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„Träumen darf man“

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Verena Sailer  hat am Wochenende Weltmeisterin Carmelita Jeter besiegt.
Verena Sailer hat am Wochenende Weltmeisterin Carmelita Jeter besiegt. © dpa

Sprinterin Verena Sailer über ihre Erwartungen und Ziele und den Traum von einer Zehnerzeit über 100 Meter.

Verena Sailer (27) von der MTG Mannheim ist seit Jahren die schnellste Frau Deutschlands. Bei der Weltmeisterschaft 2009 war sie die beste weiße Sprinterin und wurde 2010 Europameisterin über 100 Meter. Seit ihrem 60-Meter-Sieg in 7,16 Sekunden am Wochenende beim Hallen-Länderkampf in Glasgow unter anderem über die amtierende Freiluft-Weltmeisterin Carmelita Jeter aus den USA führt die Sportmanagement-Studentin die Jahresweltbestenliste an. Nie startete die gebürtige Allgäuerin besser in ein Jahr.

Frau Sailer, am Samstag in Glasgow sind Sie über 60 Meter 7,16 Sekunden gelaufen, so schnell wie noch keine andere Frau 2013. Wie fühlt sich das denn an, Weltjahresbeste?

Schon gut. Aber natürlich ist es noch sehr früh in der Saison und deswegen bewerte ich das nicht über. Ich denke, da wird schon noch einiges passieren in diesem Winter. Viele Läuferinnen sind ja bislang noch nicht gestartet.

Was bedeutet denn so ein Sieg über die amtierende Freiluft-Weltmeisterin Carmelita Jeter?

Da halte ich es wie mit der Weltjahresbestleistung: Alles richtig einordnen. Ich habe mir das Video noch einmal angesehen. Dabei war deutlich erkennbar, dass sie noch nicht in Topform ist. Ich hatte dagegen einen sehr guten Lauf. Aber natürlich habe ich mich über den Sieg gefreut.

7,20 Sekunden im ersten Rennen, 7,16 im zweiten. Im vergangenen Jahr liefen Sie 7,15. Darf man mit einer neuen Bestzeit rechnen?

Schauen wir mal. Ich versuche einfach, mich auch in den nächsten Rennen ganz auf mich zu konzentrieren und gut zu laufen. Natürlich will man immer möglichst beim jeweiligen Höhepunkt seine beste Leistung abrufen. Eine Prognose habe ich aber noch nie abgegeben und werde es auch nicht machen. Das Wichtigste ist einfach, gesundzubleiben.

Wegen Ihren lädierten Achillessehnen mussten Sie das Jahr 2011 fast komplett streichen. Sind die Probleme ausgestanden?

Die Schmerzen sind nie ganz weg, aber ich weiß sie ein- und abzuschätzen. Ich habe nach Olympia sieben Wochen pausiert, die lange Auszeit hat extrem gut getan. Danach konnte ich gut trainieren, deshalb bin ich auch in guter Form.

Am Samstag steht das internationale Meeting in Karlsruhe auf dem Programm. In der Europahalle treffen Sie auf Ivet Lalova, Ihre Nachfolgerin als 100-Meter-Europameisterin. Was erwarten Sie von dem Duell?

Ich laufe richtig gern in Karlsruhe, es ist eine tolle Halle, eine schnelle Bahn und eine tolle Atmosphäre. Ich freue mich richtig darauf. Mit Ivet Lalova verstehe ich mich gut, ich laufe gern gegen sie. Ich gehe davon aus, dass sie gut drauf ist, sonst würde sie wohl auch nicht starten. In der Halle haben wir ja ähnliche Bestzeiten, es könnte also spannend werden.

Höhe- und Schlusspunkt der Wintersaison ist die Hallen-Europameisterschaft in Göteborg vom 1. bis 3. März. 2009 in Turin waren Sie Dritte. Eine Medaille sollte also wieder drin sein.

Da denke ich jetzt noch nicht dran, ich weiß ja noch gar nicht so genau, wo ich wirklich stehe. Ich werde mich da aber auf keinen Fall großartig unter Druck setzen, ich will nur eine super Leistung abliefern. Zu was das dann reicht, muss man sehen.

Viele Leichtathleten verzichten ja auf Wettkämpfe unterm Dach. Wie wichtig ist denn für Sie so eine Hallensaison?

Unwichtig ist sie nicht, gerade um nach dem Vorbereitungstraining auch die Schnelligkeit zu entwickeln. Aber der Fokus liegt klar auf dem Sommer, die Freiluftsaison hat schon einen anderen Stellenwert als die Hallensaison.

Im vergangenen Jahr haben Sie Ihre 100-Meter-Bestzeit auf 11,05 Sekunden verbessert. Bis zur Zehn vor dem Komma fehlt nicht mehr viel.

Um unter elf Sekunden zu bleiben, muss nicht nur die Form stimmen, sondern da müssen ein paar Faktoren zusammenpassen: gute Konkurrenz, die Bahn, Wind und Wetter. Aber eine Zehnerzeit wäre Wahnsinn. Träumen darf man, aber wichtig ist, sich als Sportler gut einzuschätzen.

Das Gespräch führte Reinhard Sogl.

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