Formel 1

Vettels Misstrauensvotum: „Es ist grundlegend was faul“

Seine Abschiedssaison bei Ferrari wird für Sebastian Vettel immer mehr zur Qual.

Nie waren die beiden Großmeister der Formel 1 weiter voneinander entfernt. Lewis Hamilton schwebte im Mercedes am Ende auch auf drei Rädern zum Silverstone-Sieg und darf sich wohl bald Rekordweltmeister nennen, Sebastian Vettel hingegen absolvierte mitten in der Saison immer noch Testfahrten. "Alle zwei, drei Runden" habe er seinen Fahrstil geändert, lamentierte Vettel. Hier anders eingelenkt, da später gebremst - es führte zu nichts.

Wenn ein viermaliger Formel-1-Weltmeister in einem Ferrari ohne nennenswerten Fahrfehler nur dank des Pechs mehrerer Konkurrenten einen lumpigen WM-Punkt einsammelt, dann spricht das für sich. Entsprechend musste Vettel Dampf ablassen: "An diesem Wochenende fanden das Auto und ich nicht zusammen. Es ist grundlegend was faul, entweder bei mir oder im Auto", erklärte der Heppenheimer am RTL-Mikrofon.

Gerade einmal zehn WM-Punkte aus vier Rennen - schlechter startete er nur 2008 als 20-Jähriger in eine Saison - sind eine desaströse Zwischenbilanz für diesen hochdekorierten Fahrer und die stolze Scuderia. Es ist ein Dilemma: Das Auto vermag Vettel keine Sicherheit zu geben, deswegen hat er selbst immer weniger Vertrauen in den Boliden.

Vettel braucht einen Rennwagen mit einem stabilen Heck, um seinen Fahrstil ideal auf die Strecke zu bringen. Ein solches Auto hatte er in seinen Weltmeisterjahren 2010 bis 2013 bei Red Bull, in mittlerweile sechs Saisons bei Ferrari war dies allenfalls in seinen Vize-Weltmeisterjahren 2017 und 2018 der Fall. In diesem Jahr mangelt es zu allem Überfluss noch an Motorleistung. (sid)

"Ich bin jetzt nicht außer Atem", erklärte Vettel deswegen barsch nach 52 Rennrunden auf der für Fahrer und Material anspruchsvollen Strecke in Silverstone: "Es war eher ein Retten als ein Attackieren."

Teamchef Mattia Binotto kündigte eine "gründliche Analyse" der Daten an. Zugleich klang bei dem 50-Jährigen, der sich über Rang drei für Charles Leclerc nach einem "tadellosen" und "perfekten" Rennen des Monegassen freute, auch Kritik an Vettel durch: "Auch heute war er mit seinem Auto eindeutig nicht zufrieden", sagte der Italiener, dabei habe man nach Arbeiten am Simulator und im Windkanal einiges verändert.

Bei wem liegt nun der Fehler? Vettel konnte am Freitag aufgrund technischer Probleme kaum fahren, "trotzdem sollte ich genug Runden auf dem Buckel haben, dass ich dann trotzdem schnell in den Rhythmus komme", sagte der 53-malige Grand-Prix-Sieger: "Auf dem Papier sind beide Autos ziemlich ähnlich, also kann es nicht das Setup sein. Es gibt auch über eine Runde keine Stelle, wo ich schlecht fahre, ich verliere über die ganze Runde."

Aussagen, die in der Formel 1 automatisch Verschwörungstheoretiker auf den Plan rufen. Zumal der 22-jährige Leclerc (Vertrag bis 2024) die Zukunft des Teams ist, Vettel (33) im letzten Jahr in Rot fast schon Teil der Vergangenheit.

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko, ein alter Freund und Förderer Vettels, rätselte nach dem Qualifying, "wo Leclerc die Geschwindigkeit hergeholt hat. Er war schneller auf den Geraden als wir. Allerdings scheint das nur bei ihm der Fall gewesen zu sein, nicht bei Vettel."

Auch Sky-Experte Nick Heidfeld stolperte darüber, dass Vettel nach zwei dominanten Vorstellungen im stallinternen Duell beim britischen Grand Prix klar hintendran war. "Das heißt, dass bei Ferrari grundsätzlich etwas nicht stimmt", schloss der frühere Formel-1-Pilot. Dass die Scuderia bei Vettel "falsche Teile" ans Auto schraube, schloss Heidfeld mit Verweis auf die Konstrukteurs-WM allerdings aus: "Ihn dadurch langsamer zu machen, ergibt keinen Sinn."

So oder so, Vettels rote Horrorshow dürfte weitergehen: Am kommenden Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky) wird wieder in Silverstone gefahren.

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