+
Von einer Grippe geschwächt: Sarah hecken.

Eiskunstlaufen

Wärmer ums Herz

Die deutschen Eiskunstläufer haben bei der Europameisterschaft in Bern bewiesen, dass mit ihnen in Zukunft bei großen Veranstaltungen zu rechnen sein wird - und nicht nur mit den neuen Paarlauf-Europameistern Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy.

Auch wenn das Wunder von Bern ausblieb ? die deutschen Eiskunstläufer haben in der Schweiz erste kleine Schritte aus dem großen Schatten der neuen Paarlauf-Europameister Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy gemacht und Hoffnungen auf eine erfolgreichere Zukunft geweckt. „Wir sind so gut gerüstet wie seit Jahren nicht mehr“, sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU).

Jeder einzelne deutsche Athlet lieferte sein bislang bestes EM-Ergebnis ab, im Paarlauf und im Eistanz wurde ein zusätzlicher Startplatz gewonnen. Und dass bei den Frauen voraussichtlich erneut Sarah Hecken bei den europäischen Titelkämpfen 2012 in Sheffield als DEU-Solistin antreten muss, lag nur daran, dass ihr die Winzigkeit eines Hundertstelpunktes zu Rang zehn in Bern fehlte. Die Mannheimerin und auch der ebenfalls elftplatzierte deutsche Meister Peter Liebers aus Berlin waren dabei nicht einmal im Vollbesitz ihrer Kräfte. Hecken kämpfte mit den Nachwirkungen einer Grippe, Liebers hatte wegen einer Knieverletzung das Training reduzieren müssen. Dönsdorf: „Aber es wurde gekämpft und gearbeitet, das war eine der großen Stärken dieses deutschen Teams.“

Die Bereitschaft der deutschen Läufer, auch ausländische Einflüsse aufzunehmen, zahlte sich in der Berner Arena aus. Hecken arbeitet seit Monaten mit einem italienischen Choreografen zusammen, Liebers absolvierte mehrere Trainingsaufenthalte in Kanada. Und die Eistanz-Meister Nelli Zhiganschina und Alexander Gazsi zogen aus Berlin ins beschauliche Oberstdorf, um näher bei Erfolgstrainer Martin Skotnicky zu sein. Zusätzliche Motivation liefert die immer konkreter werdende Aussicht, 2014 in Sotschi am ersten olympischen Mannschafts-Wettbewerb der Kufenkünstler mitzuwirken. „Das kann ein toller Wettkampf werden, der richtig Spaß macht und gut für die Teamstimmung ist“, sagte Liebers. Der aktuelle Leistungsstand der deutschen Athleten würde für eine Qualifikation auf jeden Fall ausreichen.

Nicht mehr dabei sein wird in Russland Sarah Meier, die dem deutschen Fußball-Wunder von Bern 57 Jahre später eine Schweizer Variante auf Schlittschuhen folgen ließ. Beim letzten Wettkampf ihrer Karriere lief die 26-Jährige als letzte Läuferin die Kür ihres Lebens und rührte Tausende ihrer Landsleute und nicht zuletzt sich selbst zu Tränen. Da war sogar die eisige Kälte der Berner Arena für einige Minuten vergessen. „Das ist genau der richtige Moment, die Karriere zu beenden. Ich habe meine Grenzen erreicht und alles hat sich ausgezahlt“, sagte die Eidgenossin, deren EM-Start wegen einer Bänderverletzung im Fuß lange Zeit fraglich gewesen war.

Der neue Europameister Florent Amodio ließ bei seinem Überraschungssieg schwächelnde Schwergewichte wie seinen Landsmann Brian Joubert sowie Ex-Europameister Tomas Verner aus Tschechien hinter sich. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion