Hoeneß stichelt, die Leipziger liegen unter der Woche auf der Couch, antworten Sie nicht?
Damit hat er ja Recht (lacht). Nein, das drückt doch einen der Riesenunterschiede zwischen Bayern und Leipzig aus, dass die Münchner alle drei, vier Tage spielen.

Kann das in Leipzig nicht auch bald Alltag sein? Wo siedeln Sie den Klub in naher Zukunft an?
Wir wollen einfach weitere Fortschritte machen und als Mannschaft weiter reifen und wachsen. Vor fünf Monaten habe ich gesagt, ich könnte mir nicht eine solche Hinrunde vorstellen. Träume sind sicherlich erlaubt, aber realistisch fände ich, wenn wir die nächsten Jahre einen einstelligen Tabellenplatz belegen oder um Europapokalränge spielen. Das wird viel Arbeit.

Sind Sie dann noch dabei?
Ich denke doch. Ich traue mir prinzipiell zu, bis 35 oder 36 zu spielen. Es wird sich zeigen, ob es dann für das hier verlangte Niveau reicht.

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