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"Die Verhältnisse sind geklärt"

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Brauchte nicht den Himmel anzurufen: Bayerns Dante.
Brauchte nicht den Himmel anzurufen: Bayerns Dante. © dpa

Nach dem Pokalsieg gegen Dortmund strotzen die Verantwortlichen des FC Bayern nur so vor Kraft und Stolz. Jürgen Klopp gibt sich trotzig: "Das Ding ist jetzt nicht für die nächsten hundert Jahre entschieden."

Von Maik Rosner

Es ging nach diesem ordentlich mit Adrenalin angereicherten Pokalabend oft um die grundlegenden, um die schlichten Botschaften. Und Uli Hoeneß hat auch gar nicht erst den Versuch unternommen, sich zurückzunehmen, den edlen Genießer zu geben und seine Emotionen, die mit dem 1:0 des FC Bayern gegen Borussia Dortmund durch den Kunstschuss Arjen Robbens verbunden waren, zu zügeln – und den Tanz der Glückshormone eben nicht nach außen zu tragen. Nein, der Präsident der Münchner wählte die Offensive, es ging wohl nicht anders. Alles, was sich bei ihm angestaut hatte in den vergangenen beiden Jahren, in denen ihn der BVB bis zur Weißglut geärgert hatte, musste raus.

„Mit diesem Spiel haben wir die Vormachtstellung im deutschen Fußball zurück, die Verhältnisse sind geklärt“, sagte Hoeneß, 61, mit seiner gewohnt quietschenden Kopfstimme, als handele es sich um eine amtliche Bekanntmachung. „Es ist wichtig, dass wir Borussia Dortmund mal in einem wichtigen Spiel geschlagen haben, und zwar sehr überzeugend, nicht glücklich, sondern hochverdient. Das wird das Selbstvertrauen der Mannschaft immens steigern.“ Ob er Genugtuung verspüre? „Überhaupt nicht“, sagte Hoeneß. Die Frage, ob man das glauben kann, beantwortete jeder für sich selbst. Der langersehnte Sieg gegen den BVB entsprach jedenfalls dem Selbstverständnis der Münchner.

Bei der Borussia bemühten sie sich derweil um Haltung. Zu gerne hätten die Dortmunder den Bayern auch im siebten Pflichtspiel in Serie ein Schnippchen geschlagen. Jürgen Klopp ließ das erkennen und auch, dass ihn die klare spielerische Unterlegenheit mehr schmerzte, als er zugab. „Der Abstand ist nicht so groß, wie es achtzehn (sic!) Punkte zeigen. Wir werden weiter dranbleiben“, versprach der Trainer trotzig und ergänzte: „Das Ding ist jetzt nicht für die nächsten hundert Jahre entschieden.“

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bemühte sich um einen sachlichen Ton, glitt aber auch einmal etwas ab. „Wir können nicht alles falsch gemacht haben, wenn in München ein 1:0-Sieg so euphorisch bejubelt wird“, sagte er. Sich unterordnen zu müssen, fiel auch ihm schwer.

Manchmal geht es schlicht um Titel

Es war ja tatsächlich ein besonderes Spiel gewesen, dieses Viertelfinale zwischen dem, wie Klopp irrte, nur siebzehn Punkte Vorsprung enteilten Tabellenführer und dem BVB, der den Branchenführer mit zwei hintereinander gewonnenen Meisterschaften und einem Pokalsieg arg getriezt hatte. Und der thematische Überbau war ja wirklich die Rangordnung gewesen. Es war deshalb nur logisch, dass sich in dieser Nacht beobachten ließ, worum es dem Homo sapiens pedilusor, also dieser merkwürdigen Unterart Fußballer der Gattung Mensch, abgesehen von gewonnenen Wettkämpfen geht. Das galt natürlich in erster Linie für das besonders prächtige Alphaexemplar Hoeneß. „Vormachtstellung“ und „Vorherrschaft“ waren jetzt seine Lieblingswörter. Seine aktuelle sportliche Macht hatte der FC Bayern jedenfalls sichtbar ausgeübt.

Sympathien, das hat Hoeneß ohnehin früh in nun fast 34 Jahren als cleverer Steuermann seines FC Bayern gelernt, kann man sich nicht in die Vitrine stellen. Es geht eben manchmal schlicht um Titel. Diesem Streben sind die Münchner mit dem Halbfinaleinzug wieder nähergekommen. „In der Meisterschaft sieht’s sehr, sehr gut aus. Im Pokal sieht’s jetzt auch gut aus. Und in der Champions League ist es noch ein weiter Weg“, fasste Philipp Lahm zusammen, „aber wenn wir so weiterspielen und auf diesem Niveau, sind wir natürlich schwer zu schlagen.“

Robben ist glücklich

Sportvorstand Matthias Sammer, früher Spieler und Trainer in Dortmund, versuchte sich an einer sachlichen Einordnung. „Das Ergebnis ist ein Produkt gewesen, was wir versucht haben, uns das ganze Jahr zu erarbeiten“, sagte er. Aber erreicht sei eben noch gar nichts. „Das kannst du dir nicht auf die Autogrammkarte schreiben: Viertelfinale, Heimspiel gegen Dortmund gewonnen. Das ist ein bissel wenig.“

Am Sonntag werden die Münchner erfahren, ob sie im Halbfinale auf Stuttgart, Wolfsburg oder Freiburg treffen. „Wir lassen alles auf uns zukommen. Ich denke, dass mit uns zu rechnen sein wird“, sagte Jupp Heynckes. Sein Denkmal nimmt Gestalt an.

Nur einer richtete den Blick weniger nach vorn, sondern vergnügt zurück, und das hatte nichts mit Dortmund zu tun, sondern mit der jüngeren Vergangenheit, in der er in der internen Münchner Rangordnung abgesackt war. „Wenn man so ein Spiel mit so einem Tor entscheidet, dann darf man ein bisschen glücklich sein“, sagte Arjen Robben. Für kurze Zeit ging es zwischen all den Posen nur noch um die Schönheit des Spiels und seine besonderen Momente. Der Torschütze sagte: „Ich bin jetzt 29, aber ich glaube, das bleibt.“

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