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Unausweichlich

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Von: Ingo Durstewitz

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Von Heesen hat es in Windeseile geschafft, auch die letzten Sympathien bei den Fans zu verspielen, und der bockige Coach unternahm nichts, sie zurückzugewinnen. Von Ingo Distewitz

Als der manchmal etwas sonderbare Teppichhändler Michael A. Roth in einem Interview mit einer Nürnberger Zeitung wenig subtil stichelte, "der Trainer hat deutlich genug kundgetan, dass er sich hier nicht so wohlfühlt", da waren die allerletzten Zweifel ausgeräumt: Die Tage von Thomas von Heesen beim 1.FC Nürnberg sind gezählt. Das hat der smarte Fußballlehrer rasch erkannt - und den Rückzug aus freien Stücken angetreten. Der sichert zumindest ein bisschen Würde und Stolz, ändert aber nichts am unumstößlichen Fakt: Die Trennung war unausweichlich.

Im Grunde kommt sie drei Monate zu spät. Denn schon während der Erstligasaison und spätestens nach dem Abstieg kristallisierte sich heraus, dass von Heesen und der 1. FC Nürnberg nicht auf einer Wellenlänge funken. Der Westfale, 46, kam mit seiner nüchternen und technokratischen Art gar nicht gut an am Valznerweiher, zumal als Nachfolger des kauzigen, aber sehr beliebten Volkstribuns Hans Meyer.

Von Heesen hat es in Windeseile geschafft, auch die letzten Sympathien bei den Fans zu verspielen, und der bockige Coach unternahm nichts, sie zurückzugewinnen. Er machte seinen Job, unnahbar und oberlehrerhaft. Dabei war seine Mission schon im Mai gescheitert, der Makel des Abstiegs haftete an ihm. Keine glücklichen Voraussetzungen für einen Neuanfang. Die Kardinalfrage lautet: Warum nur durfte er weitermachen?

Von Heesen hat auch im Unterhaus mit einem Spitzenetat von 13 Millionen Euro aus guten Einzelspielern keine Mannschaft formen können, schlimmer noch: Er brachte Teile des Teams gegen sich auf. Das ist nicht verwunderlich, denn wenn gestandene Spieler wie Marco Engelhardt oder Marek Mintal auf die harte Bank müssen, ist Ärger im Verzug. Das gesamte Ensemble harmonierte nicht, es wirkte, als sei es sich zu fein, eine Klasse tiefer gegen den Ball zu treten. Die Profis sind gedanklich noch nicht angekommen in Liga zwo. Auch dieser eher weiche Faktor fällt in den Arbeitsbereich des Trainers.

Fachkraft von Heesen, ein hervorragender Taktiker, konnte nie glaubhaft vermitteln, für was er eigentlich steht, für welche Fußball-Philosophie; ein Konzept, eine Handschrift suchte man vergebens. Bis zum Schluss.

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