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Laut Studien führt wenig oder schlechter Sportunterricht verstärkt zu Gesundheitsschäden und sozialen Störungen der Schüler.

Unterricht kann Bewegungsdefizite nicht allein beheben

Sossenheimer Albrecht-Dürer-Grundschule nimmt am Frankfurter Schulsport-Wettbewerb teil / Angebot für übergewichtige Kinder

Frankfurt a. M. - Es ist eine regelrechte Siesta-Truppe, die sich am frühen Vormittag auf dem Sportfeld der Albrecht-Dürer-Grundschule in Frankfurt-Sossenheim mit dem Weitspringen abmüht. Die Erstklässler haben beim Anlaufen keine Power, rudern ungeschickt mit den Armen und treffen den Absprungbalken nur selten. Der Sprung selbst ist bei fast allen Schülerinnen und Schülern als solcher kaum zu erkennen.

Da ist Sportlehrerin Brigitte Högermeyer froh, dass ihre Schützlinge wenigstens beim Frankfurter Schulsport-Wettbewerb unter der Patenschaft der Frankfurter Sparkasse, der Frankfurter Rundschau und der Mainova vergleichsweise begeistert bei der Sache sind.

Die gute alte Trimmspirale, bei der sich die Kinder für unterschiedlich anstrengende Sportarten und sonstige Ertüchtigungen wie Gartenarbeit selbst Kreuzchen machen dürfen, geht zurück bis in die Anfänge der Fitnessbewegung in den 70er Jahren und kommt immer noch an. "Für unsere Schüler ist das ein Anreiz, sich auch mal am Wochenende zu bewegen. Das wird sehr gut angenommen, es macht ihnen Spaß", freut sich die Sportlehrerin, die ansonsten Bewegungsmangel bei Kindern beklagt. Die Schule allein könne den Defiziten, die bei Heranwachsenden aus bildungsfernen Schichten besonders ausgeprägt seien, kaum beikommen.

Obwohl die Albrecht-Dürer-Schule in Sachen Sport eigentlich gut aufgestellt ist. Die Sporthalle ist zwar schon alt, hat einen abgewetzten Boden und eine schlechte Akustik, doch sie ist ausreichend groß und eine Menge Geräte sind vorhanden - auch wenn die von der Schulleitung gewünschte Kletterwand nicht bewilligt wurde. Im Freien gibt es eine Sprunggrube, eine Spielfeld und eine schön schattige Aschenbahn.

Darüber hinaus liegt die Schule, in der 390 Kinder in 16 Klassen unterrichtet werden, am Rande des Sossenheimer Niddaufers - ein Freizeitareal, das Högermeyer und ihre vier Sportlehrerkollegen regelmäßig für den Unterricht nutzen. Das Angebot der Albrecht-Dürer-Schule kann sich sehen lassen. Denn zu den zwei regulären Sportstunden kommt eine Bewegungsstunde hinzu, in der laut Högermeyer Defizite aufgearbeitet werden. "Die meisten Schüler können, wenn sie hierher kommen, weder Bälle fangen noch richtig laufen. Das war noch vor 20 Jahren ganz anders", sagt die 52 Jahre alte Pädagogin und zieht damit einen Vergleich, der für die heutigen Schüler ausgesprochen ungünstig ausfällt.

Um gegensteuern zu können, gibt es weiterhin Tischtennis-, Tanz- und Fußball-AG. Und seit drei Jahren existiert sogar ein spezielles Sportangebot für übergewichtige Schulkinder, die vor allem in der Familie wenige Bewegungsangebote gemacht bekämen.

"Es gibt Kinder, die kommen die ganzen Ferien über nicht vor die Türe", entsetzt sich Högermeyer, die den Frankfurter Schulsportwettbewerb als für diese Kinder besonders hilfreich erachtet. Wegen der Trimmspirale, aber auch wegen des abschließenden Spielfestes im Günthersburgpark.

Und sollte die Albrecht-Dürer-Schule zu den Gewinnern des Wettbewerbs zählen, dann soll mit dem Geld der Geräteschrank weiter aufgestockt werden. Margit Rehn

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