+
Viele Fitnessdrinks halten ihr Versprechen nicht. Verbraucherschützer verlangen deshalb klarere gesetzliche Regelungen.

Viele Fitnessdrinks machen eher schlapp

Die Hersteller angeblich gesundheitsfördernder Getränke versprechen zu viel, kritisieren Verbraucherschützer

Von THOMAS WÜPPER

Berlin · 27. November · Eine Untersuchung von 238 Getränkemarken, deren Zusatznutzen für die Gesundheit von den Anbietern angepriesen wird, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. "Manche Produkte erwecken den Eindruck, man müsste nur zugreifen, um gesund, ewig jung oder vital zu bleiben", sagte Edda Müller, Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), in Berlin. Tatsächlich aber könne zumindest in einigen Fällen das Gegenteil eintreten.

In der Studie in sechs Bundesländern bemängelten die Prüfer bei jedem siebten Getränk falsche Deklarationen. Bei 24 Produkten gab es Kennzeichnungsfehler, weitere neun warben mit irreführenden Aussagen. Auf fast 100 Verpackungen verzichteten die Hersteller auf empfohlene Warnhinweise: So können laut Müller manche Getränke in Verbindung mit körperlicher Anstrengung und Alkohol die Gesundheit gefährden oder Beta-Carotin enthalten, was in hohen Dosen zu Unverträglichkeit führen kann.

Den Sinn vieler Vitaminzusätze, die bei jedem zweiten Getränk festgestellt wurden, bezweifeln die Fachleute. Oft fehle Folsäure, mit der viele Menschen eher unterversorgt sind - dagegen würden Vitamin C, B6, B12 oder Niacin gern zugesetzt, obwohl es den Deutschen daran selten mangele.

Insgesamt enthielten die Produkte mehr als 100 unterschiedliche Wirksubstanzen, einzelnen Drinks waren bis zu 13 Stoffe zugesetzt - von Apfelessig bis Zitronengras, je nachdem, ob die "funktionellen Getränke" als "Energydrink" angepriesen werden, als "probiotisches Milchgetränk", "Frühstücksdrink" oder für die persönliche "Wellness". Manche Hersteller versprechen ein "wahres Gesundheitselixier", den "Pfad zu langem Leben" oder die "Quelle ewiger Jugend".

Den überzogenen Werbeversprechen fehle oft jede wissenschaftliche Grundlage, kritisiert Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch stehe kein ernährungswissenschaftliches Konzept hinter den Zusätzen. Ein Kindergetränk enthalte zum Beispiel schon in 100 Millilitern die doppelte Menge des Vitamins B12, die für Erwachsene empfohlen werde.

Die Verbraucherschützer fordern, dass Zusätze nur noch erlaubt sind, wenn sie klar erkennbaren Nutzen für die Gesundheit bringen. Zudem solle die Bundesregierung Verordnungsentwürfe von EU-Kommissar David Byrne unterstützen: Er will eine Liste zulässiger Vitamine und Mineralien zur Anreicherung von Lebensmitteln durchsetzen und Höchstmengen festlegen. Die Verbraucherschützer wollen eine Ausweitung auch auf andere Zusätze wie Ballaststoffe, Fett- und Aminosäuren oder Stoffe mit Arzneicharakter wie Ginseng erreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion