Tennis

Unkaputtbar

Andy Murray siegt im Fünfsatz-Krimi.

Andy Murray wollte nur noch ins Eisbad. „Sie sagten, es sei für Notfälle. Für mich ist dies gerade ein Notfall“, sagte der leidgeprüfte Schotte: „Mein Körper schmerzt. Ich werde fragen, ob sie mir erlauben, das Eisbad zu benutzen.“

Murray, 33 Jahre alt, frühere Nummer eins der Welt, jetzt mit einer künstlichen Hüfte, konnte nach dem hart erkämpften 4:6, 4:6, 7:6 (7:5), 7:6 (7:4), 6:4 gegen den Japaner Yoshihito Nishioka bei den US Open kaum noch laufen. Er hatte in dem 4:39 Stunden langen Duell vor dem Aus gestanden, einen Matchball abgewehrt. Dass Murray, Spitzname Braveheart, wieder bei Tennis-Großevents aufschlagen kann, gleicht einem kleinen Wunder.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Murray am Ende. Die Hüfte schmerzte unentwegt, keine Therapie brachte Linderung. Wie sehr der zweimalige Wimbledonsieger und US-Open-Champion von 2012 litt, zeigte eine Amazon-Doku mit dem Titel „Resurfacing“ (Wiederauftauchen) eindrucksvoll.

Völlig aufgewühlt liegt Murray dort eines Nachts mit feuchten Augen in seinem Bett und filmt sich selbst. „Ich fühle“, sagt er mit tränenerstickter Stimme, „dass es das Ende für mich ist. Ich möchte wirklich weitermachen, aber mein Körper sagt: Nein.“ Und so setzte sich der britische Tennisheld im Januar 2019 in Melbourne mit zitternder Stimme und Tränen in den Augen vor die Presse und kündigte seinen Abschied vom Profitennis an.

Doch Murray, der sich im Anschluss eine Oberflächenprothese aus Metall implantieren ließ, ist ein zäher Hund. Das bewies er auch jetzt wieder einmal in beeindruckender Manier. (sid)

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