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Die DFL kämpft noch stärker gegen Wettbetrug bei Sportwetten im Fußball.

Sportwetten im Fußball

Die wachsende Gefahr

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Die Deutsche Fußball-Liga verstärkt ihre Maßnahmen gegen Wettbetrug aus gutem Grund. Die Spieleinsätze haben eine gigantische Größe angenommen.

Erst am 22. November machten die Aufklärer im Auftrag der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei Eintracht Frankfurt Station. Es ging wie bei anderen Besuchen von Erst- und Zweitligisten darum, die Sinne für die Spielmanipulation zu schärfen – und die aktuellen Maßnahmen zur Prävention in einem knapp einstündigen Vortrag an die Spieler zu bringen. Was beim hessischen Bundesligisten auffiel: Cheftrainer Adi Hütter legte großen Wert darauf, dass zusätzlich das gesamte Trainerteam mitsamt Betreuerstab an der Schulungsmaßnahme teilnimmt. Der Österreicher wollte, dass die Antennen allseitig für ein oft unterschätztes Thema ausgefahren werden: den Wettbetrug.

Ende Januar kann ein Haken bei allen Lizenzvereinen an Schulungsmaßnahmen gemacht werden, die für Nachwuchsleistungszentren bereits seit 2013 verpflichtend sind. Dass neuerdings auch die Profis aktiv in die Prävention zur Spielmanipulation eingebunden werden, ist nur logisch, wer sich die gewaltigen Geldströme in diesem Geschäftszweig anschaut. Weltweit wurden im vergangenen Jahr nur bei den lizenzierten Wettanbietern sage und schreibe 40 Milliarden Euro auf Fußballspiele in Deutschland gesetzt. Davon entfielen allein 23 Milliarden auf die Bundesliga, deren Umsatzvolumen zuletzt bei vier Milliarden lag.

Wenn Zocker auf dem gesamten Globus also ein Vielfaches nur dafür ausgeben, wer gewinnt, wie viele Tore fallen oder wann der erste Einwurf stattfindet, verrücken die Dimensionen. Und gleichzeitig wachsen die Gefahren, obwohl die DFL-Rechtsexpertin Christina Gassner grundsätzlich glaubt: „In den Topligen ist es schwierig unentdeckt zu bleiben. Die Gehälter sind hoch, die Spieler sind weniger anfällig. Es verlagert sich in die unteren Ligen.“ Der als unabhängiger Ombudsmann eingesetzte Rechtsanwalt Carsten Thiel von Herff wollte bei einem Termin in Frankfurt zwar nicht bestätigten, dass sich bei ihm mehr A-Junioren- als Bundesligaspieler melden, aber es liegt auf der Hand, dass die Hemmschwelle in den jüngeren Jahrgängen bei nicht ausgereiften Persönlichkeiten steigt, sich von kriminellen Machenschaften beeinflussen zu lassen. „Die Jungs sind gefährdet. Für die sind 500 Euro eben viel Geld.“

Auch hier muss eine Zahl erschrecken: Auf jede einzelne Partie in der deutschen A-Junioren-Bundesliga kommt mittlerweile ein Wettumsatz von 460 000 Euro. Speziell in Asien ist es en vogue, noch mal schnell ein Sümmchen auf den FC Bayern oder Borussia Dortmund zu setzen – und sei es nur auf deren Nachwuchstruppen. Ist es eingedenk solcher Entwicklungen nicht fast pervers, dass viele Vereine auch noch kräftig für Wettanbieter Werbung machen? Und was ist mit dem Suchtrisiko für Zocker?

Institutionen wie die DFL können nur darauf verweisen, die Dringlichkeit erkannt zu haben. Das Vier-Säulen-Modell im Kampf gegen die Spielmanipulation wird gerade umfassend aufgepeppt und auf die neuen Bedürfnisse zugeschnitten. So sollen sich die Fußballer die neue „Integrity App“ herunterladen, bei der es möglich ist, dem Ombudsmann verdächtige Erscheinungen im Umfeld zu melden. „Wenn sich beispielsweise ein Mitspieler auf einmal Geld leihen will“, erklärte Thiel von Herff, der jeden Fall höchst vertraulich behandelt und aus seiner Erfahrung mit der Korruption weiß: „Kriminalität kann man nie ausschließen.“

Generell würde sich die DFL mehr politische Unterstützung wünschen. Dass die entsprechende Schwerpunktstaatsanwaltschaft aufgelöst wurde, war kein gutes Zeichen. Und noch immer wartet Deutschland auf einen Glücksspielstaatsvertrag. Paepke: „Wir würden uns einen stabilen, robusten, rechtssicheren gesetzlichen Rahmen für Sportwetten wünschen. Das ist leider seit zehn Jahren eine unendliche Geschichte.“

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