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Julian Nagelsmann ist Überflieger in Hoffenheim,  Martin Schmidt gilt als Bessermacher in Mainz -  und Alexander Nouri muss sich in Bremen beweisen (v.l.)
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Julian Nagelsmann ist Überflieger in Hoffenheim, Martin Schmidt gilt als Bessermacher in Mainz - und Alexander Nouri muss sich in Bremen beweisen (v.l.)

Bundesliga

Der Trend geht zum Talent

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Die Bundesliga vertraut einer Generation, die im Jahr 2017 unbelastet ist wie nie zuvor. Die üblichen älteren Verdächtigen wie Armin Veh, Thomas Schaaf oder Michael Frontzeck scheinen ohne Chance.

Manuel Baum muss sich spätestens im kommenden Sommer entscheiden: Realschullehrer oder Fußballlehrer? 2014 hatte sich der neue Trainer des FC Augsburg für drei Jahre vom Schuldienst befreien lassen. Alles sei angeschoben, diese Frist noch einmal um drei Jahre auszudehnen, verriet er im Trainingslager in Marbella. Irgendwann muss bei ihm die Grundsatzentscheidung fallen: Beamter auf Lebenszeit mit entsprechender Absicherung und Trainer im Profifußball mit eingebauter Unsicherheit?

Baum sieht in beiden Jobs viele Parallelen, und ist doch Feuer und Flamme für all die Facetten, die ihm der Trainerberuf bietet. Nebenbei diente der 37-Jährige als bestes Beispiel, dass die Branche das Anforderungsprofil umgeschrieben hat. Jung und neugierig, unverbraucht und unbelastet, befördert als Co-Trainer, von der U23 oder direkt aus der Nachwuchsschmiede. Der Trend bei der Trainersuche geht zum Talent.

Die vor mehr als einem Jahrzehnt geschaffenen Nachwuchsleistungszentren haben dem deutschen Fußball fast nebenbei auch bei dieser Personalie mehr Auswahl beschert. Dass sich dahinter mehr als nur eine Momentaufnahme, sondern sogar ein Zukunftsmodell verbirgt, davon ist Frank Wormuth überzeugt. „Nachwuchsbereich heißt heute: Das ist wie eine kleine Bundesliga. Der junge Trainer macht vom Grundsatz her nicht viel anderes als der Profitrainer – nur auf einem einfacheren Level. So kann ein junger Trainer den Verantwortungsträgern in seinem Verein entsprechend früh auffallen“, erklärte der DFB-Chefausbilder im Vorjahr der Deutschen Presseagentur.

Kaum Chancen für die Alten

Das Eigengewächs kennt die Strukturen – und ist vergleichsweise günstig, da er sich an keine Helfer klammert, die ihn seit Ewigkeiten umgeben. Ein nicht zu verachtender Aspekt, wenn ansonsten ganze Trainerteams von einem Ort zum anderen ziehen, was eine spätere Trennung oft erheblich verteuert. Wenn die aktuelle Runde am Wochenende mit dem 17. Spieltag fortgesetzt wird, dann sind Christian Streich (Freiburg), Valérien Ismaël (Wolfsburg), Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Alexander Nouri (Werder), Pal Dardai (Hertha), Martin Schmidt (Mainz) und eben Baum diejenigen Cheftrainer, die der eigene Verein hervorgebracht hat. Die meisten gehören zur Ü40-Generation.

Die üblichen (älteren) Verdächtigen erscheinen vielen Vereinsfunktionären auf einmal suspekt. Bruno Labbadia (50 Jahre) muss weiter warten, Mirko Slomka (49) den Umweg über die zweite Liga nehmen (Karlsruhe). Bei den zuvor bei Eintracht Frankfurt tätigen Trainern Armin Veh (55) und Thomas Schaaf (55) oder auch Michael Frontzeck (52) ist höchst zweifelhaft, ob sich ein Bundesligist noch einmal um ihre Dienste bemüht.

Und bei Peter Neururer (61) sowieso, obwohl er mit seinen 224 Erstliga-Einsätzen mehr Bundesliga verantwortet als zehn amtierende Amtskollegen zusammen. Der seit mehr als zwei Jahren vereinslose Schnauzbartträger hat festgestellt, dass „Erfahrung nicht mehr so viel zählt“. Und das klingt nicht mal beleidigt. Er arbeitet wie Veh ersatzweise als Fernsehexperte, Schaaf übergangsweise für die Uefa.

Dass solche Kandidaten vom Karussell rotieren, wäre vor rund zehn Jahren undenkbar gewesen. Aber heutzutage sind innovativere Kollegen gefragt, die dem Zeitgeist entsprechen – mit wissenschaftlichen Ansätzen und vielleicht auch den modernen Kommunikationsmitteln offener umgehen.

Sieben Teams haben bereits gewechselt

Selbst der Tabellenletzte Darmstadt wollte keinen erprobten Feuerwehrmann, sondern lieber den unbeleckten Torsten Frings. Mit dem 40 Jahre alten Ex-Nationalspieler erhöht sich die Zahl derer, die vor ihrer aktuellen Station nie zuvor einen Erstligisten aus Deutschland trainiert hatten auf 13. Die Ausnahmen sind Ralph Hasenhüttl (Leipzig), Markus Weinzierl (Schalke), Thomas Tuchel (Dortmund), Markus Gisdol (HSV) und Dieter Hecking (Gladbach). Letzterer mutet mit seinen 332 Bundesligaspielen wie ein Haudegen an. Auch die Frankfurter Eintracht hat mit Niko Kovac überaus gute Erfahrungen gemacht, sich in höchster Abstiegsnot der vergangenen Saison auf einen zu besinnen, der die Liga nur als Spieler kannte. Mit entsprechendem Elan und unverstelltem Blick ging Kovac ans Werk. Nachbar Mainz hatte mit Tuchel einst den Prototypen des selbst ausgebildeten Trainers ins Rampenlicht gebracht.

Letztlich werden alle unabhängig von ihrer Vita am Erfolg gemessen – und da steigt der Druck in dieser Spielzeit fast ins Unermessliche. Jene sieben Teams, die in der Tabelle von Rang zwölf an abwärts platziert sind, haben bereits den Trainerwechsel vollzogen. Für Wormuth gibt es „keine Gesetzmäßigkeit, dass Trainer aus dem eigenen Unterbau besser sind als ein etablierter Vorgänger. Wenn ein junger Trainer in seiner Fachkompetenz überragend ist, braucht er auch die Sozial-, Sprach- und Führungskompetenz. Wenn er in der Bundesliga gestandene Profis vor sich hat und mit denen umgeht wie mit Jugendspielern, dann hat er ein Problem.“ Manuel Baum darf das durchaus als Warnung verstehen.

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