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Vettel, der tragische Held

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Niedergeschlagen: Sebastian Vettel
Niedergeschlagen: Sebastian Vettel © Getty

Zweimal fuhr Sebastian Vettel auf die Pole-Position, zweimal machte sein Auto schlapp. Vor Malaysia muss der 22-Jährige zeigen, ob er reif für die Führungsrolle im Team ist. Von Elmar Brümmer

Von Elmar Brümmer

Das Lächeln von Sebastian Vettel erzeugt Geräusche. Es surrt, es ratscht, es klickt. Die Begleitmusik zu zwei Pole-Positionen in der Formel 1, die Objektive der Fotografen erforschen während seiner Interviewrunden jeden Winkel des noch jugendlichen Gesichts. Viel lässt sich hineininterpretieren, beispielsweise, dass die Gesichtszüge des 22-Jährigen härter geworden sind.

Und das nicht erst in den vergangenen beiden Wochen, in denen ihm von der Technik seines Red-Bull-Rennwagens zweimal der sicher geglaubte Sieg geraubt wurde. Vor dem Großen Preis von Malaysia am Osterwochenende macht es wieder Klick, eine neue Einstellung für den Rennfahrer, dessen Karriere bisher wie ein Schnellschaltgetriebe funktionierte: Vettel, der tragische Held.

Würde es sich beim RB 6 um ein stabiles Auto handeln, stünde Vettel mit 50 Punkten vor Fernando Alonso (28 Punkte) in der WM-Wertung. In der Realität liegt der Ferrari-Pilot mit 37 Zählern vorn, der Deutsche folgt auf Rang sieben mit zwölf Pünktchen. Sebastian Vettel versucht die Angelegenheit zu regeln, wie er sie häufig regelt - mit einem breiten Lächeln und einem Kalauer. Es sei doch alles kein Vergleich zum Vorjahr, als er mit zwei Nullnummern startete und dann das dritte Rennen gewonnen habe. Aber das Grinsen wirkt angestrengt.

Der Illustrierten Bunte hat er verraten, dass er "sehr, sehr stur" sei, deswegen habe er sich die ideale Sportart ausgesucht: "Wenn ich stinksauer bin, sieht man´s nicht, weil ich einen Helm aufhabe." Und: "Wenn nichts mehr vorwärts geht, haue ich auf den Tisch. Tritt man auf der Stelle, rast man in den Untergang. Fährt man hinterher, kriegt man einen dicken Hals."

Vize-Weltmeisterschaft reicht ihm nicht

Insider wissen, dass der talentierte Mister Vettel hinter verschlossenen Türen nichts mehr vom netten Jungen aus Heppenheim hat. Das Durchsetzungsvermögen in den Briefings entspricht dem seiner Fahrweise. Normalerweise sprechen nach Pannenserien die Manager der Piloten mit besorgtem oder drohendem Unterton vor. Vettel managt sich selbst. Er weiß, dass er im dominanten Auto sitzt, und er will sich nicht wieder von einer Pannenserie die Chance auf den Titel als jüngster Weltmeister kaputt machen lassen, die er 2010 noch einmal hat.

Vize zu sein, das hat ihm schon 2009 richtig gestunken. "Keine Panik, die Saison ist noch lang", versucht ihm Teamchef Christian Horner einzureden, einer der lockeren, aber auch unerfahreneren Formel-1-Bosse. Das wird Vettel in keinster Weise beruhigen. Er weiß: Schon in dieser frühen Phase wird der weitere Verlauf des Rennjahres vorentschieden.

Jetzt entscheidet sich auch, welche Führungspersönlichkeit er selbst ist. Red Bull hat das ganze Team um den Deutschen herum aufgebaut. Malaysia wird zeigen, wie reif der Leader ist und wie stabil das ganze Gebilde. Vettel ist von der Analyse und der Akribie her der gleiche Typ wie Michael Schumacher.

Für Vettel stellt sich die Vertrauensfrage

Zusammenfassend bleibt da: Das Rennen kann er kontrollieren, die Technik seines Rennwagens nicht. Das ist das Risiko dieser Verbindung - der Konstrukteur Adrian Newey gilt als genial, aber auch als Extremist. Seine Autos sind häufig die schnellsten, aber oft auch die labilsten. Auf den Piloten muss es wenig beruhigend wirken, wenn zum zweiten Mal der Ausfallgrund mehrfach anders kommuniziert wird. War die Panne aus Kurve 13 zunächst einer Explosion der Bremsscheibe zugeschrieben worden, wie sie auch der Fahrer erlebt hatte, soll es dann eine falsch aufgesetzte Radmutter gewesen sein. Nun gilt die Annahme, dass es sich um einen Aufhängungsbruch gehandelt hat. Für Sebastian Vettel stellt sich die Vertrauensfrage.

Nach dem ersten Frust von Melbourne spiegelt sich die Gefühlslage von Sebastian Vettel so: "Um über solche Situationen hinwegzukommen, ist es hilfreich, genau zu wissen, was man will." Und: "Man muss sich darauf konzentrieren, was man erreichen will." Das klingt wie das Verbal-Placebo von Motivationstrainern. Aber die in ihm wirkende positive Energie ist es, die ihn so weit nach vorn gebracht hat. Der Bunten hat Vettel noch erklärt, dass das Lenkrad das wichtigste Instrument seines Lebens sei: "Das habe ich in der Hand. Dem gebe ich Befehle."

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