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Viktoria Rebensburg aus Deutschland jubelt nach dem Gewinn der Silbermedaille auf den Schultern ihrer Teammitglieder.

Ski-WM in Are

Viktoria Rebensburg verlässt Are „als glücklicher Mensch“

Mit Verzögerung freut sich Viktoria Rebensburg über Silber in Are. Wie lange sie noch fährt, ist ungewiss, ihr Cheftrainer hat jedenfalls noch große Pläne für sie.

Es war noch dunkel, als Viktoria Rebensburg in Östersund nach einer kurzen Nacht ein bisschen gerädert in den Flieger nach Hause stieg. Bei ihrer Silberfeier im Are-Partyhaus „Tirolberg“ war es nicht bei dem einen „kleinen Bier“ geblieben, das sie nach der zweiten WM-Medaille ihrer Karriere grinsend angekündigt hatte. Nach Speckknödeln und Buchteln mit Vanillesauce wurden auch Schnäpse gereicht. 

Ihrer Laune konnten jedoch weder der kleine Kater noch Schlafmangel wegen der Abfahrtszeit zum Flughafen um halb fünf in der Früh etwas anhaben. „Ich habe eine Medaille im Gepäck und fliege als glücklicher Mensch heim“, sagte die 29-Jährige aus Kreuth am Tegernsee, „das ist sehr schön.“ 

Nur „ganz kurz“, beteuerte sie, habe sie sich darüber geärgert, dass ihr großer Goldtraum, der beim Riesenslalom am windumtosten WM-Berg Areskutan zum Greifen nah schien, im Zielhang doch noch geplatzt war. „Ich habe definitiv die Silbermedaille gewonnen und bin darüber sehr froh“, beteuerte Rebensburg. Wer sie an der Seite ihres Teams um Privattrainer Rudi Soulard und Manager Edgar Kohler oder mit Felix Neureuther und Familie feiern sah, nahm ihr das gerne ab. 

Wie lange Rebensburg noch weiter fährt, ist offen. Bleibt WM-Gold für die Olympiasiegerin von 2010 ein unerfüllter Traum? „Schaun mer mal“, sagte sie und lächelte verschmitzt. Aufhören, betonte Rebensburg im SID-Gespräch, werde sie aber nicht so schnell. „Dafür ist meine Leidenschaft für das, was ich mache, viel zu groß. Der Ehrgeiz, das Verlangen und das Ziel, siegen zu wollen: Das ist nach wie vor da.“ Nach zwei Wochen WM-Stress brauche sie aber „erst mal eine Pause“, den Weltcup in Crans-Montana lässt Rebensburg aus. Das folgende Programm mit Sotschi, Spindlermühle und dem Saisonfinale Mitte März in Andorra ist fordernd genug. Und danach? „Urlaub, Erholung – und dann eine neue Saison“, sagte sie. Und noch eine? Die nächste WM findet 2021 in Cortina d‘Ampezzo statt – neben Are („ich liebe diesen Ort“) wohl Rebensburgs Lieblingsstandort im Weltcup.

Chefcoach Jürgen Graller jedenfalls hat noch viel vor mit der besten deutschen Skirennläuferin. „Ich war sechs Jahre Abfahrtstrainer in Österreich und habe selten eine Athletin gesehen, die für den Super-G so perfekte Voraussetzungen mitbringt“, sagte er. In Are fehlten Rebensburg nur 0,07 zu Sensationsgold, Bronze war winzige 0,02 Sekunden weg. Graller plant, noch stärker auf die zweitschnellste Disziplin zu setzen. 

„Wenn sie im Kopf so weit ist, sehe ich im Super-G nicht viele, die ihr den Platz an der Sonne streitig machen können“, meinte er. Mehr Fokus auf den Super-G würde aber auch bedeuten, dass Rebensburg wie jetzt in Crans-Montana auf die ein oder andere Abfahrt verzichtet. Anders kann sie das hohe Trainingspensum, das ihre Paradedisziplin Riesenslalom erfordert, nicht bewältigen. Die Trainings- und Wettkampfplanung, sagte Graller, „das wird die Kunst sein, wie wir das in Zukunft schaffen.“ (sid)

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