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Von links: Sportdirektor Stefan Schaidnagel, der neue Bundestrainer Toni Söderholm und DEB-Präsident Franz Reindl auf dem roten Teppich auf dem Weg zur Pressekonferenz des Deutschen Eishockey Bundes (DEB).

Eishockey

Überschaubare Referenzen

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Der neue Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm bringt immerhin Humor mit.

Hat Toni Söderholm, der neue Eishockey-Bundestrainer, auch Humor? Bei Marco Sturm, seinem überaus erfolgreichen Vorgänger, erhellte immer gleich ein breites Lachen sein Gesicht. Söderholm, 40, Finne, wirkte unbewegt, als er am Donnerstag im Münchner Olympiapark vorgestellt wurde. Ein großer hagerer Mann mit Glatze, der breiten Öffentlichkeit noch unbekannt.

Doch es ging bei der Entscheidungsfindung in der Besetzung des vakant gewordenen Postens zunächst auch nicht darum, wie einer nach außen wirken mag, sondern nach innen. Franz Reindl, der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), erzählte, dass er sich unter den Nationalspielern umgehört hat, was sie von Söderholm halten: „Die Eishockey-Familie ist klein, da gehört es sich, die Familienmitglieder zu fragen.“ Und von denen, so Reindl, habe keiner ein schlechtes Wort verloren über den Kandidaten Söderholm. „Wie hast du das gemacht, Toni?“ Der Toni blickte ungerührt in die Runde, aber reibt Daumen und Zeigefinger der rechten Hand aneinander. Das Zeichen für: Ich habe mir die guten Bewertungen gekauft. Also: Er hat Humor.

Sechs Wochen hat die Suche gedauert, nachdem Marco Sturm sich in seinen Traumjob in die NHL verabschiedet hatte. Es sind reichlich Bewerbungen eingegangen. Von rund fünfzig, berichtete Sportdirektor Stefan Schaidnagel. Er hat ein Anforderungsprofil erstellt und es mit den Profilen derjenigen abgeglichen, die infrage kamen. Bei Söderholm ergab sich die größte Übereinstimmung. „In den Interviews war Toni absolut überzeugend“, sagte Reindl.

Die Referenzen Söderholms als Trainer sind noch überschaubar. Er spielte bis 2016, war danach Co- und Development-Trainer beim EHC München, übernahm 2017 als Cheftrainer im Auftrag der Red-Bull-Organisation den SC Riessersee in der DEL2 und blieb beim Traditionsklub, als der wegen Insolvenz in die Oberliga absteigen musste. Der Plan, den München mit ihm hatte, war offensichtlich: Er sollte zum Nachfolger von Meistertrainer Don Jackson aufgebaut werden. „Ich danke München, sie haben mich auf die Trainerbühne gebracht“, sagt Söderholm. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere mit 37 Jahren sei es darum gegangen, eine „emotionale Lücke auszufüllen“. Schnell fand er sich ein im neuen Metier.

Empfohlen hat er sich vergangene Woche auch noch durch seine Assistenz bei der U 20-Nationalmannschaft, die in Füssen die WM der Division I überzeugend gewann und den Aufstieg in die A-Gruppe vollbrachte. Christian Künast, Chef der U 20, habe die Zuarbeit Söderholms als „überragend“ bezeichnet, so Reindl. Sein eigener Eindruck: „Toni ist noch nahe dran an den Spielern, er ist ein Spielercoach, er hat Charisma, er ist ideal fürs internationale Eishockey.“

Bislang hat Söderholm sich in seiner Trainingsarbeit in Garmisch-Partenkirchen nach den Vorgaben von Münchens Trainer Don Jackson gerichtet, den er bewundert. Er weiß aber noch nicht, ob er dessen System in der Nationalmannschaft spielen lässt. Auch Sturm, von dem er „schon eine Nachricht bekommen“ hat, habe ein erfolgreiches System implementiert. Für Söderholm ist klar: „Wir bleiben in der Spur des DEB-Eishockeys.“ Er sei „sofort aufgeregt gewesen, als Stefan Schaidnagel mich anrief“, Druck verspüre er trotz der Sturm-Erfolge mit dem Olympia-Silber keinen. Sein Vertrag beim DEB läuft gleich bis 2022.

Söderholm wird nicht nur der neue Bundestrainer, sondern auch noch ein halber Generalmanager. „Toni und ich teilen uns diese Stelle“, erklärt Schaidnagel. Sein eigenes Jobprofil beschreibt er als „Sportdirektor plus X“. Sein Aufgabengebiet: „Die Generalverantwortung.“ In seiner erweiterten Rolle als zweite Hälfte der Generalmanagers hat er „gestern Nacht mit Leon Draisaitl telefoniert“. Deutschlands Vorzeigespieler in der NHL (Edmonton).

Kaum eine Erwähnung fand bei Söderholms Vorstellung der Name Christian Ehrhoff. Der Silbermedaillengewinner und Ex-NHL-Verteidiger soll im deutschen Eishockey eine Rolle spielen. „Christian ist nach dem Ende seiner Spielerkarriere noch in der Findungsphase“, sagte Reindl. Es werde wohl auf eine Stelle als „Repräsentant“ hinauslaufen.

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