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Grenzenloser Jubel: München schreibt Eishockey-Geschichte.

EHC München

Dem Traum so nah

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Der EHC München schreibt Geschichte in der Champions League.

Es war der 23. August. Ein knallheißer Tag, in Berlin brannte der Asphalt. Passanten wunderten sich über dieses Trumm von einem Sportpokal, das auf einer Brücke über der Spree aufgestellt wurde. Darum herum stellten sich Männer in Hemden und Poloshirts für Fotos auf.

Der Pokal, der aussieht wie ein mächtiger russischer Samowar, war die Original-Trophäe, die es in der Champions League des Eishockeys (CHL) zu gewinnen gibt. Die Männer, die mit ihm posierten, waren Spieler und Trainer aus den qualifizierten deutschen Vereinen. Zwei der drei Motive passen nicht mehr zur heutigen Realität. Bei den Nürnberg Ice Tigers flog Trainer Kevin Gaudet nach wenigen Wochen, bei den Eisbären Berlin musste Coach Clement Jodoin kurz vor Weihnachten gehen. Ihre Teams spielten in der CHL keine Rolle, in der DEL kriselten sie.

Don Jackson und Michael Wolf, Trainer und Kapitän des EHC München, sind nach wie vor im Amt. Und sie werden den CHL-Pokal, neben den sie sich vor fast fünf Monaten scheu gestellt hatten, wiedersehen. Am 5. Februar im Scandinavium von Göteborg. Der EHC München, der im fünften Jahr des CHL-Bestehens erster deutscher Viertel- und Halbfinalist war, hat das Endspiel des europäischen Wettbewerbs erreicht. Das Format CHL wird meist kritisiert, weil viele Teilnehmer die Gruppenphase im August/September als Saisonvorbereitung missbrauchen, weil keine russischen Teams mitspielen, weil die Zuschauerkulissen schwach sind (auch in München im Heim-Viertelfinale nur 3440) – doch die Freude, die die EHC-Spieler nach dem 3:1-Sieg in Salzburg offenbarten, bewies: Für sie hat die CHL an Bedeutung gewonnen. Der Jubel erreichte zwar nicht die Kategorie gewonnenes Olympia-Halbfinale, war aber intensiver als etwa nach einem aufwühlenden Sieg in der DEL.

„Im Promo-Clip, den wir vor der Saison gedreht haben, haben wir gesagt: Wir hören nicht auf, bevor Europas Krone uns gehört – das war nicht nur gesagt, das war auch so gemeint“, sagte ein aufgekratzter Verteidiger Kony Abeltshauser. Sein Rückblick auf nunmehr zwölf Spiele CHL: „Es war saueng, in jeder Serie. Man konnte sich auch nicht sicher sein, dass man aus der Gruppenphase überhaupt rauskommt.“

Durch die gesamten Playoffs musste der EHC München zudem mit reduziertem Personal. Im Halbfinal-Rückspiel fehlten Topscorer John Mitchell und mit Jason Jaffray und Mads Christensen noch immer zwei etablierte Stürmer. Was sich feststellen lässt: Die Akademie-Generation mit Tobias Eder, mit Jakob Mayenschein und Maxi Daubner hat – wie vom Red-Bull-Konzern, dem Betreiber der Nachwuchsschmiede, gewünscht – den Anschluss an die Profitruppe gefunden.
Trainer Don Jackson wurde amerikanisch pathetisch. Er lobte das komplette Personal durch, bisweilen mit besonderer Würdigung („Wie Mark Voakes all diese Checks von Thomas Raffl genommen hat“), er äußerte sogar „Stolz auf den Gegner“, der im Hinspiel mit seiner Ausrichtung überrascht und bis zuletzt alles gegeben hatte. Das hätte ja bezweifelt werden können angesichts der „Beziehung unserer Vereine“, so Jackson, Red Bull gegen Red Bull – die Konstellation war brisant.

Wie immer rückte Jackson seine Person in den Hintergrund. Der CHL-Titel fehlt ihm, dem zweimaligen Stanley-Cup-Gewinner (als Spieler) und achtmaligen Deutschen Meister (als Trainer), noch. Er sagt, für ihn sei etwas anderes wichtiger: „Am schönsten für mich ist es, jeden einzelnen Spieler glücklich zu sehen.“

In Göteborg wird der EHC München Außenseiter sein. Jedoch: „Wir nehmen die Euphorie mit, wir werden sie niederrennen, niederkämpfen“, kündigt Abeltshauser mit Blick auf die Frölunda Indians an. 

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