Leichtathletik

„Das vernichtet Karrieren“

Leichtathleten sind nach der Kürzung des Programms der Diamond League empört.

Der Aufschrei in der Leichtathletik-Szene war groß, zahlreiche Betroffene reagierten mit Empörung auf die Kürzung des Programms der Diamond League von 32 auf 24 Disziplinen. „Das vernichtet die Karrieren der Sportler, die auf diese Wettbewerbe spezialisiert sind“, schimpfte Kenias Weltmeisterin Beatrice Chepkoech, die 2018 beim Meeting in Monaco den Weltrekord über 3000 Meter Hindernis auf 8:44,32 Minuten verbessert hatte. Gar zur Revolution rief der frühere US-Star Carl Lewis auf. „Ich habe schon 1997 gesagt, dass die Golden/Diamond League ein Desaster für den Sport ist. Die einzige Hoffnung für alle Athleten ist, das Verbandssystem zu verlassen und mit dem IOC zu verhandeln“, twitterte der vierfache Olympiasieger von Los Angeles 1984.

Der Weltverband IAAF hatte die Entscheidung der Generalversammlung der Diamond League und der Meeting-Direktoren am Mittwoch verkündet. „Unser Ziel ist eine schnellere, spannendere globale Liga, die das Schaufenster unserer Sportart ist“, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe, „eine Liga, die die TV-Sender übertragen und die Fans sehen wollen.“

Betroffen sind von den Streichungen auch Diskus-Olympiasieger Christoph Harting und Hindernis-Europameisterin Gesa-Felicitas Krause, die im kommenden Jahr nur noch abseits der TV-Bilder laufen wird. „Wir müssen jetzt schauen, dass wir die Läufe mit starker Konkurrenz finden“, sagte Krauses Trainer Wolfgang Heinig. Wegen des Geldes nur noch Flachstrecken in der Diamond League zu laufen, sei „keine Option. Der Formaufbau darf nicht vom Geld bestimmt werden.“ Neben Hindernis und Diskus zählen auch die 200 Meter und der Dreisprung nicht mehr zu den Disziplinen, in denen Gesamtsieger gekürt werden. Die IAAF teilte dazu mit, dass Hindernis, Diskus und der Dreisprung als unbeliebteste Disziplinen ausgemacht wurden. Die 200 Meter wurden aufgrund der hohen Belastung für Sprinter im Olympia-Jahr gestrichen. Dies stößt auf besonderes Unverständnis, ist doch diese Distanz durch die Präsenz von Noah Lyles ein Publikumsmagnet.

Der 22-jährige US-Star gilt als erster Kandidat auf die Popularitätsnachfolge von Jamaikas zurückgetretenem Superstar Usain Bolt. Lyles selbst hatte es offenbar die Sprache verschlagen. „Wow, keine 200 Meter“, war alles, was er auf Twitter herausbrachte. Die Nutzungsanalysen werfen durchaus Fragen auf. So wurden online repräsentative Umfragen in China, Frankreich, Südafrika und den USA durchgeführt, nach den Meetings 2019 in Belgien, Großbritannien und der Schweiz Zuschauer befragt und die Klickzahlen der Social-Media-Videos auf der Diamond-League-Seite herangezogen. Athleten selbst wurden aber offenbar nicht mit einbezogen – mindestens eine fragwürdige Vorgehensweise. (sid)

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