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Unter die Räder gekommen

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Frostbeulen: Ein Race Touareg auf Eis
Frostbeulen: Ein Race Touareg auf Eis © Citypress

Die Pausenshow mit Rallyeauto führt in der Partie EHC Wolfsburg gegen die Düsseldorfer EG zu einer langen Unterbrechung. Am Ende bleibt es beim 4:2 über die DEG.

So ein Race Touareg 2 ist ein Allradmonster, das nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Das Siegerauto der Rallye Dakar muss laut Homepage von VW-Motorsport "extreme mechanische Beanspruchungen, unterschiedlichstes Terrain und große Temperaturunterschiede wegstecken." Auch Eis macht dem 300 PS starken Wüstenschiff nichts aus, was man spätestens seit Dienstagabend umgekehrt nicht so ohne weiteres behaupten kann.

Denn nicht ein Esel, dem es zu wohl geworden war, hatte sich in der ersten Pause nach der 3:0-Führung des EHC Wolfsburg im ersten Playoff-Viertelfinalspiel gegen die Düsseldorfer EG aufs Eis begeben, sondern Dakar-Co-Pilot Timo Gottschalk im mit Spikes bewehrten Geländewagen des ortsansässigen Herstellers. Die Spielfläche nahm die artfremden Manöver ziemlich krumm, so dass erst nach hektischen Reparaturarbeiten und einer eineinhalbstündigen Zwangspause das Spiel wiederaufgenommen werden konnte. Gerade noch rechtzeitig, ehe der DEG der Sieg hätte zugesprochen werden müssen, die letztlich 2:4 unterlag.

Weil das maximale Zeitfenster für die Eisaufbereitung nicht überschritten worden war, wird sich am Ergebnis nichts ändern, auch wenn die Auto-Panne die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) auf den Plan gerufen hat. Liga-Chef Gernot Tripke ("sehr ärgerlich, sehr peinlich") kündigte ein Ermittlungsverfahren und eine Geldstrafe gegen den Gastgeber an.

Es bleibt beim 4:2 über DEG

Wolfsburg wäre nach der 3:0-Führung fast selbst noch unter die Räder gekommen. "Wir hatten alles gut im Griff. Leider hat uns der VW Touareg dann ausgebremst", sagte Stürmer Andreas Morczinietz. VW-Motorsport wies am Mittwoch jegliche Schuld zurück und bestritt, dass der Wagen nur auf das Eis gefahren und dort abgestellt werden sollte. "Es war ein abgesprochenes Manöver, und der Fahrer hat sich genau an die Anweisungen gehalten", sagte Marketing-Chef Stefan Moser. Er betonte, es habe bereits zwei vergleichbare Einlagen gegeben, die ohne Probleme verlaufen seien.

DEG-Trainer und -Manager Lance Nethery stellte nur verwundert fest: "Ich arbeite seit 16 Jahren in der Liga. Eigentlich dachte ich, ich habe alles gesehen."

Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass wegen der Eisbereitung eine lange Pause erforderlich war. Am 13. Dezember gab in Straubing beim Gastspiel der Frankfurt Lions im zweiten Drittel eine Zamboni den Geist auf. Nachdem das Gefährt vom Eis geschoben worden war, dauerte es ewig lang, bis die Furchen geglättet waren. Fünf Tage später musste das Spiel der DEG gegen Ingolstadt gar abgebrochen werden, weil eine Schraube, die sich an der Zamboni gelöst hatte, ein großes Loch im Eis verursachte. Selbst die angerückte Feuerwehr schaffte es in den 90 Minuten nicht, den Krater auszubessern. Das Spiel wurde wiederholt.

Während in Wolfsburg um 23.10 Uhr Schluss war, stand der 3:2-Sieg der Hannover Scorpions über die Nürnberg Ice Tigers sogar erst eine halbe Stunde später fest. Die Franken fuhren nach der Sudden-Death-Niederlage zurück nach Nürnberg, wo sie am Donnerstag im zweiten Spiel trotz einer Nacht mit wenig Schlaf die Niederlage ausgleichen wollen. Scorpions-Trainer Hans Zach, der seinen 61. Geburtstag feierte, sprach von einem mitreißenden Spiel und erzählte gut gelaunt: "In der Drittelpause der Verlängerung haben wir noch das Siegtor von Olic im Spiel der Bayern gegen ManU geschaut." Sehr zur Freude von Talentförderer Zach bekam der 20-jährige David Wolf das Siegtor nach 108:09 Minuten zugeschrieben.

Lions und Eisbären liegen vorn

"Wir haben das früher auf dem Eis schneller entschieden", witzelte Zach. Nürnbergs Trainer Andreas Brockmann, einst Spieler unter Zach, fügte hinzu: "Bei uns gab es eine solche Regelung auch noch nicht." Das längste deutsche Eishockey-Spiel und das zweitlängste weltweit hatten die Kölner Haie am 22. März 2008 erst nach 168:16 Minuten 4:3 gegen Adler Mannheim gewonnen. Nur zwei Tage zuvor hatten die Iserlohn Roosters nach 117:45 Minuten 3:2 gegen die Frankfurt Lions gesiegt. Beide Spiele endeten erst kurz nach Mitternacht.

Am Dienstag genügten den Lions 60 Minuten zum 3:0-Erfolg über den ERC Ingolstadt. Topscorer Jeff Ulmer und zweimal der nach Ingolstadt wechselnde Stürmer Christoph Gawlik erzielten die Treffer des Vorrundenzweiten. Titelverteidiger Eisbären Berlin kann in Augsburg T.J. Mulock aufbieten. Der Nationalspieler reist trotz einer Kehlkopfprellung mit, die er beim 2:1-Sieg erlitten hatte. (rs/dpa)

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