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Gesund für die Füße von Jung und Alt: barfuß gehen.

"Viele Kinder tragen falsche Schuhe"

Eine Orthopädin warnt vor immer häufigeren Fehlentwicklungen an den Füßen der Kleinen - und plädiert fürs Barfußlaufen.

Frankfurter Rundschau: Sie haben als Kinderorthopädin der Universitätsklinik Frankfurt an der Aktion "Kinderfüße auf dem Prüfstand" mitgewirkt. Was ist Ihnen bei den Besuchen in den Kindertagesstätten besonders aufgefallen?

Kathrin Hochmuth: Sehr viele Kinder trugen inadäquate Schuhgrößen. Manche waren bis zu vier Nummern zu klein, speziell die Hausschuhe. Zum Teil sahen wir sehr ungepflegte Füße mit Warzen, Nagelpilz. Mädchen, die selbst im Winter Nagellack tragen, was sie besonders empfänglich für Fußpilz macht. Einlagen war oft fehlerhaft oder nicht notwendig, selten benötigt ein Kind unter sechs Jahren Einlagen. Wir sind auch auf Störungen der Haltung und Motorik gestoßen. Die Kinder sind etwas ungeschickter als früher, haben weniger Sprungkraft. Häufig liegt ein funktioneller Spitzfuß vor, durch Verkürzung der Wadenmuskeln.

Wie kommt es zu Fehlentwicklungen?

Es ist heutzutage nicht mehr üblich, dass die Kinder ohne Schuhwerk gehen. Wir empfehlen viel Barfußlaufen, damit ein Fußgefühl entsteht, dass man balanciert, die Füße aktiv bewegt. Bei der Kindergartengymnastik sollten Fußübungen integriert werden. Es ist wichtig, gezielt einzelne Muskelgruppen der Wade zu schulen, die kleinen Fußmuskeln aber auch die Koordination.

Wenn einem Erwachsenen der Schuh drückt, dann hat er Schmerzen. Ist das bei Kindern nicht so?

Kinder merken nicht, dass sie zu kleine Schuhe tragen. Bis zum Vorschulalter können sie das nicht empfinden.

Was sind die Folgen, außer verkrümmte Zehen?

Es gibt keine Untersuchungen dazu. Doch wir haben insgesamt eine Häufung von Fußfehlformen in den letzten Jahren festgestellt. Das ist wohl ein zivilisatorisches Problem. In früheren Generationen sind die Kinder häufiger barfuß gelaufen, draußen gewesen. Heute machen Kinder kaum mehr Sportarten im Freien. Sie dürfen nicht mal auf Socken durchs Haus gehen. Schon Säuglingen werden Schuhe angezogen. Die ersten Gehversuche müssen mit so genannten Lauflernschuhen gemacht werden. Die natürliche Funktion des Fußes wird dadurch eingeschränkt.

Plädieren sie dafür, Sportunterricht auch barfuß zu machen?

Ja. Warum sollte man nicht Bodenturnen oder Laufübungen ohne Schuhe durchführen?

Und wie lauten Ihre Tipps für Eltern?

Die Fußnägel der Kinder regelmäßig schneiden. Darauf achten, dass sie nicht zu starke Schweißfüße haben, die haben Kinder ohnehin häufiger als Erwachsene. Regelmäßig die Schuhe wechseln, atmungsaktive Schuhe bevorzugen. Keine Geschwisterschuhe auftragen, wobei das bei ärmeren Familien manchmal nicht möglich ist. Den Kindern mehr Freiheit geben, barfuß zu laufen. Die Füße dürfen ruhig mal schmutzig werden. Fußgymnastik in den Alltag einbinden, zum Beispiel das Kind beim Zähneputzen auf den Zehen stehen lassen. Hüpfen, Balancieren, Seilspringen sind feine Sachen. In den Alltag spielend Übungen einbringen.

Und wie finde ich den passenden Schuh für mein Kind?

Den Fuß mit einem Bleistift auf ein Papier umfahren, die entsprechende Sohle, die man daraus gewinnt in den Kinderschuh einlegen. So lässt sich mit einfachen Mitteln gut beurteilen, ob der Schuh passen könnte. Von den Schuhmessgeräten in den Geschäften sollte man wissen, dass sie zum Teil nur für die entsprechende Marke passen. Die vom Messgerät angegebene Größe muss nicht zwingend übereinstimmen mit der anderer Fabrikate.

Interview: Jutta Rippegather

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