Eishockey

Der Untergang der Kölner Haie

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Polizeischutz nach 15. Niederlage am Stück: Die Kölner Eishockeyspieler steuern weiter auf eine historische DEL-Negativmarke zu.

Schön ist es nicht, was Kölner Eishockey-Fans derzeit ertragen müssen. Seit Weihnachten gewannen die Haie in der Deutschen Eishockey-Liga kein Spiel mehr. Anders ausgedrückt: Der Traditionsklub legte eine fast schon unglaubliche Negativserie von 15 Niederlagen am Stück hin. Nach der jüngsten 1:4-Niederlage im Derby bei der Düsseldorfer EG riss bei den Anhängern endgültig der Geduldsfaden. Bereits nach zwei Spielminuten wurden die Haie-Profis verspottet. Im Anschluss blockierten Fans den Teambus und bepöbelten die Spieler. Die Polizei musste hinzukommen. Das alles verdeutlicht: Der achtmalige Meister befindet sich in der größten Krise der Vereinsgeschichte. Zur aktuellen Stimmungslage sagt Torsten Pfennig, Direktor Finanzen bei den Haien: „Das ist schon sehr frustrierend.“

Für den Unmut der Kölner Fans hat Pfennig aber Verständnis. Die Erwartungshaltung in der Domstadt sei generell sehr hoch. Und die aktuellen Leistungen entsprächen nicht dem Anspruch des Vereins. Die Vorfälle in Düsseldorf relativiert er allerdings: „Die Polizei war da, ja. Aber wir hatten die Situation vorher mit den Fans geklärt.“ Geschäftsführer Philipp Walter fuhr mit den Anhängern auf dem Schiff über den Rhein zurück nach Köln.

Es herrscht Redebedarf. Zumal die Haie ordentlich in die Saison gestartet sind. Sie galten als Mitfavorit auf den Titel. Die Realität mit Rang elf sieht anders aus. „Die Qualität in der Mannschaft ist eigentlich viel besser als der Tabellenplatz“, sagt Pfennig. Warum es zu dem Einbruch kam, vermag er nicht eindeutig zu beantworten. Er spricht von einem „schleichenden Prozess“. Dass Sportdirektor Mark Mahon vor zwei Wochen gehen musste, habe aber aus einer Analyse über einen längeren Zeitraum hinweg resultiert.

Als Grund für die Krise haben die Verantwortlichen mehrere Punkte ausgemacht. Pfennig sagt vage: „Wir sind im Sommer vielleicht irgendwo falsch abgebogen.“ Trainer Mike Stewart, der Mahons Kompetenzen übernahm, stünde jedenfalls nicht zur Debatte. Zu auslaufenden Verträgen der Spieler und möglichen Verlängerung will sich Pfennig erst äußern, wenn Papiere tatsächlich unterzeichnet sind. Gleichwohl „justieren wir jetzt schon für die neue Saison“, sagt er.

Die aktuelle ist für die Haie im Grunde gelaufen. Um in den verbleibenden sieben Partien noch die Pre-Playoffs zu erreichen, müsse schon ein „kleines Wunder“ her, wie Pfennig es ausdrückt. Dennoch seien die Spieler in der Pflicht, auf der Zielgeraden der Hauptrunde das Optimum herauszuholen. „Das sind wir den Fans schuldig.“

Denn die würden ihren Klub leben, sagt Pfennig. In Köln tickten die Uhren ein klein wenig anders. Vereine stünden permanent im Blickpunkt. „Egal ob die Haie oder der 1. FC – die sind hier Kulturgut. Die werden sogar in Karnevalsliedern besungen.“

Aber ausgerechnet zum Start der lustigen Tage droht dem Eishockey-Verein ein trauriges Kapitel. Setzt sich die Negativserie bis Karnevalsdienstag fort, verewigen sich die Haie als eines der schlechtesten Teams in der DEL-Geschichte. Dann stünden im Niederlagenkonto 18 Pleiten nacheinander – das schafften zuvor nur Schwenningen und Freiburg.

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