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Sieht anstrengend aus, ist es auch: Julian Alaphilippe grimassiert durch die Pyrenäen.

Pyrenäen-Etappe

Macron stellt Champagner kalt

Der Franzose Julien Alaphilippe versetzt beim Einstieg in die Pyrenäen selbst den Präsidenten in Feierlaune.

Nüchtern wie immer analysierte Emanuel Buchmann seinen Teufelsritt zum mythischen Tourmalet, da erhob ihn Bora-Teamkollege Gregor Mühlberger zum künftigen Tour-Champion. „Gewaltig. Man kann mit ihm definitiv die Tour de France gewinnen. Ich denke, er ist der nächste ganz große deutsche Star“, sagte der Österreicher über den Ravensburger, der diesen Satz erst einmal gar nicht mitbekam.

Buchmann selbst verzichtete nach seinem herausragenden vierten Platz beim Pyrenäenspektakel auf große Ansagen und hielt an seiner ursprünglichen Zielsetzung fest. „Das war ein sehr guter Schritt, aber es bleibt nach wie vor bei den Top 10. Man darf keinen schlechten Tag haben. Wenn es am Ende mehr wird, umso besser“, sagte der 26-Jährige.

Doch wie Buchmann im Finale der 111 Kilometer langen 14. Etappe der Frankreich-Rundfahrt sogar Titelverteidiger Geraint Thomas mit einer Attacke abhängte, war eindrucksvoll und eine Leistung, wie es sie von einem deutschen Radprofi im Hochgebirge seit langer Zeit nicht mehr gegeben hat. Der Eintrag in die Tour-Geschichtsbücher am legendären Gipfel blieb ihm nur knapp verwehrt, mit acht Sekunden Rückstand zum französischen Tagessieger Thibaut Pinot erreichte er das Ziel.

„Ich habe gehofft, dass es ungefähr so abläuft. Ich bin richtig zufrieden, ich hoffe, das geht in den nächsten Tagen so weiter“, sagte Buchmann, der mit Blick auf seinen Angriff sagte: „Bis ich attackiert habe, war ich nie in Schwierigkeiten. Das ist schon ein sehr gutes Gefühl.“

Der Kletterspezialist vom Team Bora-hansgrohe bot bei der ersten von drei Tour-Ankünften in über 2000 Meter Höhe den weltbesten Rundfahrern die Stirn, auch Frankreichs Liebling Julian Alaphilippe, der seine Führung als Tageszweiter sogar noch festigte und das Gelbe Trikot behauptete. Buchmann liegt in der Gesamtwertung nun wieder auf Rang fünf. „Er hat einen Bombenjob gemacht, er ist absolute Weltspitze“, sagte Bora-Teamchef Ralph Denk.

Buchmann greift an

Ans Limit hatte Buchmann, der 3:12 Minuten hinter Alaphilippe rangiert, den Sieger des Vorjahres geführt. Mit einem Angriff etwa 1,2 Kilometer vor dem Ziel löste sich der Oberschwabe kurzzeitig, er wurde zwar wieder gestellt, aber Thomas konnte den Anschluss nicht mehr halten. „Als die anderen am Hinterrad waren, wollte ich nicht alles von vorne fahren und habe ein bisschen rausgenommen. Es bringt ja nichts, wenn ich die zum Ziel führe“, sagte Buchmann.

Das Gastgeberland befindet sich wegen Alaphilippe weiter im Jubelrausch, der Tour-Besuch von Präsident Emmanuel Macron hätte nicht besser platziert sein können. Nicht nur, dass Pinot am Ende die größten Reserven hatte, auch der große Hoffnungsträger war erneut bärenstark. Alaphilippe liegt nun 2:02 Minuten vor dem Waliser Thomas, der 36 Sekunden auf ihn und 28 Sekunden auf Buchmann einbüßte. Der Champagner werde im Falle eines französischen Tour-Siegers bereit stehen, versicherte Macron auf Nachfrage von Alaphilippe. „Ich werde da sein. Das wäre ein historischer Tag“, sagte Macron.

Belauern in den Pyrenäen:Emanuel Buchmann (li.) vor dem späteren Etappensieger Thibaut Pinot

Die Gruppe der Klassementfahrer war schon im unteren Teil des Tourmalet merklich geschrumpft. Unter anderem fielen der Ire Daniel Martin und der frühere Tour-Zweite Nairo Quintana (Kolumbien) zurück.

Der Brite Adam Yates und der Franzose Romain Bardet konnten schon am Col du Soulor dem Rhythmus nicht folgen, während Buchmann in der Nähe von Alaphilippe souverän seine Position hielt. Weiter vorn mühte sich Youngster Lennard Kämna (Sunweb) in der Fluchtgruppe des Tages mit so prominenten Namen wie dem Tour-Sieger von 2014 Vincenzo Nibali (Italien). Das hohe Tempo der Tour-Favoriten raubte dem 22-jährigen Kämna (Wedel) jede Chance auf eine gute Tagesplatzierung.

Am Sonntag auf der Etappe nach Prat d‘Albis (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) trug Alaphilippe zum zehnten Mal Gelb. Hat der 27-Jährige tatsächlich das Zeug zum Toursieger? „Je näher wir Paris kommen, desto mehr stelle ich mir die Frage“, sagte er. Plötzlich scheint alles möglich. (dpa/sid/hu)

Maximilian Schachmann ist raus

Statt tagelanger Quälerei in den Bergen kann Maximilian Schachmann die restliche Tour de France nun entspannt am Fernseher verfolgen. Mit Schmerzen und einem dicken Verband an der linken Hand stellte sich der deutsche Meister noch ein letztes Mal den Fragen der Journalisten, dann ging es am Samstagmittag per Flug von Toulouse nach Berlin in die Heimat. „Ich habe ganz gut geschlafen, habe aber einmal eine Vollbremsung im Traum gemacht mit der Hand. Mir geht es den Umständen entsprechend gut“, sagte Schachmann. Der Sturz beim Einzelzeitfahren in Pau beendete alle Träume vom Finale in Paris bei Schachmanns so sehr ersehntem Tour-Debüt. Drei gebrochene Knochen in der linken Mittelhand machten eine Weiterfahrt unmöglich.

„Fernsehen werde ich auf jeden Fall gucken. Ich versuche dem Team jetzt mental beizustehen. Mich ärgert es halt richtig, weil ich das Gefühl hatte, dass die Form besser wird“, sagte der Profi des Bora-hansgrohe-Teams. „Er wird erst spät im Herbst wieder zurückkommen“, sagte Teamchef Ralph Denk dem ZDF. dpa

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