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Den Weltrekord knapp verpasst: Wilson Kipsang.
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Den Weltrekord knapp verpasst: Wilson Kipsang.

Frankfurt-Marathon 2011

Vier Sekunden zu spät

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der Kenianer Wilson Kipsang zeigt beim Frankfurt-Marathon seine ganze Klasse. Am Ende eines unfassbar schnellen Rennens verpasst der Kenianer den Weltrekord nur um Haaresbreite.

Milch macht müde Männer munter. Und die kenianische Variante verschafft Wilson Kipsang offensichtlich auch verflixt schnelle Beine. Der Triumphator des 30. Frankfurt Marathon hat jedenfalls einen faszinierenden Sprint auf dem roten Teppich der Festhalle hingelegt, um nach der Gratulation durch den überglücklichen Renndirektor Jo Schindler zu seiner Ehefrau Doreen zu eilen.

Und aus ihrem verzierten Holzgefäß zu trinken, in dem sich so genannte Mursik befand. Milch vom eigenen Hof im kenianischen Hochland, erst am Mittwoch in der Heimat per Hand gemolken, erhitzt, verfüllt und mit in die Bankenstadt gebracht. Danach hakte der 29-Jährige nüchtern ab, dass er um lediglich vier Sekunden – oder exakt 22,74 Meter ? eine historische Bestmarke verpasst hatte.

„Das beste Rennen meines Lebens“

Bei 2:03:42 Stunden blieb die Digitaluhr bei seiner ohrenbetäubenden Ankunft stehen – und damit hauchdünn über dem Weltrekord, den Patrick Makau erst in Berlin aufgestellt hatte. „Ich bin trotzdem absolut glücklich. Es war das beste Rennen meines Lebens. Ich hoffe nun, dass ich mich damit für die Olympischen Spiele qualifiziert habe“, erklärte Kipsang, wohlwissend, dass ja nur drei Kenianer nach London entsandt werden dürfen. Und in Richtung seines Landsmannes Makau kündigt er lächelnd an: „Der Weltrekord ist unterwegs.“

Wo die Winzigkeit letztlich liegenblieb, erscheint eine müßige Diskussion. Trotz idealer Temperaturen und fast völliger Windstille kostete sicherlich der nasse Asphalt einige Sekunden. Genauso wie die Tatsache, dass sich sein wichtigster Tempomacher, Peter Kirui, bei Kilometer 25 die Erlaubnis holte, durchzulaufen, um sogar Sechster zu werden. „So haben wir im nächsten Jahr noch ein Ziel“, sagte der Sportliche Leiter Christoph Kopp, der mit der Zusammenstellung der Elite (fast) alles richtig gemacht hatte. 14 Läufer unter 2:10 Stunden, „das gab es in der Welt noch nie!“

Sein Sieger, der in einer Farmerfamilie aufwuchs und einst Obst und Gemüse auf Märkten verkaufte, gilt als Spätstarter. Erst der niederländische Manager Gerard van der Veen, der ein familiäres wie professionelles Umfeld für seine Athleten schafft, formte den strebsamen Kipsang zum Siegläufer, der seine Bestzeit aus dem Vorjahr noch einmal um 1:15 Minuten unterbot.

Der stolze Vater seiner drei Söhne Bethud, David und Arien, alle zwischen zwei und sieben Jahre alt, hat sich von der Prämie aus 2010 im Städtchen Iten ein kleines Hotel gebaut, dessen Dach noch nicht fertig ist. Da er nun genau wie die Frauen-Siegerin und neue Streckenrekordhalterin Mamitu Daska aus Äthiopien (2:21:59) immerhin 95 000 Euro an Prämie kassiert, könnte er die Geschosshöhe noch mal überdenken.

Breite Beschleunigung

Im Sog des Siegers stürmten auch dessen Landsleute Levy Matebo (2:05:15), Albert Matebor (2:05:23), Philip Sanga (2:06:07) oder der 2008-Sieger Robert Cheruiyot (2:06:29) in die Festhalle mit einer Endzeit, die bis 2008 immer zum Sieg inklusive Streckenrekord gereicht hätte. Die Top Ten beim Frankfurt-Marathon – bis auf eine äthiopische Ausnahme allesamt Kenianer ? waren im Mittel in unfassbaren 2:05:45 Stunden unterwegs – weniger als drei Minuten pro Kilometer, mehr als 20 pro Stunde schnell.

Was die breite Beschleunigung im Langstreckenbereich möglich macht, dafür gibt es die unterschiedlichsten Deutungen. Die einen sagen, dass eine effektivere Talentsichtung, bessere Strukturen, hartes Training und eine knallharte Auslese in der Höhenluft um Kenias Hochburgen in Iten und Eldoret diese Leistungssprünge in der Masse möglich machen. Andere vermuten aber auch schlicht, dass nicht immer nur Naturprodukte im Umlauf sind.

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