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Reifender Trainer, gereifter Kicker:  Kurz berät  Tiffert.
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Reifender Trainer, gereifter Kicker: Kurz berät Tiffert.

Trainings-Reportage: 1. FC Kaiserlautern

Wie verrückt in Sorge

Der 1. FC Kaiserslautern hangelt sich mit bescheidenen Mitteln am unteren Tabellenrand durch die Saison. Kapitän Tiffert bemängelt fehlende Kreativität im Kader.

Von Jan Christian Müller

Der 1. FC Kaiserslautern hangelt sich mit bescheidenen Mitteln am unteren Tabellenrand durch die Saison. Kapitän Tiffert bemängelt fehlende Kreativität im Kader.

Wer mit dem Auto an dem großen Fitnessstudio und dem Kinocenter vorbei nach Kaiserslautern hineinfährt, trifft immer wieder auf Werbebanner eines Freizeitparks: Schaurig-schön soll es dort zugehen, verheißen die Plakate.

Es könnte auch Reklame für den ortsansässigen 1. FC Kaiserslautern sein.

Schön ist es droben auf dem Betzenberg, wo die Sonne sich am Morgen gerade ihren Weg durch den Pfälzer Wald bahnt, aber beim Blick auf die Bundesligatabelle ist es auch ein bisschen schaurig. Die Nacht war kalt, es liegt so viel Tau auf dem Rasenplatz unterhalb des Fritz-Walter-Stadions, dass Wasser spritzt, wenn die Fußballprofis dort üben.

Es mangelt an Chancen - und Toren

Trainer Marco Kurz beobachtet das Trainingsspiel im Schatten an den Flutlichtmast gelehnt, Stefan Kuntz, der Vorstandschef, steht ihm zu Seite. Aber es fällt kein Tor. Das ist typisch für den FCK im Altweibersommer 2011. Also lässt Kurz seine Stürmer noch eine Weile alleine mit dem Ball am Fuß auf Torwart Kevin Trapp zulaufen. Da treffen sie dann meistens, auch Adam Nemec, der vor Saisonbeginn vom Kirschbaum gefallen war und sich jetzt über die zweite Mannschaft wieder ranarbeitet.

Christian Tiffert, der Kapitän, geht nach dem Training als Erster zum Duschen. Das macht er immer so. Die Stimmung ist besser als die Tabellensituation. Man kennt sich in der Pfalz, und man achtet sich. Tiffert, 29, redet Klartext: „Wir haben ein grundlegendes Problem: Uns fehlt die Kreativität.“

Die Mannschaft ist nach sieben Spielen mit nur einem Sieg Tabellen-15., sie hat vergangene Woche gegen zehn Wolfsburger 0:1 verloren. Keine andere Bundesligamannschaft hat weniger Chancen kreiert und weniger Tore erzielt. Tiffert macht einen Witz draus: „Bei uns gibt es leider keine Messis, die durch fünf Leute einfach mal durchrennen.“

Der Tabellenstand bestimmt die Wahrnehmung

Dafür gibt es beim FCK schon immer Fans, die sich wie verrückt sorgen um ihren Verein. In den Foren prallen die Meinungen ungebremst aufeinander wie Autoscooter. Der vereinslose Gerald Asamoah wird dort gehandelt, aber den holen die Lauterer lieber nicht. Asamoah hat seine besten Zeiten schon erlebt, für solche Spieler hat der Verein mit wenig sportlichem Ertrag viel Geld ausgegeben, ehe Kuntz für Ordnung sorgte. Trainer Kurz sagt also ein wenig spitz: „Im Gegensatz zur Außendarstellung bleiben wir geduldig und haben Vertrauen in unser Personal.“ Die Wahrnehmung der Mannschaft in der Öffentlichkeit gefällt dem knochentrockenen Schaffer nicht. Aber er kennt natürlich auch das Geschäft. Der Tabellenstand bestimmt die Wahrnehmung.

Gerne hätten Kurz und Kuntz junge Männer wie Nicolai Müller oder Zoltan Stieber verpflichtet, um die hochkarätigen Abgänge Sdrjan Lakic, Jan Moravek und Ivo Ilicevic zu kompensieren. Allein: Gegen das neureiche Mainz 05, wo Stieber und Müller jetzt spielen, hatte der FCK mit seinem Mini-Etat nicht den Hauch einer Chance.

Mittelstürmer Erwin Hoffer ging lieber in die zweite Liga zu Eintracht Frankfurt. Dort wird besser gezahlt als bei den Lauterern, obwohl Hauptsponsor Allgäuer Latschenkiefer ? laut Selbstauskunft „Deutschlands Nummer eins im Fuß- und Beinpflegemarkt“, also genau dort, wo es bei Fußballern drauf ankommt ? sein finanzielles Engagement ausbaute. „Wir mussten die kleinsten Kirschen aus dem Kuchen picken“, sagt Kuntz. Im vergangenen Jahr war dem listigen Sport- und Klubchef in Personalunion eine wunderbar gereifte Kirsche untergekommen: Der schon fast vergessene Zweitligakicker Tiffert entwickelte sich in der Pfalz zu einem der besten Bundesligaspieler. So einer ist diesmal nicht wieder dabei.

Flutlichtspiel gegen Stuttgart

Der Kapitän bittet deshalb freundlich darum, „nicht zu vergessen: Wir sind Lautern, wir sind zwar letzte Saison phänomenal Siebter geworden, aber wir haben die Klasse erst am vorletzten Spieltag endgültig gesichert.“ So eng war das. Aber so eng dürfte es in diesem Jahr nicht wieder werden. Das könnte zur entscheidenden Chance für den FCK werden. Augsburg und Freiburg sehen nicht so aus, als würden sie die Liga von hinten aufrollen. Sollte auch der Hamburger SV nicht wieder Land gewinnen, blieben drei Mannschaften, die nicht besser sind als Kaiserslautern.

Freitag kommt der VfB Stuttgart zum Flutlichtspiel. Vergangene Saison machten die Gastgeber gegen den VfB aus einem 0:3 noch ein 3:3.

Da war es wieder, dieses „echte Betze-Feeling“. Erst schaurig und dann schön.

Aber nur im Freizeitpark weiß man immer, wie die Fahrt zu Ende geht.

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