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Eine tief-traurigen Geschichte: Sara Errani.

Doping

Vorsicht - heiße Brühe

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Profi-Radfahrer gehören auf der Chart-Liste der dümmsten, skurrilsten und dreistesten Dopingausreden zu den Hauptdarstellern. Der Einwurf.

Raimondas Rumsas war mal ein ganz passabler Radfahrer. Wie sehr viele Pedaleure trieb sich der Litauer im Sommer gerne mit seinem Zweirad in Frankreich herum. Bei der Tour wurde er von seiner überaus treusorgenden Ehefrau begleitet. Die Gattin ließ ihren sich abstrampelnden Mann weder hungern noch dürsten.

Bei einer grenzüberschreitenden Etappe fanden Beamte im Kofferraum ihres Wagens aber nicht nur stilles Mineralwasser und Müsliriegel. Im Gepäck fanden die Zöllner verschwenderisch viele Medikamente, mit denen der halbe Tross der Frankreich Rundfahrer noch ein bisschen flotter hätte gemacht werden können. Gedacht war die Wirkstoffsammlung aber, wie Rumsas natürlich glaubhaft versicherte, für die kranke Schwiegermutter im Baltikum.

Eine Lanze für Jan Ullrich brechen

Profi-Radfahrer, und das überrascht nun wirklich nicht, gehören auf der Chart-Liste der dümmsten, skurrilsten und dreistesten Dopingausreden zu den Hauptdarstellern.

An dieser Stelle muss nun aber einmal eine Lanze für den ehrlichsten unter all den Sünderlein gebrochen werden. Jan Ullrich, Deutschlands über alles geliebter Tour-Held, hat sich natürlich auch mal verschluckt, aber er ist bei der Wahrheit geblieben: „Ich habe nie jemanden betrogen“, sagt er bis heute mit treuherzigem Augenaufschlag, und niemand wagt zu widersprechen. Schließlich weiß keiner besser als der Sieger von 1997, was das Peloton in der Nacht heimlich nachtankte. Als der „Ulle“ in einer dunklen Disco anonym zwei Pillen zugesteckt bekam, hat er diese mutmaßlich aus Gewohnheit einfach so runtergeschluckt. Aufputschmittel werden quer durch viele Sportarten schon mal gern genommen. „Dumm“ hat Ullrich das genannt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Sara Errani geht mit ihrer tief-traurigen Geschichte auch sehr offen um. Bei der ehemaligen French-Open-Finalistin fanden Fahnder Spuren von Letrozol, einem Medikament, das ihre Mutter gegen Brustkrebs einnehmen musste, wie die Tennisspielerin glaubhaft versicherte. Genauso glaubhaft schilderte sie auch, wie offenbar eine der Letrozol-Tabletten in die von Mama gekochte Tortellini-Brühe fiel, welche sie als gut erzogene Tochter natürlich ahnungslos auslöffelte.

Zusammen mit Testosteron ist das Krebs-Medikament ein vor allem bei Bodybuildern beliebtes Mittel, um Wasser und Fett abzubauen. Der von so viel Entzug ganz betäubte Internationale Tennisverband schlug mit aller Härte zu: zwei Monate Sperre.

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