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Deutsche Medaillenhoffung in Doha: Elisabeth Seitz.

Titelkämpfe

Turn-WM in der Wüste: Die Hitze stört Elisabeth Seitz wenig

Erwartungsfroh nehmen die deutschen Turner die erste Wüsten-WM in Angriff. Doch Verletzungssorgen haben die Hoffnungen der Männer gedämpft. Doch Rekordmeisterin Elisabeth Seitz fühlt sich glänzend in Form und träumt von ihrer ersten WM-Medaille.

Nur 5,1 Kilometer zeigt der Routenplaner vom Aspire Dome bis zum Rand der Wüste. Von Hotel-Balkonen kann man das riesige Dürrland vor den Toren Dohas sehen.

Das Thermometer klettert in der Innenstadt derzeit regelmäßig auf 34 Grad, in den Mittagsstunden sogar auf 38 Grad. Doch die deutsche Rekordmeisterin Elisabeth Seitz stört die Hitze nicht. Der moderne Arena bietet in klimatisiertem Ambiente beste Möglichkeiten für die ersten Turn-Weltmeisterschaften im Mittleren Osten.

Ein unglaublicher Regenguss am Freitagabend machte da vor allen den Männern schon mehr Probleme: Wegen der Wassermassen musste sogar der Eingang zum Team-Hotel gesperrt werden. In der Aspire Dome Zone, zu der insgesamt 13 Sporthallen gehören, wurde aus Sicherheitsgründen der Strom abgeschaltet, die Straßen waren überschwemmt, eine Trainingshalle musste gesperrt werden.

„Ich war bisher noch nie hier, noch nicht mal bei einem Weltcup. Deshalb war die Vorfreude auf Doha besonders groß“, meinte die derzeit beste deutsche Turnerin. Mit dem Gewinn ihres siebten Mehrkampf-Meistertitels war Elisabeth Seitz vor drei Wochen zur Rekord-Championesse aufgestiegen. „Nach den intensiven Trainingswochen ist meine Form jetzt wirklich echt gut. Das wird eine spannende WM“, ist sich die Stuttgarterin sicher.

Mit 24 Jahren erlebt sie bereits ihre neunte WM. „Ich bin aber genauso aufgeregt wie noch vor ein paar Jahren“, gibt sie zu. Am Rand der Wüste soll nach Platz vier bei Olympia in Rio, zwei EM-Medaillen und zwei Gesamt-Weltcupsiegen nun endlich auch mal Edelmetall bei einer WM her. Die Chancen am Stufenbarren stehen nicht schlecht, wenn sie ihr extrem schwieriges Programm sauber durchturnen kann.

„Davon träumt jeder Sportler. Dass Problem ist, im Wettkampf genau daran nicht zu denken und sich verrückt zu machen“, versucht Seitz, erst einmal gar nicht an Edelmetall zu denken. Am Samstag geht es in der Qualifikation für sie vor allem um ein gutes Team-Resultat. „Wir haben uns vorgenommen, ins Finale einzuziehen. Das ist das große Ziel“, gibt sie die Meinung des ambitionierten Quintetts wieder, obwohl in Weltmeisterin Pauline Schäfer und der WM-Dritten Tabea Alt die beiden Balken-Spezialistinnen verletzt zu Hause bleiben mussten. Der Finaleinzug wäre der erste Schritt zur Olympia-Qualifikation, die besten 24 Teams qualifizieren sich für die WM in Stuttgart 2019.

Viel hat Eli Seitz in ihrer Karriere durchgemacht, Verletzungen ließen sich nicht vermeiden. So war es im April „ein Schock“, als sie erfuhr, dass ihr ein Bauch-Ödem den EM-Start in Glasgow verdarb. „Das war erschreckend, ein böse Überraschung.“ Drei Monate durfte sie ihren Sport nicht treiben, lenkte sich völlig mit dem ersten Semester ihres Pädagogik-Studiums in Ludwigsburg ab. Krafttraining und ein paar Fitness-Übungen waren der einzige Ausgleich. „Ich war echt traurig, dieses große Event mit so vielen Sportarten zu verpassen“, erinnerte sie sich an die TV-Bilder aus Glasgow.

Doch sie habe sich nie „runterziehen lassen“, räumte sie ein, „nie an ein Karriereende gedacht“. Beigetragen hatten dazu auch die vielen schönen Stunden beim ersten Lehrer-Praktikum, bei denen Eli „ihren Kindern“ der fünften bis zehnten Klasse nicht verriet, dass sie im Turnen schon Berühmtheit erlangte und mit dem „Seitz“ am Barren sogar ein eigenes Element kreiert hat. „Für sie war ich einfach nur die Lehrerin Frau Seitz. Nicht die Turnerin“, meinte sie schmunzelnd.

(Von Frank Thomas, dpa)

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