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Frankreichs neuer Schwimmheld - Yannick Agnel.

Yannick Agnel

"Unglaublich, fantastisch, historisch"

Frankreichs neuer Schwimm-Held heißt Yannick Agnel. Der 20-Jährige setzt nach Staffelgold noch einen drauf - und holt auch über 200 Meter Freistil Edelmetall. Elegante Technik zeichnet Agnel aus.

Von Jens Weinreich

Rache ist süß. Oder besser: incroyable, fanatastique, historique! Mit derlei Vokabeln – unglaublich, fantastisch, historisch – wurde in französischen Medien jene Goldmedaille gefeiert, die Frankreichs Freistilsprinter im epischen Duell mit den US-Amerikanern gewannen.

Mit jenen Amerikanern, die fast immer gewinnen, die vor vier Jahren in Peking im Vorlauf ihr zweites Team Weltrekord kraulen ließen, ehe im Finale ihr erstes Team mit einem famosen Jason Lezak den schon weit enteilten französischen Bodybuilder Alain Bernard noch abfing. Auch diesmal haben die Amis ein A- und ein B-Team aufgeboten. Doch in London war alles anders.

Spektakel im Aquatics Centre

Es war wieder ein Staffelrennen, das jeden Beobachter von den Sitzen reißen musste (vernachlässigen wir die D-Frage mal ein Weilchen). Für derlei Aufgeregtheiten wird diese Olympiashow ausgerichtet.

Die Menschen im architektonisch gewöhnungsbedürftigen Aquatics Centre, das den Blick auf die Gegentribünen kaum zulässt und nicht von allen Sitzen freie Sicht auf das Becken gewährt, diese glücklichen Ticketbesitzer, sie tobten. Die größte Show auf Erden, Olympia, bot ein Spektakel, in dem Michael Phelps und Ryan Lochte, den Sieggewohnten, ausnahmsweise nicht die Hauptrolle zukam. Für sie war es sehr bitter.

Frankreichs neuer Held

Präzise betrachtet hatte sich ja schon am Samstag angedeutet, dass Lochte, der natürlich eine 47er Zeit kraulen kann, derzeit auf hohem Niveau, nun ja, Probleme hat. Im Fernduell mit der chinesischen Lagen-Weltrekordlerin und Olympiasiegerin Ye Shiwen war er da gerade mal drei Hundertstel schneller. Im direkten Duell am Sonntag wurden für ihn 47,74 Sekunden gestoppt – eine Sekunde langsamer als Yannick Agnel, Frankreichs neuer Held, Schnellster des Finalfeldes.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Lochte war sehr gut. Aber Agnel war viel besser. Und natürlich diskutieren die Amerikaner nun, ob es nicht klüger gewesen wäre, einen frischen Mann schwimmen zu lassen, zumal Lochte bei seinem umfangreichen Programm, kurz zuvor hatte er noch das Halbfinale über 200 Meter Freistil, leicht die Übersicht verlieren kann.

Jason Lezak, dem Turbo-Krauler von Peking (unwirkliche 46,06 Sekunden), war nur der Vorlauf zugedacht. Er schaute sich das Finale von der Athletentribüne an.

Deutsche Staffel schlägt sich respektabel

Die deutsche Staffel mit dem Berliner Benjamin Starke, der seine Bestzeit touchierte, Markus Deibler, Christoph Fildebrandt und Marco di Carli wurde passabler Sechster, nachdem sie im Vorlauf bereits deutschen Rekord geschwommen war. Das ging etwas unter im Finale furioso zwischen Franzosen, Amerikanern und Russen.

Es war ein schönes, seltenes Bild, wie Amaury Leveaux, Fabien Gilot und Clement Lefert am Beckenrand auf Agnel warteten. Kein wildes Herumhopsen, kein entrückter Blick wie etwa bei Michael Phelps zu beobachten, sondern eine fast stille, diebische Vorfreude. Dann hoben sie synchron die Arme. Geschafft. Revanche. Sekunden des Glücks. Die ergänzt wurden durch den Erfolg von Camille Muffat (22) über 400 Meter Freistil.

Yannick Agnel, gerade 20 Jahre alt geworden, ist kein Muskelprotz wie Bernard, der im Vorlauf schwamm und sich wie auch Jeremy Stravius Olympiasieger nennen darf.

Phelps muss sich hinten anstellen

Agnel ist ein Techniker, ein eleganter Gleiter. Er führt die Weltrangliste über 200 Meter Freistil an, das ist seine Lieblingsstrecke. Die Staffel ist schön und gut, aber ein Olympiasieg im Einzel sei noch toller, hat er gesagt.

Am Montag Abend erfüllte Agnel sich diesen Traum: In 1:43,14 Minuten gewann er überlegen vor den Asiaten Sun Yang aus China und Weltmeister Park Tae-Hwan aus Südkorea, die zeitgleich nach 1:44,83 Minuten anschlugen. Der Deutsche Paul Biedermann musste sich mit Platz fünf begnügen. (mit dpa/zys)

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