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Not und Tugend in Köln

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Hat es nicht leicht in Köln : Holger Stanislawski.
Hat es nicht leicht in Köln : Holger Stanislawski. © dpa

Beim notorisch großspurigen 1. FC Köln setzt ein Umdenken ein. Die Transfers in der Winterpause haben mittleres Zweitliganiveau und anstelle von Lukas Podolski ist Kevin McKenna jetzt Kölns wichtigster Spieler.

Von Daniel Theweleit

Für einen kurzen Moment blitzte am Montag die gute alte kölsche Hybris hervor. „Und Ihr wollt Deutscher Meister sein?“, sangen die Anhänger des 1. FC Köln, als die Schlussphase des Testspiels gegen Borussia Dortmund begann. Am Ende gewannen die Kölner tatsächlich mit 1:0, woraufhin die Verantwortlichen der Gegenwart erst mal versuchten, die (sicher auch karnevalistisch beflügelte) Begeisterung zu bremsen. Was dieser Erfolg und die Siege in den fünf anderen Vorbereitungsspielen Wert seien, wurde Trainer Holger Stanislawski gefragt, seine Antwort: „Null Tore, null Punkte!“

Erfolglose Tour durch Zweitligaprovinz

Beim FC haben sie Demut gelernt auf der oft erfolglosen Tour durch die deutsche Zweitligaprovinz. Während der letzten Abstecher ins Unterhaus schmückte der Klub sich noch mit der Prominenz des Christoph Daum oder dem Glanz des Lukas Podolski. Nun ist Kevin McKenna, ein Mann, der sich schon auf dem Abstellgleis befand, der wahrscheinlich wichtigste Führungsspieler. Und Stanislawski ist ein solider Arbeiter, keiner, der für eine glanzvolle Zukunft im internationalen Geschäft steht. Außerdem hat der Trainer mächtig unter der allgegenwärtigen Finanznot zu leiden, die die wirren Träumereien von der Wiedergeburt als Bundesligaspitzenkraft hinterlassen haben.

Während sich der 1. FC Kaiserslautern, der auf dem auch von den Kölnern angepeilten Relegationsplatz überwinterte, mit in der Bundesliga erprobten Spielern verstärkte, haben die Kölner ihren Kader mit Sturmbrecher Stefan Maierhofer (RB Salzburg) und dem unbekannten brasilianischen Innenverteidiger Bruno Andrade vom portugiesischen Erstligisten Estoril erweitert. Transfers auf mittlerem Zweitliganiveau waren das. Immerhin kann die Art und Weise, wie die Verpflichtung Andrades realisiert wurde, als Indiz für einen Wandel der Kölner Geschäftskultur gelten. Normalerweise werden Verhandlungen mit Spielern, medizinische Untersuchungen und Vertragsunterschriften am Geißbockheim quasi live in den lokalen Boulevardmedien übertragen. Bruno Andrade wurde erst mit dem 1. FC Köln in Verbindung gebracht, als die Zusammenarbeit schon fix war.

Chronische Indiskretion

Vielleicht ist dieser unter chronischen Indiskretionen leidende Fußballstandort wirklich dabei, sich zu professionalisieren. Zwar wird Werner Spinner, dem neuen Präsidenten nachgesagt, er plaudere zu viel, aber dafür gilt der neue Geschäftsführer als Hoffnungsträger. Thomas Wehrle, ein Mann voller Elan, der zuletzt in der Klubführung des VfB Stuttgart tätig war, kündigte an, er werde „Kostendisziplin einführen bei größtmöglichem sportlichen Erfolg“. Die Liquidität für die laufende Saison konnte nur mit Hilfe einer Fan-Anleihe über zehn Millionen Euro gesichert werden. Wenn der Aufstieg nicht glückt, muss der Etat von geschätzten 20 Millionen Euro auf etwa zwölf Millionen reduziert werden. Wehrle ist, anders als seine Vorgänger, nicht wegen irgendwelcher vergangenen Verdienste verpflichtet worden, er überzeugte mit seinem Konzept in einem sorgfältigen Auswahlverfahren.

Auf die anstehenden sportlichen Aufgaben wird sich diese Personalie aber allenfalls atmosphärisch auswirken. „Wir sind nicht weit vom Relegationsplatz entfernt, den wollen wir erreichen“, sagte Daniel Royer, der am Montag das Siegtor gegen den BVB erzielte. Die Zuversicht ist also da, allerdings dürfen sie sich keine Zeit mehr lassen mit ihrer Aufholjagd. Schon vor Weihnachten befand sich das Team auf dem Weg in die Spitzengruppe, bis zwei Unentschieden in den abschließenden Partien des Jahres den Klub wieder zurückwarfen.

Offenbar dauerte es länger als erwartet, bis das Team sich an den Trainer und die Zweitligaumgebung gewöhnt hatte. Inzwischen seien „die Jungs untereinander eingespielt“, sagte Stanislawski nun. Es sind die kleinen Dinge, die den Kölner derzeit Hoffnung machen. Dazu kann dann durchaus auch ein Testspielerfolg gegen Borussia Dortmund zählen.

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