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Das deutsche Quintett um Kim Bui überzeugten mit starken Leistungen.

Im Strom-Chaos

Turnerinnen mit WM-Topleistung - Seitz stark am Barren

Es war einer der stärksten Auftritte deutscher Turnerinnen im letzten Jahrzehnt. Trotz einer fatalen Unterbrechung turnte das Quintett sauber und darf auf die zweite Teilnahme an einem WM-Teamfinale nach 2011 hoffen. Eli Seitz hofft zudem auf zwei Einzelfinals.

Fünf junge Frauen strahlten um die Wette, der nervige Stromausfall war schnell vergessen: Die deutschen Turnerinnen haben sich bei den Weltmeisterschaften in Doha auch von einer längeren Unterbrechung nicht schocken lassen.

Im dritten von elf Durchgängen der Qualifikation kamen sie auf 161,071 Punkte und belegen damit in der Zwischenwertung nach dem ersten Tag den dritten Platz hinter den unglaublich überlegenenen Amerikanerinnen um Superstar Simone Biles (174,429 Punkte) und Japan (162,180). Damit steuern die Deutschen weiter Kurs auf das Team-Finale.

„Das fühlt sich total gut an. Jetzt heißt es lange zittern. Aber besser ist es, wenn man gut abgeliefert hat, als wenn wir selbst schlecht geturnt hätten“, sagte die 29 Jahre alte Kim Bui. „Jetzt hoffe ich nur, dass wir auch am Sonntag noch so glücklich sind wie jetzt“, unterstrich sie. Erst dann wird feststehen, wie sich die Konkurrenz präsentiert hat und ob die Punktzahl der Deutschen für den zweiten Einzug in ein WM-Mannschafts-Finale nach 2011 reicht.

Nach dem starken Auftritt der Deutschen am Stufenbarren hatten Stürme mit heftigen Regenschauern und ein damit verbundenes Strom-Chaos im mit nur wenigen Dutzend Zuschauern besetzten Aspire Dome zu einer 30-minütigen Unterbrechung geführt. Doch das störte die Deutschen wenig. „Das war schon komisch. Keiner wusste, was los ist“, beschrieb Elisabeth Seitz die Situation. „Das hat wohl vorher keiner geahnt, dass hier mal eine halbe Stadt unter Wasser steht“, fügte die Stuttgarterin hinzu.

Alle blieben ruhig und turnten den Wettkampf nach der Pause souverän zu Ende. Seitz glänzte mit einer starken Darbietung am Stufenbarren, die mit 14,566 Punkten belohnt wurde. Damit darf die Olympia-Vierte als derzeit Dritte des Zwischenklassements auch auf den Finaleinzug an ihrem Spezialgerät hoffen. Am Schwebebalken musste sie nach einer Doppeldrehung aber vorzeitig vom Gerät und sich daher im Mehrkampf mit 52,798 Punkten begnügen. Dennoch sollte sie auch diese Wertung in das Mehrkampffinale der besten 24 am Donnerstag führen. „Ich denke, das wird reichen“, meinte sie.

Auch ihre Team-Gefährtinnen unterstrichen, dass sie ein „völlig neuer Teamspirit“ nach vorn getrieben hatte. „Jede war so positiv eingestellt. Wir haben die Fehler von der EM in Glasgow gut aufgearbeitet und eine neue Balken-Strategie entwickelt. Das hat zu 100 Prozent funktioniert“, lobte auch Cheftrainerin Ulla Koch.

Einige Stunden später beeindruckte eine brillante Simone Biles ihre Konkurrentinnen. Die viermalige Olympiasiegerin aus den USA setzte sich mit 60,965 Punkten an die Spitze des Mehrkampfes und führte auch die Wertungen an drei der vier Geräte an. Krönung ihres Auftritts war der von ihr kreierte, gestreckte Vorwärts-Salto mit zwei Schrauben. Der spektakuläre Sprung wird nun als „Biles“ ins Regelwerk des Weltverbandes FIG aufgenommen und den Schwierigkeitsgrad (D-Note) von 6,4 Punkten erhalten. Am Samstag zogen die Kampfrichter für die perfekte Ausführung die Tageshöchstnote von 15,966 Punkten.

Kaum 24 Stunden zuvor hatte die Kronzeugin im Missbrauchsprozess gegen den früheren US-Teamarzt Larry Nassar wegen massenhafter sexueller Übergriffe einen Schreckmoment zu überstehen. Wegen starker Schmerzen aufgrund eines Nierensteins musste sie in der Nacht die Notaufnahme eines Krankenhauses in Katars Hauptstadt aufsuchen. „Nichts als eine lange Nacht“, gab sie aber via Twitter Entwarnung.

(Von Frank Thomas, dpa)

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